Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1884)
- Article
- Asien : Aleppo [Nachricht]
- Date
- 1884-07-24
- Page
- 478 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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478 seine Glaubensgenossen bei der Lokalbehörde. Der andere, MoseS Swcd, beschäftigt sich ausschließlich mit religiösen Dingen und schlichtet mitimtci* die Streit; fragen unter den Israeliten. ES giebl I l; niedere Schulen und 5!)öljei'c Taltuudjchulcit, sowie zwei Anslaltcn für ganz arme Waisenkinder und eine Schule der Alliance. - Mehrere Synagogen sind vorhanden, deren größte :301.)( 1 Personen fassen kann. David Kaller. Bon A'aftali -iinon. Me :tiidiie 1'uicl ahcn. wortfftjimy.» ״Du irrst Dich," entgegncte David, ״ich habe mich nicht vergessen. In vollster Ruhe und lieberlcgung tun ich gestern Abend gegen den unverständigen und ungehörigen Antrag ausgetreten. AuS ittncrster Ueber.zcngung habe ich meine Ansicht begründet und der Wahrheit die Ehre gegeben. Das einzige Zeugnis;, 31t welchem die Studentenschaft beruscn wäre, spricht gegen den Professor mtd für den Rezensenten. Niemals ist die Göttlichkeit der mi'ntdlichen Lehre an der Hochschule ausgesprochen worden. Wäre solches geschehen, so hätte der Rezensent es allein mit dem Verfasser zu thun, die Hochschule aber träfe kein Borwnrj. und die Prämisse der Kritik verlöre in diesem Punkte jeglichen Boden." ״Wenn auch nicht in so prägnanter Weise, aber etwas AehulicheS habe ich Burgwald auch gesagt." antwortete Feder. ״Burgwald jedoch erwiderte, daß die fragliche Schrift nicht ein RcligionSbuch, sondern eine wisscltjchaftliche Abhandlung sei, welche die durch offenkundige und nachweisbare Belege darzuthtlende Gut־ Wickelung bei* Tradition wissenschaftlich verfolgen und schildern wolle. Sie habe also mit dem Dogma sich gar nicht 31t befassen. . Und ebenso werde an der Hochschttle die uns vorliegende Tradition für den praktischen Bedarf des Gebens und den Beruf eines Rabbiners in gründlicher Weise vorgetragen. Die Begründung des Ursprungs der mündlichen \?ct)vc gehöre aber der freien wissenschaftlichen Forschung an, eine solche sei aber bislang nicht unternomtncn worden. Erst in dem vorliegenden bahnbrechenden bedetttenden Werke des Pro׳- scssorS liege eine solche in großartigster, geistvollster und scharfsinnigster Weise vor." ״Diese Antwort kennzeichnet das ganze feige, heuchlerische und phrasenhafte Weset! der Burgwaldscheu Richtung," rief David. ״Kann cs zwei sich widersprechende uub einander anfhebende Wahrheiten geben? Entweder ist die tnündliche Vcljrc erst tausend Jahre nach der Offenbarung am Sinai von dem Soferim ersonnen, oder sie ist zugleich mit dieser Offenbarnng von Gott dem Mojes übergeben worden. Wenn das Eine wahr ist, so ist das Andere eine Lüge. WaS mir aber wissenschaftlich als Lüge gilt, das kann ich nicht als heilig und wahr anerkennen und lehren. — Mir sind die Schuppen von den Augen gefallen, — ich danke es dieser Rezension und dem Worte der Wahrheit, welches von ihrem Verfasser gesprochen worden. Ich habe die Unwahrheit als Lüge und die Phrase als Blendwerk nunmehr erkannt. Vurgwald und seine ,Kollegen sind entweder beschränkte, seichte Männer, oder sie sind Heuchler, kciuenfalls aber cimste, wahrheitsliebende, nuerschrockene Gelehrte. Um den inneren Zwiespalt zu verdecken, haben sie die elendeste aller Phrasen, die Scheidung des Wisserts vom Glauben, der Forschung voitt Dogma aus dem heiligsten Gebiete dcS jüdischen GesetzeSstudiums pvotlamivt und damit eine ärgere Verwüstung an gerichtet, als die extremste Reform. Sie haben den Verstand und Karaktcr der Jünglinge vergiftet, welche dentnächst als Rabbiner den Gemeinden vorstchen und als betrogene Betrüger die Gemeinden um ihr Heiligstes betrügen, um die Wahrheit des JudenthnmS." Feder horchte erstaunt auf, so hatte er seinen Schwager noch niemals gesehen. David, der bescheidene, wortkarge und ungemein vorsichtige junge Mann schien über Nacht ein ganz Anderer geworden zu sein. Er wollte ihm in die'Rede sallcn, doch David wehrte ihm ab: ״Lasse ntich ansreden, ich bitte. — — Ich kann mir denken, daß Du erstaunst ob meiner Entschiedenheit. Ich habe lange gekämpft, gezweifelt, gegrübelt und bin unglücklich und elend gewesen. Jetzt aber schaue ich klar und erfreue mich eines seligen erhebenden Bewußtseins, wie ich noch niemals gekostet. Burgtvaid kann sich die Mühe der Relegation ersparen. Ich zeige sofort mein Attsscheiden ans den: Verbände der Hochschule an und sende alle Zeugnisse und Diplome zurück. Ich will keinen Theil haben an dieser Pflanzstättc der Phrase und Lüge. Ich wende ihr den Rücken, und hoffe, daß Gott mir die Kraft verleihen möge,' gegen die verwerfliche Tendenz derselben siegreich zu kämpfen. Ihre Lehre ist nicht die Lehre des JudenthnmS, ihre Wissenschaft ist eitel Flittcrwerk, kindisches Spiel eines arntscligen Witzes. — Laß mich vollenden, was ich begonnen, lieber Schwager. Ich habe, wie die Herren behaupten. das Ftmdamcnt der Hochschule durch mein gcstrigcS Auftreten erschüttert, — wollte Gott, daß dem also wäre. Aber es ist nicht so. Zu fest haben sie den Ban errichtet, rechnend aus die Unwissenheit und die Gleichgültigkeit der Menge. Aber ich möchte ihn erschüttern, daß er vor aller Welt in seiner Richtigkeit erkannt werde." i Feder war einsichtig genug, um nicht mit David,