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Jeschurun · 1884-07-24 · Heft 30 (24.7.1884) · p. 476

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 30 (24.7.1884)
Article
Österreich-Ungarn : Aus Westungarn [Nachricht]
Date
1884-07-24
Page
476 (sequence 2)
Language
German
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476 in bic Maske bc$ Antisemitismus hüllen, werden nicht aimcljcn, die niedrigsten Leidenschaften der unteren Volksschichten anzufachen, itm diese als willenlose Werkzeuge ihrer ruchlosen Pläne zu mißbrauchen. Verdrehung des Rechts, Skandale ärgster dlrt. Vcrlänmdung der Gegner ohne Unterschied der Portcistellnng, des Standes und des Bekenntnisses werden zur stehenden Tagesordnung gehören, und das erhabene Forum der Gesetzgebung durste öfters, dank dieser Partei, hcrabgewnrdigt und dem Spotte der Welt ausgcsctzt werden. Dem bedeutenden Zuwachse der Antisemiten-Partei gesellt sich noch der bedauerliche Abgang der Korpphäcn des aufrichtigen Liberalismus hinzu. Helfy, Eötvös, Mezei sind heute noch mandatlos. Wer wird jenen Großsprechern, die allerdings nur eine Minorität im künftigen Rcichsrathe bilden, kräftig cntgegentretcn? Es darf nicht vergessen werden, daß sic im Parlamente manche verkappte Anhänger zählen, da eS leider in allen Parteien Antiscntiten mit dem Fcigcnblatte des Patrivtisnnis giebt, Manche wiederum, die dem reaktionären, Andere, die dem sozialistischen Charakter des Antisemitismus nicht abhold sind, und was das Wichtigste ist, daß selbst von der Ministcrbcmk ans mit ihnen geliebäugell werden durfte. Aber auch an lichten Momenten ist die nunmehr abgeschlossene Wahlbewcgung nicht arm. Vor allem läßt sich der Eintritt Franz Pnlszky's und Becsics' in die politische Bahn mit Befriedigung konstatircn. Während des Wahlkampfes vernahmen wir auch viele gewichtige den Antisemitismus verdammende Stimmen, unter denen besonders die Reden von Th. Andrassy, Orszg, Ivanka, des Nentraer Abgeordneten, sich auszeichncn. Wir lasen auch eine Erklärung des Grafen Apponyi, des Führers der gemäßigten Opposition, in welcher er sich feierlichst gegen jedwede Identität seiner Partei mit dem Antisemitismus verwahrt und denselben entschieden verdammt. In Mako, wo der Antiscnlit Szcll später durchsicl, wurde der für ihn agitircnde Ver- Hovah mit Brachialgewalt abgeschobcn. In Zala- ^gcrszeg, der Hauptstadt jenes Komitatcs, in welchem im verflossenen Jahre der Antisemitismus am schrecklichsicn in Ungarn gehaust, fiel der von Istoczh protegirtc antisemitische Kandidat, nachdem das Munizipium früher einen ernsten Mahnruf an die Bürger erlassen. Unb nun erst in den beiden Wahl bezirken der Stadt Kees kein et, wo im erftcu Wahlgaugc die antisemitischen Kandidaten die meisten Stimmen erhielten, und doch durch die Koalition der Parteien zu Falle gebracht wurden; der durch wahre Brandschriften sanatisirte Pöbel vermochte nichts gegen die geschlossene Phalanx der intelligenten Klassen. Ucbcrhanpt hat im Allgemeinen bei den Einsichtigen die Erkenntniß Platz gcgrisscu, daß der cntscssclten Leidenschaft auch christ« lichcs Eigcnthum nicht unantastbar sein wird, mit einem Worte, daß Antisemitisnius mit Anarchismus identisch. Wielvohl ans unlauterer Quelle stanlnieud, so läßt sich dieser Umstand doch als günstig bezeichnen. Deshalb dürsten vielleicht doch allcPartcien sichgegen diesen Krebsschaden des Landes und des Parlamentes wenden. 311 politischen Blättern wird bereits die Frage um Erweiterung der Machtbesngnissc des Präsidenten des Hauses ventilirt, ein offiziöses Blatt signalisirte sogar die Einschränkung der Preßfreiheit nach gewisser Nichtung hin, von hochachtbarer Seite wurde die Uebertragnng der Preßprozesse vom Geschwornenzum ständigen Gerichte angeregt n. dgl. m. In einem unpolitischen Organe ist hiervon nur kritiklos Akt zu nehmen als Zeichen der Erkenntniß der Gefahr, welche ans dem antisemitischen Treiben über das Land gebracht worden ist. Wie auch immer die Würfel fallen, wir vertrauen aus den ,.Hüter Israels, der nimmer schläft" — er war unsere Hülse, er wird auch alle Zeit unser Schutz sein. —- II. Ans Qbermigarn, 17. 3111t. Wie sehr ein bedentnngvoller Theil der ungarischen Geistlichkeit dm unheilvollen Antisemitismiis verdammt und in ihrer Mitte nicht dulden null, dafür zeugt auch der im Bcßprimcr evangelischen Distriktnal-Konvent Angsburger Konfession, d. i. Lutherische Kirche, dieser Tage gestellte Antrag, daß der Antisemitismus aks kanonischer Mangel gnalisizirt, bcziehnngswcisc, daß von dem General - Konvent ausgesprochen werde, jeder Seelsorger, der sich für einen Antiscniitcn erklärt oder als antisemitischer Abgeordneter gewählt wird, solle seines SeelsorgeramteS für immer verlustig gehen. Der Antrag wurde in diesem Sinne — weil eine derartige Beringung auf dem Gebiete des Bcßprimcr Distriktes nicht nothwendig ist — abgelehnt. Hingegen wurde --wie Egyenlösch meldete — ausgesprochen: ״daß der Konvent den mit den erhabensten Prinzipien der Brüderlichkeit und Gleichheit und also auch mit den Grundsätzcn der evangelischen Kirche Augsburger Konfession, d. i. Lutherische Kirche, in Widerspruch stehende Antiscinitismus, insofern er in der Erweckung und Aufrciznng zum Stammes- und KonsessionShasse sich offenbart und insofern er zur Insultirnng von Bürgern, welcher Konfession immer, führt, entschieden verurtheilt und verdammt." Möge dieses einer Geisttichkcit würdige Beispiel die weiteste Nachahmung finden! Holland. ־0־ Ärnsierdaln, 2״. Juli. Gestern brachte der hiesige ״Nicnwe Amsterdamschc Courant, Algemc'en -Handclsblad", anknüpscnd an einen früheren Artikel (in Nr. 29 Ihres geschätzten Blattes mitgctheilt) unter

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