Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
- Date
- 1884-07-31
- Page
- 492 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.492 Schreiber verfaßten Statuten für die galizischen israelitischen Knltusgcmeinden abgelehnt. — Wenn sich dieses bestätigen sollte, so würde cs in der That sehr zu beklagen sein. Es fehlt der orthodoxen Jndenhcit Galiziens an einer geeigneten Vertretung der Negierung gegenüber, um die entgegengesetzten Bestrebungen zu paralysiren. Das orthodoxe Element ist heute entschieden in der überwiegenden Mehrheit. Es ist meines Erachtens nicht die Aufgabe, gegen die Reform, welche sich auch hier geltend macht, aggressiv zu werden. Wohl aber gilt cs, auf der Huth zu sein, daß diese nicht das Heft in -fänden erhält, nm sich bei der Negierung als das eigentliche Judcnthum anfznspiclen oder sich als die Vertretung des gcsammtcn Judcnthnms auszugeben. Mit Weisheit und Umsicht sollte gehandelt werden. Jeder Fehler kann sich bitter rächen. A. Preßbnrg, 24. Juli. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr war eines der ersten Kaffeehäuser unserer Stadt der Schauplatz eines argen Exzesses.' Ucber die Entstehung desselben erfahren wir aus zuverlässiger Quelle folgendes: Der Mitredaktenr des antisemitischen .,Westtmgarischen Grenzboten", Josef Sicbenlist, in Begleitung der Ncdaktionsmitgliedcr Schön Wälder, der übrigens eines gemeinen Verbrechens halber bereits eine Gefängnißstrafe abgebüßt hat, und Nittner, den Herr v. Simonhi eigens aus Deutschland verschrieben, um für den deutschen Antisemitismus in Ungarn Propaganda zu machen, waren, mit Hundepeitschen versehen, bereits dreimal im Kasfcchanse erschienen und hatten sich lebhaft nach dem Theaterdircktor Wolf erkundigt. Sie trafen denselben endlich an, als er harmlos am Spieltische saß. Sicbenlist holte zum Schlage aus, wurde aber von Direktor Wolf gepackt und entwaffnet; selbstverständlich ging es dabei nicht sehr sanft zu. Das Trifolium erhielt von Herrn W., unter Assistenz der KasfechanSbejucher, eine ordentliche Tracht Prügel und wurde dann vor die Thür gestellt. Die Ursache des Attentats wird auf ein früheres Rencontre des Nedaktcur Sicbenlist mit Herrn Wolf zurückgcführt. Der Erstcre hatte in seinen: Blatte Herrn Wolf, der ihm weiter nichts gcthan hatte, als daß er jüdischer Abstaunnung ist, durch ein Schmähgedicht aufs Acußcrste beleidigt und war darüber heftig zur Rede gestellt worden. Darum planten die edlen Ritter einen Ucberfall zu Dreien, der ihnen allerdings schlecht bekommen ist. W. Prag, 22. Juli. Wie der ״Pokr" mitthcilt, weilt der durch seine Brochürcn gegen die Juden bekannt gewordene Professor der Prager theol. Fakultät Dr. August Rohling gegenwärtig in Wien, wo er dieser Tage öffentliche Disputation mit hervorragenden Rabbinern über den sogenannten rituellen Mord haben wird. Wir wollen nicht voreilig sein, begierig sind wir aber dennoch, wer diese hervorragenden Rabbiner sein können, die ihn einer Disputation würdigen möchten- Seinen halbjährigen Urlaub, führt das genannte Blatt fort, werde Dr. Rohling zu einer Reise nach Palästina und Syrien benutzen. Es wäre der türkischen Regierung zu rathcn, eine Quarantäne sür den Herrn anzu ordnen, damit nicht die ״Geistes-Eholcra" nach Palästina! eingeschleppt werde.! Holland.! ש Amstcrdnm, 27. Juli. Unter der lieber-! schrist: ״Jüdische Eingeborene in Transvaal" schreibt j der ״Nienwe Amsterdamsche Courant": ״Dr. Isaak; Gregory d Arbella, Arzt des Sultans von Zanzibar,! welcher einen Zug längs der Ostknste von Afrika unterj nimmt, berichtet von der folgenden iiNeressauten Be-! gcgnnng aus seiner Reise: ״Auf einem Platze, Namens; Ehiloanc, ungefähr zwanzig Meilen von Safala (nach! verschiedenen Gelehrten das Ophir von Salomo und! Hiram) hatte sich eine große Anzahl schwarzer Eingej borener eingeschifft, nm sich an die Arbeit in den! Goldmincn von Transvaal zu begeben. Als Dr.! d'Arbclla dieselben betrachtete, :vor er überrascht von j dem jüdischen Typus, den ihre Gesichtsznge trugen, j Er theilte seine Wahrnehmung einem Reisegefährten! mit, einen: deutschen Missionar, welcher ungefähr drei : Jahre sich in diesem Landstriche aufgehalten hatte. Dieser! bestätigte ihn:, daß er die gleiche Vernnithung gehabt! habe, daß nämlich die schwarzen Eingeborenen dieser . Gegend von den Dienern Salomo's abstanunten, welche nach Ophir gesandt worden waren, um Gold und Edelsteine zu holen, und er sei in seinen Verunlthnngcn durch den Umstand bestärkt worden, daß die Bewohner von Safala und Uingcgcnd verschiedene mosaische Vorschriften, wie: die Dcschneidnng, das Verbot des Genasses unreiner Thiere und Fische, die Feier des siebenten Wochentages als Sabbath beobachteten. Ein von Herrn Mcrcnsky, dem Haupte der Missionare in Transvaal, heransgegebeneS Werk bestätigt vollständig diese Annahine und bezeichnet namentlich die Amatonga'S, Volksstämmc, welche die Gold liefernden Striche bewohnen, als den jüdischen Typus am stärksten tragende. Der genannte Verfasser glaubt, daß Safala wahrscheinlich von den: hebräischen שפלח (Thal) stau:me, und daß von den Bergen, welche dieses Thal umgeben, arabisch Afnra, das Wort Ophir herrührc." (Wir erinnern uns, in einen: Werke eines lange Jahre im südlichen Afrika lebenden englischen Missionars, dessen Name uns augenblicklich nicht gegenwärtig ist, die Ansicht gelesen zu haben, daß die Kafscrn in: Gegensatz zu anderen afrikanischen Stämmen semitischen Ursprungs seien. Wenn wir uns nicht irren, so naht:: derselbe eine Ein- Wanderung arabischer Stämme als Ursache an) N nßland. w. Aus dem südlichen Rußland, 18. Juli.