Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1884)
- Article
- Deutschland : Aus Oberschlesien [Nachricht]
- Date
- 1884-08-07
- Page
- 507 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn die Menschen einst so erleuchtet sein werden, um im Juden den Bruder zu achten, so können sie nicht so fanatisch sein, dem jüdischen Bruder in der Bcobachtung seiner Gesetze Hindernisse in den Weg zu legen und ihn indirekt zur Auswanderung zu zwingen, weil sie eS ihm unmöglich machen, seinen Tisch zu bestellen. Und gleichwohl ist eS wahr. Und diese Bestrebungen gehen meistens von humanen Vereinen aus, die ihre milde, gerechte Gesinnung sogar auf die Thicrwclt erstrecken. Ich habe vor Kurzem in Ihrem geschätzten Blatte von derartigen Schritten des ThierschutzvcrcinS in Snddcutschland gelesen, früher auch von Aehnlichcm in der Schweiz und England. Ich habe Ihnen heute von Schlesien das Gleiche zu berichten. In der Vcrsammlnng der Schlesischen Thierschntzvereine zu Landes- Hut ist kürzlich beschlossen worden, bei der Reichs״- rcgiernng dahin vorstellig zu werden, daß fortan das Großvieh nur unter Anwendung der Schlachtmaske geschlachtet werden dürfe. ES wurde dabei ausgesprochen, das den Juden dasSchächten zwar gestattet werden sollender erst nach der Betäubung der Schlachtthicre durch den Schlag. Herr Rabbiner Di׳. C 0 h n in Kattowitz, welcher Präsident des ThierschutzvereinS seines Orts ist, hat, wie ich vernehme, energische Verwahrung gegen einen solchen Schritt eingelegt, und ist wohl auch nicht daran zu zweifeln, daß dieser Versuch zur Qual der Menschen auf Kosten des ThierschutzeS eben ein Versuch bleiben wird. 811. Ans SLiddenLschlattd, 1. August. Schon seit Jahren besuche ich mit meiner Frau verschiedene Bäder Deutschlands, und kann zu meiner Freude bemerken, das; wenigstens die größeren Kurorte dem frommen jüdischen Gaste den Aufenthalt in neuerer Zeit angenehmer machen durch die Einrichtung jüdischer Restaurationen und Hotels, wahrend früher die meisten Badeorte ans dem Grunde gemieden werden mußten, weil ״"!^'!-Küchen" fehlten. Doch kann ich nicht umhin, zu bemerken, daß leider bei manchen dieser jüdischen Gasthöfe mehr oder weniger recht große Mängel vorherrschen. Da beklagt sich das badereiscnde jüdische Publikum theils über Mangel am nöthigcn Komfort, thciis über nicht allzu große Sauberkeit und, ich muß eS leider sagen, häufig nicht mit Unrecht. Warum soll dem jüdischen Badereisenden, der streng auf die Beobachtung der Spciscgcsctzc sicht, nicht derselbe Komfort, dieselbe Ausstattung und Sauberkeit in den jüdischen Gasthöfen und Restaurationen geboten werden, wie dem christlichen in seinen christlichen Hotels? Wird eine jüdische Küche eingerichtet, weshalb kann sie nicht mit allen Bequemlichkeiten auSgcstattet werden, zum wenigstens aber Reinlichkeit zeigen? Und ferner — jüdische Badegäste, welche cs nicht so genau nehmen mit dem jüdischen Gesetze, lassen sich dadurch, wie ich aus Erfahrung weiß, znrückhalten, im Badeorte בשר zu essen, während sie zu Hause ja darauf sehen. Wenn man auch sagen kann, auf solche ist keine Rücksicht zu nehmen, so ist eS dennoch besser, wenn man dieselben nicht in Versuchung bringt, nichtjüdische Kost zu genießen. — U11 b endlich möchte ich noch einen Punkt erwähnen, der wohl noch wichtiger ist, als der erste. Wie steht eS in vielen jüdischen Badcrestaurationcn mit dem בשרות? Leider muß ich auch hier gestehen, daß cS damit nicht immer gut bestellt ist. ThcitS ist die Aufsicht ungenügcnd, theils ist der Eigcuthümcr des GasthofcS in religiöser Beziehung nicht zuverlässig genug, theils ist die שחיטה nicht die beste n. A. m. Was nützt es da, wenn fortwährend בשר - Restaurationen eingerichtet werden, bei denen das בשרות fehlt? — Ich habe mich bewogen gefühlt, allgemeiner Klage hierdurch einmal meine schwache Feder zu leihen, einer Klage, in die jeder fromme Jude mit einstimmcn darf.'. Möge diese Mahnung etwas nutzen, und mögen die jüdischen Hotel- oder RcstanrationSbcsitzer in dieser Beziehung einer Stimme aus ihrem Publikum willig folgend ihr Ohr leihen. H o l l a n d. A Ans Holland, 2. August. Herr Professor Strack in Berlin hat sich veranlaßt gefühlt, anläßlich der Erklärung einer Anzahl deutscher Rabbiner, die sich in Berlin zusammengefunden hatten, die Priorität für daS Gebot allgemeinster Menschenliebe für die Bekenntnißschriftcn der christlichen Religion in Anspruch zu nehmen. Diese Behauptung ist nicht neu, sic hat aber in unserem Lande bereits vor mehreren Jahren ihre gründliche, wissenschaftliche Erledigung gefunden. — Im Jahre 1880 brachte die illustrirtc Wochenschrift ״Eigen Haard" daö bekannte Bild de Haan'S: ״Eine schwierige Talmndstclle", und Herr Professor Oort in Leiden, der sich so gern a!S Kenner des Talmud aufspielt, lieferte dazu einen größeren Artikel, in welchem er über den Talmud nach den verschiedensten Richtungen hin sein Urthcit abgab. Der Herr Professor äußerte sich darin in ausführlichster Weise über die Sprache, die Geschichte, den Inhalt, Kar'aktcr und die Bedeutung dieses Riesenwerkes, sogar ein großes Stück ans dem Talmud selbst zitirte er zur Erläuterung der genannten Illustration und gab eine Arbeit zum Besten, der sich kein Eisenmenger, Schudt oder Rohling hätten zu schämen brauchen. Herr Tal, der jetzige Obcrrabbiner! von Geldcrland iu Arnhem, damals noch Rabbiner in s Amsterdam, trat in einer Broschüre ״Pros. Oort cn de Talmocd" energisch diesem Angriffe entgegen und lieferte den Nachweis, daß der Herr Professor Oort weder die Sprache, noch die Geschichte, noch den Inhalt u. s. w. des Talmud kenne, ja, daß er die zitirte Talmudstclle unmöglich aus dem Originale übersetzt