Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1884)
- Article
- Holland : Aus Holland [Nachricht]
- Date
- 1884-08-07
- Page
- 508 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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haben könne. Herr Tal behauptete in dieser Broschüre, gegenüber einer Bemerkung des Herrn Dort — und nur damit wollen wir uns heute beschäftigen, auf alles Andere, so interessant es auch ist, den kecken, herausfordernden Angriff in der ihm gebührenden Weise zurückgewiesen zu sehen, können wir hier nicht cingehcn —, daß ״alle Sittcnlehren, welche im Neuen Testamente vorkomntcn, im Talmud stehen, alle ohne Ausnahme/' ״Nennen Sie mir eine einzige Sittcnlchre aus dem Neuen Testament," schrieb Herr Tal, ״welche nicht im Talmud steht!" — Herr Professor Oort rcplizirtc, aber nicht mehr in seinem professornlcn Unfehlbarkeiistone, er hatte seinen Meister gefunden, er war durchschaut worden, Herr Tal hatte ihm gezeigt, daß die ״Talmudistcn" so zu sagen auch noch zu den Gelehrten zu rechnen seien, und daß cs Professoren gebe, die sich als Träger einer Wissenschaft gerircn, von der ihnen kaum mehr als die Anfangsgründe bekannt seien. Also Herr Oort rcplizirtc. Da ihm Herr Tal etwas unsanft aus die Finger geklopft hatte, wollte der Herr Professor den Streit auf ein anderes Gebiet lenken: Herr Tal habe so heftig geantwortet, ״weil cs für ihn ein heiliger Krieg sei, da er (Oort) den Talmud verkannt und gelästert habe", mit anderen Worten: ihm, einem Pertretcr der modernen Wissenschaft, stände der jüdische Rabbi gegenüber, der an seinen alten Glaubenstraditioncu sesthaltc. ״Ach nein," antwortete Herr Tal in einer zweiten Broschüre ״Een blik in Talmoed eu Evangelie", ״cs ist für mich kein Glaubensstreit, kein heiliger Krieg, cs ist eine rein wissenschaftliche Polemik, deshalb, Herr Professor, vor das Forum der Wissenschaft!" — Ich beschränke mich wiederum nur auf den Theil dieser zweiten Broschüre (wenn wir dieses Meisterwerk noch mit dem bescheidenen Namen einer Broschüre bezeichnen dürfen), welcher mit den Artikeln des Professor Strack in Berlin in Zusammenhang steht. — Herr Oort gab nun zu, ״daß er wohl wisse, daß ein großer Theit der Lehre, welche in den ersten drei Evangelien vorkommt, in dem Tallnud zu finden sei, aber Alles — nein, das sei ihm neu! Um nur etwas zu nennen: die ideale Sittenlehre von Matthäus V. solle doch in dem Talmud eine fremde Figur ausmachen!" — ״Denkt Euch nur," ruft Professor Ort seinen Lesern zu, ״den Spruch: ,Euer Wort sei ja, ja, nein, nein. Alles was darüber geht, ist vom Nebel׳' mitten im Traktat N׳׳darim mit seinen Unterscheidungen zwischen gültigen und nichtgültigen Eiden!" Das also war der Haupttrumpf, den Herr Professor Oort ausspielte. Nun war Herr Tal doch sicher geschlagen, gründlich zurückgewiesen; nicht wahr? Da müßte man aber unsere Amsterdamer Rabbiner schlecht kennen. Halbe Arbeit liefern diese Herren nicht, sie sind vollständig mit dem nöthigen Zeuge ausgerüstet, Ganzes zu liefern, sie behaupten Nichts, was sie nicht beweisen können. Herr Tal hatte also behauptet, daß ״sämmtlichc Sittenlehren des Neuen Testaments im Talmud stünden", Professor Oort hatte dieser Behauptung Matthäus V. entgegen gehalten; mm wohl, sagte Herr Tal, schlagen wir dieses Hanptstück des Neuen Testaments auf. Und nun weist Herr Tal nach, wo Vers für Vers, Sittcnlchre für Sittcnlchre, ohne eine einzige Ausnahme im Talmud zu finden sind, und dies nicht nur, indem er Band und Seite augiebt, sondern indem er säntmtliche Belegstellen in Uebersetzung gicdt. Wir müssen es uns leider versagen, Einzelnes ans diesem Meisterwerke heranSzugreifen, es würde den Raum, der uns zu Gebote steht, überschreiten und auch kein Bild dieses trcfflichcn Ganzen geben. Wir bedauern nur, daß dieses in holländischer Sprache geschriebene Werk nicht auch in deutscher Ucbersetznng erschienen ist. ש Amsterdam, I. August. In einem der zahlreichen Blättchen unseres Landes hat jüngst ein fühlendes Herz seinen Bcllcmmuugm über die Thiergnülcrei Luft gemacht, welche das jüdisch-rituelle Schächten angeblich verursache. Es ist dies das alte Lied, und nicht einmal in einer neuen Variation wurde cs uns geboten. Ich erwähne cs auch nur, tun Ihnen ein Faktum initzuthcilcn, welches dem ,,Israel. Nicuwsbode" mit Bezug darauf aus Antwerpen berichtet wird. Vor Jahresfrift ungefähr sollten daselbst mir einer sogenannten Schießmaske in dem öffentlichen Schlacht Hause in Gegenwart des Bürgermeisters tmd mehrerer Sachverständigen Versuche angesteltt werden. Bei diesem Verfahren wird dem Thiere eine Maske auf der! Kopf gesetzt und durch dieselbe ein Schuß abgefenert, welcher das Thier sofort tobten soll. Zufällig befand sich an jenem Tage, auch der jüdische Schächter im Schlachthanse, um seine Funktion auszuüben. Man berichtete cs dem Bürgermeister, und dieser ließ ihn ersuchen, in dem Moincnte, wo er von der gegenüberliegenden Seite einen Schuß hören werde, die Schcchitah vorzunehmcn. Dies geschah. Das gcschächtcte Thier war nun längst tobt, und sogar der Kopf bereits ,.abgearbcitet", als das andere Thier» in krampfhaften Zucknngcn sich windcud, noch lebte. Das Fleisch dieses ThicrcS sah in Folge des in den Adern gebliebenen und geronnenen Blutes schwärzer aus und verdarb auch früher als das Fleisch des gcschächteten Thicres. Die neue Schlachtmcthode mit der Schießmaske wurde denn auch sofort verworfen, und die jüdische Schlachtweisc allgemein als die beste anerkannt. Italien. ..8.. Nom, 29. Juli. Eine wichtige Unigestaltung der jüdischen Verhältnisse in der alten Tiberstadt steht nahe bevor. Die Korrigirnng des Tiber-