Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1884)
- Article
- Holland : Amsterdam [Nachricht]
- Date
- 1884-07-24
- Page
- 477 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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477 der Aufschrift: ״Bibel-Uebcrsctznng" folgendes ״Eiugcsandt": ״Bezugnehmend auf den Aufruf zur Vcranstallnug einer neuen Bibel-Ucbcrsctzung und der von der verchrlichen Redaktion dieses Blattes daran geknüpften Bemerkung, über die Zuziehung von jüdischen (gelehrten, erlaube ich mir, die Anfmcrlsamkcit der geehrten Kommission auf ein Werk zu richten, welches in Deutschland erschienen ist und in allen Kreisen viele Leser sindct. Ich meine den Pentatench-Konunentar und -Uebcrsctzung, beides in deutscher Sprache, von dem bekannten Rabbiner Samson Raphael Hirsch in Frankfurt a. M. Der Herr Verfasser, einer der größten jüdischen Gelehrten der Jetztzeit, hat der Bibel-Exegese in seinem Werke ganz neue Wege gewiesen und mit feinstem Verständnis;, der hebräischen Sprache folgend, unabhängig von früheren Uebcrsctznngeu und Erklärungcn, durch rein wissenschaftliche Forschungen überraschmde Resultate erzielt. — Auch eine Psalmen-Erklärung hat derselbe Verfasser hcranSgcgebcn." Rußland. * Petersburg, 10. Juli, lieber Stadt und Kreis Rischny - Nowgorod, sowie über die Kreise Balachna. Sseincnofs und Gorbatoff ist für die Zeit vom k 3. Juli bis zum September d. I. die Maßregel der verschärften Sicherheits-Aufsicht verhängt worden. Rumänien. * Bukarest, 10. Juli. Nach einer im ״Hajocz" namentlich ausgestellten Liste von Personen, welche in Folge der Bedrückung zur Auswanderung gezwungen worden sind, beläuft sich deren Zahl jetzt auf 080. Es wird jedoch hierzu bemerkt, daß diese Aufstellung keineswegs alle Emigrirtcn umfaßt. ES sind hier nur diejenigen aufgcführt, welche gruppenweise auSwandcrn. Die Zahl der Einzclflüchtigen kann nicht ermittelt werden. Dieselbe ist aber mn-hmaßlich eine sehr hohe. -־- Demselben Blatte entnehmen wir eine herzergreifende Schilderung von einer solchen AuSwanderungSgrnppc. Wie die Zigeuner schlagen sie ihr Zelt vor der Stadt auf. Von Allem entblößt, sind sic zu stolz zu betteln. Sic haben sich bis jetzt durch ihren Fleiß redlich ernährt und irren nun mit den Ihrigen umher, ein Plätzchen auf der weiten Erde zu suchen, >vo man cö ihnen vergönnt zu arbeiten. Wahrlich, cS ist Zeit, daß man sich int AuSlandc der armen Brüder erbarm! und ihnen zu Hülfe kommt. ES sollten an allen Orten für sie Sammlungen veranstaltet werden. Das Angenmerk für eine neue Ansiedelung müßte nicht gerade ausschließlich auf Amerika gerichtet sein. Vielleicht gelingt eS, für die Acrmsten auch in der Türkei, Serbien oder Bulgarien die Aufnahme zu erwirken. Algerien. * Wie ans Marseille, vom l 9. Juli gemeldet wird, fanden in Konstantine Zusammenrottungen statt, in der Absicht, gegen die Juden feindselig vorzngchen. In Folge dessen wurden Militürwachen m das Iudenvicrtcl postirt, und die Ruhe blieb ungestört. Aste n. * Aleppo, lieber die hiesige jüdische Gemeinde enthält der jüngste Bericht der ״Miance Jsraelite Universelle" folgende interessante Daten: Auf eine Gcsammtbevöllernng von 200 000 Seelen rechnet man nahezu 10000 Israeliten. Ihre Beschäftigungen sind sehr verschiedenartig. Es giebt da einige 20 israelitische Geschäftshäuser, welche sich mit Import beschäftigen und sowohl in Frankreich als auch tu England, der Schweiz und Indien Snklnrsalcn besitzen. Diese Häuser importiren aitö England Stoffe, ans Frankreich Lyoner Seide und Kolonialwaareu ans den Docks zu Marseille, aus der Schwei; farbige Tücher und Indigo ans Indien. DaS AnSfuhrgcschüft befindet sich fast lediglich in Händen der Ehristen und Muselmänner. Unter den Juden sind die Kolonialwaareu Händler, die Posamcntircr, die Taback-, Tuch- und KousektionShändlcr ziemlich zahlreich; cS giebt deren nngcsühr 600. Israelitische Bangniers sind nur wenig vertreten in Aleppo; cs giebt deren nur fünf, mit geringem Vermögen. Dagegen giebt es dort mehr als lOO Wechsler, die mit geringem Kapital ihre oft zahlreichen Familien zu ernähren vermögen. Die Kleinhändler, fahrende Händler und Agenten übersteigen die Zahl 300; besonders die Agenten machen sich sehr nützlich, und sind unentbehrlichc Zwischenhändler in den meisten Geschäftsoperationen der Stadt. — Es giebt unter den Israeliten Aleppo'S ungefähr300Handwerker, undzwar: Schuster, Schneider, Goldarbciter, Blcchschlägcr, Buchbinder, Konditoren, Müller, Bäcker, Färber und Glaser. Der Munizipalrath und die Gerichte zählen Inden zu ihren Mit-- gliedern. Man rechnet in Aleppo zwischen 15—20 öffentliche Beamten, von denen mehrere vom Sultan mit Orden ausgezeichnet wurden. — Nahezu an 500 jüdische Familien sind ohne alle HülsSinittel und existircn von der Mildthäliglcit ihrer Glaubensgenossen. Dennoch ist die Armuth unter den Israeliten weniger verbreitet als unter den Andersgläubigen. Unter den Israeliten Aleppo'S giebt cü keine besonders reichen Leute, aber eine zahlreiche und sehr wohlhabende Mittelklasse. — Die Gemeinde Aleppo hat zwei Oberrabbiner an ihrer Spitze. Der eine, Ehacham Abraham Kalnssi, wird öffentlich von der Negierung anerkannt und vertritt