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Jeschurun · 1884-07-24 · Heft 30 (24.7.1884) · p. 479

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 30 (24.7.1884)
Article
David Haller
Date
1884-07-24
Page
479 (sequence 2)
Language
German
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479 dessen Wissen und Geistesschärfe er hochschätzte, zu rechten; nnd auch in seiner Seele dämmerte eine Ahnung ans, daß er sich non Burgwald'S Phrasen dis jetzt habe täuschen lassen. Wenn David so entschieden sich äußerte, dann konnte er nicht im Irrthnme sein — das stand bei ihm fest. David aber begab sich zum Tische und richtete au Klein das folgende Schreiben in hebräischer Sprache, in welcher sic stets zu korrcspondiren pflegten: ״Verehrter, geliebter Lehrer! Wie der Thcm der lechzenden Pflanze Erquickung gewährt, so Deine Worte meiner nach Wahrheit schmachtenden Seele. Was Deine Unterweisung in der zarten Kindheit und dem ersten Jünglingsalter bei nur begönnen, Du hast es gestern zur Entfaltung gebracht und cs wird zur Reife gelangen. Das fühle ich. Möge es zur Frucht werden, auf daß sich Menschen daran erfreuen und Gott seinen Segen dazu verleihe. Wie ein Blinder tastete ich, jetzt sehanc ich das Licht, wenn auch fern, doch werde ich mich ihm nähern. — Meinem wankenden Fuß hast Du festen Halt gewährt in dem köstlichen Buche, das Du nur gesendet. Hier quillt der göttlichen Weisheit klarer Trmrk — ich habe davon genossen und bin gesundet. Dem erhabenen Manne sind enthüllt worden die Geheimnisse des GottcswortS und er thut sic kund Denen, die bei ihn! Belehrung suchen. Wahrlich, das ist dir echte Weisheit, die über׳ zeugend ist, daß mau nicht begreift, weshalb so lange nach ihr geforscht. Das Gottcswort ist in seiner Vollkommcnheit und Schönheit mir jetzt offenbar geworden, in seiner Ganzheit nnd innigen Verbindung zur Schöpfung nnd Zur Geschichte der Menschheit, und die besondere Bestimmung des Gottcsvolks ist mir zum Bewußtsein gckomiuen in scinerEwigkeit für die gesammten Nationen der Erde. Ich will fortan mich fuhren an der Hand dieses großen Mann cs nnd durch ihn einzndringcn vcrsuchen in den Geist der Lehre und des Gesetzes. Möge Gott mir Kraft nnd Einsicht gewähren. Aber die Lüge und der Wahn ist mir auch offenbar geworden, und noch bevor ich Dein Schreiben empfangen, habe ich cs zum Theil ausgesprochen in offener Vcrsammlung und gebrochen mit der Schocke, die sich fälsch-!ich eine Lehrstättc der Wissenschaft des Indeickhnms nennt. Ich gedenke, in wenigen Tagen diese Stadt zu verlassen, um hinzuwandern zu dem Orte, wo jener Rabbi weilt. Ans seinem Munde möchte ich die Lehre der Wahrheit vernehmen und einige Atonale in seiner Nähe leben. Dann kehre ich heim, so Gott will, zum Vaterhanse und zu den! thcnern Lehrer meiner Jugend und meines Alters, daselbst harrend, bis Gott in seiner Gnade mir den Ort weisen möge, an welchem ich seine Lehre verbreiten, den Irrenden ein Rathgebcr, den Strauchelnden eine Stütze zu werden. So verneige ich mich in Ehrfurcht und Liebe vor Dir, den! thenern Vater und der geliebten Mutter, als Dein Schicker David Haller/' l Schluß folgt.) WzttsllMl. 1) IlLttstrirtor jüdischer ^-mmitc!ifaf1*!1ärr für 5045, hcransgcgebeii von Julius Meyer, Halberstadt: 2) Jllustrirter israelitischerVolkskalenderfür 5045, heransgegeben von Jakob W. Pasch et es, Prag. Nur insofern ein Kalender, welcher sich als ״jüd'ischer" oder ״israelitischer" kennzeichnet, außer dem cigentlichen Zeitweise!׳ nnd neben den praktischen nnd allgemein üblichen Angaben über Märkte, Messen, Verkehrsbestimmnngcn, Ncgentcntascln 11. s. w. einen spezifisch jüdischen Inhalt besitzt, kann er (Gegenstand einer kurzen Anzeige in. dieser Zeitschrift werden. Die beiden Kalender enthalten außer diesen allgemeinen Notizen /מנהגי ביו הכנסת nnd einige biographische, belletristische n. s. w. Aufsätze. Der Meyer'sche Kalender ist in dieser Hinsicht reicher ausgestattct. Die Erzählung von S. Kohn, dem beliebten Verfasser zahlreicher Schilderungen ans dem Prager Ghetto, ״Ein Anderes", bekundet dessen bereits anerkannt hervorragende Meisterschaft auf diesem Gebiete. Der ״Einfluß des Judenthnms nnd seines Schriftthums ans die außcrjüdische Kunst und Wissenschaft" ist eine geistvolle Skizze des Predigers Ludwig A. No sein hat zu Köthen, der wir die weiteste Verbrcitung wünschen möchten. Bon den drei poetischen Gaben desselben Verfassers heben nur die Romanze ״Samuel Nagrela" als eine sowohl nach Inhalt wie Form ausgezeichnete Leistung hervor. Die Skizze des Lebens des verstorbenen Di׳. B. H. A u c r b a ch, Rabbiner zu Halberstadt, ist eine sehr dankensiverthc Arbeit dieses leider zu früh Heimgegangenen bcdcntenden Mannes. Weniger befriedigt der übrige Inhalt des Kalenders. Die Hervorhebung des deutsch-israelitischen Gemeindebnndes, welcher fast auf dem eigentlichen jüdischen Gebiete nichts weniger als jüdische Tendenzen verfolgt nnd immer deutlicher dieselben enthüllt, scheint uns sehr ungeeignet. Der Kalender von Paschel es enthält außer einer interessanten historischen Skizze über ״die Juden in Böhmen" vom Krcisrabbiner Klempner in Tabor, eine recht schöne ״Prager Ghettoa,׳schichte" von Vernarb Auerbach.

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