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Jeschurun · 1884-07-31 · Heft 31 (31.7.1884) · p. 491

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 31 (31.7.1884)
Article
Deutschland : Bochum [Nachricht]
Date
1884-07-31
Page
491 (sequence 1)
Language
German
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491 B. Vochmn, 10. Juli. Wenn Jemand Pech haben soll, dann hat er cS, und müßte er auch erst eine große Reise 11)1111, um es sich zu holen, — die Wahrheit dieses Satzes hat der sehr chrcnwcrthc Herr Max Lieb er mann non Sonnenbcrg erst dieser Tage an sich erfahren. In unserer Stadt!eben die verschiedenen Konfessionen in schönster Harmonie neben einander, Grund genug für den genannten Herrn, — den konfessionellen Frieden zu stören? Gott bewahre! — eine gewisse Sorte ״christlicher Liebe", so unter dem Namen ״Antisemitismus" ihr schleichendes Gift verbreitet, seinen Zuhörern vorzntragcn. Der Herr Liebermann, wahrlich kein lieber Mann, findet in der Metropole der Intelligenz nicht Raum genug für die Ansbrcitung seiner humanen Bestrebungen, das edle DioSkurcn-Paar Stöcker-Wagner und alle jene Ritter und Knappen der ״Schmach für unser Vaterland", wie unser erlauchter Kronprinz die Standarte jener Bestrcbungeu dekorirt hat, machen ihm zu viel Konkurrenz, da schnürt er sein Bündel, schüttelt den Staub Berlins von seinen Füßen und wird cwminis voyagiinr für seine edlen Zwecke. Auch unsere Stadt wurde von ihm beglückt, aber der gute Mann hatte seine Nechnnng ohne unsere christlichen Mitbürger:gemacht. Eimmdsechzig der angesehensten Bürger, an deren Spitze der Geheime Kommerzienrath und StaatSrath Baare, haben eine energische Zurückweisung seiner fricdeusstörendcn Agitation vcr ösfen tlicht. Kolberg, 24. Juli. Bei Gelegenheit der zehnjährigen Stiftungsfeier des hiesigen jüdischen Kur- Hospitals wurde dem Institute, nach einer Mittheilung im ״Berliner Tageblatt", der Ausdruck hohen Wohlwollcns Seitens Ihrer Maj. der Kaiserin, Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen, sowie des Justizministers, deS Obcrpräsidenten der Provinz, des Regierungspräsidenten zu Köslin und anderer hohen Persönlichkeiten zu Theil. Ich glaube, daß im Hinblicke aus die Vorkommnisse der Gegenwart die Bcthätignng einer freundlichen Gesinnung für jüdische Anstalten von so distingnirten Seiten doppelt angenehm berühren muß. Bis. Würgst 11 rg, 25. Juli. Dürfen wir von nichtjüdischer Seite Toleranz und Rücksicht verlangen, wenn wir sehen, daß leider aus unserer eigenen Mitte Leute anstrctcn, welche sich nicht scheuen, gegen ihre jüdischen Brüder in Gegenwart von Nichtjnden vorzngehen'? Einen solchen Fall kann ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, leider berichten. Gelegentlich der Vernrtheilnng der beiden Vagabunden, welche, wie Sie schon berichteten, einen jüdischen Bettler ansplünderten (st Nr. 25 u. 30 d. Bl.) cnspann sich eine Debatte zwischen nichtjüdischen Richtern und einem jüdischen Advokaten über die llrsachc der Ucbcrhandnähme der jüdisch-polnischen ״Schnorrcrei". Der Letztere äußerte, daß die vermögenden Israeliten selbst Schuld trügen an dieser Plage, indem sie jedem jüdischen Schnorrer ihre Hülfe angedeihen ließen. Wenn dieses anshörtc, wenn die Israeliten so vernünftig würden, dieses zu thun, so wäre man bald jenes Nebel loS. So etwas eutblödet sich ein Jude nicht, össentlich zu behaupten. Ocsterreich-U ngarn. :|: Wien, 24. Juli. Zur Ergänzung meiner Mitthcilnng über die Exzesse in Drohobycz vom 21. d. Mts. theilc ich Ihnen mit, daß, dem Vernehmen nach, deren äußere Veranlassung in Differenzen über Grcnzberechtignngcn zwischen der Pctrolcnm-GeselLschast und anderen Grubenbesitzern in BorySlaw-Wolanka zu suchen sein soll. Dieselben wurden von Antisemiten benutzt, um die jlavischcn 'Arbeiter auf die Juden zu Hetzen, und leider mit nur zu gutem Erfolg. Die Arbeiter zogen in Hellem Haufen ans, demolirtcn die Häuser der Inden, in welchen fast keine Scheibe ganz blieb, drangen in die Synagoge, zerrissen die Sisrc-Thora und übten den ärgsten Unfug. Es entstand eine förmliche Schlacht, in welcher mehrere Personen das Leben ein büßten, andere schwer verwundet wurden. Die Gendarmeric mußte scharf einhanen, wobei zwei Personen getödiet wurden. AnS der Hauptstadt der BczirkShauptmmmschast Sambor ist jetzt eine Gerichtskommission in Boryslaw eingetroffcn, und der mitgckommenc Staatsanwalt ist eifrig bemüht, die Schuldigen zu ermitteln, um sie zur Verantwortung zu ziehen. G. Wien, 28. Juli. Gestern fand die UrthcilS- Publikation in Sachen der antisemitischen Krawalle in Zala-Egcrszegh statt. Schuldig wurden gesprochen: deS Aufruhrs, der 'Aufwiegelung und der öffentlichen Gewaltthätigkeit Stefan Gcrcncscr und Franz Schreiner zu fünf Jahren, Koloinan Bali zu vier Jahren; der Aufwiegelung allein Paul Hasgato zu cincinviertct Jahren, Karl Puchcr, Josef Howath, Michael Esalolis, Ladislaus Seher, Johann Szabo, G. BocoSnyak zu je einem Jahre Kerker. Die übrigen Schuldigen wurden mit geringeren Freiheitsstrafen belegt. -Sieben Augeklagte wurden freigesprochcn. 6. Wien, 28. Juli. Graf Oskar Wickenbürg hat dem Vereine zur Errichtung eines israelitcsehen Hospitals in Glcichenbcrg anläßlich der Einweihung dieses Spitals einen Fondsbeitrag von 100 Gulden gespendet. Außerdem hat der Graf zur Ermöglichung einer eventuellen Erweiterung dieser Human itätsanstalt dem gedachten Vereine die daran arainirende, ihm gchörende Bauparzelle in hochherziger Weise geschenkt. -0- Krakau, 24. Juki. Ein Wiener Telegramm der ״Ncsvrma" meldet: Das Minifterinm hat das Gcsuch deS Vereins der orthodoxen Juden Galiziens um Bestätigung der vom verstorbenen Krakauer Rabbiner

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