Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1884)
- Article
- Amerika : New York, im Juli [Nachricht]
- Date
- 1884-07-31
- Page
- 494 (sequence 2)
- Language
- German
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unter verständiger Leitung und aufrichtiger Betätigung sein Weib in Trampelstiefeln sind gewiß arme Leute; echt jüdischen Geistes für die ausgesprochenen Zwecke aber sie haben einen warmen Mantel, der sogar zuwirksam ist, so kann er z׳.!m Segen für die amerikanischen weilen gedürstet wird, sie essen Brod und kauen einen Israeliten werden. Palästina. * Bon dem Judenvicrtel der Stadt Jerusalem ' giebt ein Berichterstatter der ״Köln. Ztg." eine Schilde- : rung, von deren Wahrheit wir nicht ganz überzeugt sind, : da sie etwas tendenziös angehaucht zu sein scheint: j 5)״s sollen unter 40 000 Einwohnern an 20 000 Juden hier sein. Das sind alles dieselben Gestalten: die Männer im verschossenen Schlasrock, mit nie fehlendem Filzhut oder Pelzmütze, unter denen vorn zwei lange j Locken von röthlich-schwarzer Farbe heraushängen, die! Frauen in weißer Kopsbinde und halb europäischem Kleid, junge Mädchen, hier und da hübsch, mit auffallend weißer Haut, die anderen alle verwelkt und veraltet, verarmt, fiebrig und skrophulöS. Was in j einem Jahre stirbt, das wird im nächsten ersetzt, wenn j nicht durch Kilt der, so durch die Pilger, welche ztrziehen,! um hier zu bleiben, hier zu sterben oder mit den j anderen hier vom Bettel zu leben. Sie haben ״Sammel- : bücher", Subskriptionslisten, welche in der ganzen Welt j zirknliren und die Mildthätigkcit der Glaubensgenossen! in Anspruch nehmen. Einzelne reiche Männer geben j viel, andere zeichnen und zahlen nicht; die Existenz,! welche die Almosen-Empfänger mit Hülse des Beige-! triebenen führen, ist nach allem, was man sieht und j hört, erbärmlich. Ich sah Frauen mir kranke Kartoffeln j handeln, jedes Stück wurde bckratzt und untersucht,! wie viel davon noch etwa genießbar sei, und dann j wagten sie ihr Angebot uub feilschten wie um werth-! volle Speise. Das tvar ein trauriger Anblick, aber! schlimmere Dinge sollen an der Tagesordnung sein: > das Wasser z. B. (ein Schlauch lostet im Spätsomntcr I und Herbst ein bis zwei Piaster) brauchen sie in der j thenren Zeit erst zum Abkochen, dann znm Waschen, 1 dann znm Trinken. Die Krankeukisten der jüdischen i Hospitäler weisen außer miasmatischen Fiebern einen! uuverhäktnißmäßigeu Prozentsatz von Personen zwischen! 50 und 60 Jahren auf; daS sind meist alte Leute, die aus bloßem BerpflegungSmangcl so heruuterkamelt, daß das Krankenhaus ihnen seine Pforten auslhun muß. DaS ist die Kehrseite deS ״Sterbens in Jerusalcm". Anr besten stehcu noch die Juden spanischer Abkunft, bei denen ein kleiner mitgebrachter Besitz noch vvrznhalten scheint; einzelne haben größere Läden: aber den andern allen geht eS gleich kläglich. Im Bazar sitzen sie mit unglaublichen GeschästssondS; da hat einer ein Viertel eines Kürbisses als gesummtes Lager vor sich, ein anderer sechs Stücke gebrannten Kalks, ein dritter vier KüSchen und zwei Zwiebeln oder zwei Pfund Reiserholz. Der wallfahrende russische Bauer da und 'auchstengel der Länge nach hinab, die sehen neben den Inländern aus wie recht fomfortablc Aristokraten." :Mnnt. d. Red.: Es wäre jehr zu wünschen, wenn über die -Richtigkeit obiger Angaben von kompetenter Seite Mitthcilungen uns zukämen. David Kaller. Bon Aaftali Simon. 3UU■ Ncchlc voYbclmheii. (Schluß.) David zögerte nicht in der Ausführung seines Entschlusses. Sein offener Bruch mit der Hochschule, welcher er alle ihm ertheilten Bekundungen zurückschickte, bildete daS Tagesgespräch. Einige übereifrige Heißsporne unter der Studentenschaft ließen cS sich nicht nehmen, die Presse gegen den Renegaten in Bewegung zu setzen und ergingen sich in Schmähungen, die den Angegriffenen zu einer öffeutlicheu energischen Zurück- Weisung nölhigten. Dadurch erreichte die Erbitterung gegen David in den betreffenden Kreisen ihren Höhe- Punkt. DaS Prosessoreu-Kollegium trat zu einer Konfereu; zusammen, um eine schimpfliche öffentliche Ausstoßung des entarteten Jüngers zu beschließen. Das Resultat dieser Beralhnng gipfelte jedoch in dem Entschlnß, ans Rücksichten der Klugheit lieber nichts zu unternehmen. Die Herren hatten die Empfindung, als ob jeder derartige Schritt das Nebel nur vergrößern könnte. David Hakler genoß bereits eines zu hohen Ansehens in der Gelehrtenwelt, als daß man seine Person herabwürdigen konnte, und sachlich ließ -sich leider nichts gegen ihn Vorbringen. David hatte sich zur Abreise gerüstete Er begab sich zu Marlow, um Abschied zu neym n. ״Sieht man Sie endlich," empfing ihn dieser. ״Wir haben Sie wahrend der ganzen Woche erwartet. Sie sind der Löwe des Tages; die guten Thalborner müßten Ihnen eine Dankadresse überreichen für den interessanten Unterhaltungsstoff, den Sie ihnen gewährt. Sie glauben gar nicht, welchen Antheil die ganze Stadt an der Angelegenheit nimmt. — Sie haben jetzt gründlichst mit der Theologie gebrochen, das freut mich außerordentlich. Man erwartet allgemein, daß Sie sich an der Universität als Dozent der Mathematik habilitircn werden." ״Darin irrt man sich," versetzte David. ״Ich bleibe dem einmal erwählten LcbenSberufe treu." Marlow blickte betroffen ans. ״Nachdem Sie zur