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Jeschurun · 1884-07-24 · Heft 30 (24.7.1884) · p. 474

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 30 (24.7.1884)
Article
Deutschland : Hamburg [Nachricht]
Date
1884-07-24
Page
474 (sequence 1)
Language
German
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474 ..Patriotischen Vereine", Bochum, angekündigleir großen Vollr-versannnlnngen mir Vorträgen des Hern! Max hiebermaim von 3annc1H>t'j־n ans Berlin über die Judenfrage, ovilüvcji die uiO.erzeichnetcn Bürger: 1) daß sie darin den Nieder in unserer Bürgerschaft bewahrten konsessionellen und bürgerlichen Frieden gefährdet eraciitcn, 2) daß sie darin die antivatriolischc knnslllche Erzeugung und Währung ei nee M1 affcnljaffc בי erblicken, der gegenüber inneren israe? irischen Mi lg! jeder!1, die an Parriotionnm. Tvsersreudigleii und Bürgersinn, sich Jedem glcichsielleu dürseri,!einerlei Berechtigung hat. Indem wir unserer gerechten Entrüstung hiermit Ansdruck geben, wenden wir uns au bas Gewissen und an das Nechtiichseitegesüh! unserer Mitbürger mir der Bitte: durch Fernbleiben von den Bersatnmlnngen ihre Bcrnrtheilnng dieser Tendenzen limdzugeben. Bochum, den 11. Juli 1884. □ Hnttilmr;;, 20. Juli. Mehr als je bietet sich heute Gelegenheit, über Grundlehrcn und Grundsähe, des Jndenthinns sich anssprechen zu müssen. ׳Wenn im Mittelalter die 3üben öfters genöthigt wurden, gelehrte Männer zu dclcgiren, welche vor versammeltem Fürfteuhose das Jndenthnm gegen Angriffe und Mißdeniungcn zu vertheidigcn hatten, so pflegen freilich die heutigen ובוהים in minder sei erlich er und offizieller Weise a'vgchalten zu werden. Die Herren, welche Neigung;11 dergleichen verspüren, verschmähen es nicht, den Juden in seiner stillen Kemnare ansznsnchen und sind so höflich zudringlich, daß man ihren; Verlangen kann! widerstehen kann, falls man nicht geradezu unartig werden null. So wurde mir auch heute vor acht Tagen die Ehre eines jolcheit Besuches zu Theil. Es stellte sieh mir ein Herr vor, der in einer für mich sehr wichtigen Angelegenheit um die Gunst einer Viertelstunde bat. Wer könnte wohl mit seiner Zeit einem so liebenswürdigen Begehren gegenüber geizen? Ich bot ihnt einen Stuhl und hörte aufmerksam zu. Es handelte sich allerdings um etwas für mul! anßerordcntlieh Wichtige?, um mein zeitiges und einiges Seelenheil, welches im hohen Grade dem frommen Menschenfreunde gefährdet schien, wenn ich nicht alsbald meines bisherigen Jrrthruns inne werden würde. Ich dankte deshalb auch sehr sretindlich für die Mühe und zartlid)c Besorg ruß, we! che der uft.r bis dahin ganz fvembe Herr meinetwegen'genommen. zumal an einem so schwülen Sommcrrlachmiltage, lehnte aber hartnäckig jede weitere Erörterung über die Sache selbst ab. Ich erklärte ihm, daß mir bereits früher vor; einem seiner Kollegen, den Mitgliedern der Jndenmiftion, die Ehre einer solchen Ausmerksamkelt veschccrt worden sei, daß ick) deshalb ganz genau wisse, was er mir vorzutragen gedenke, er möge sich aber nicht umsonst bemühen n. s. w. n s. w. Das paßte aber dem Herrn gar nicht; im Gegenrheil, je verstockter der Jrnvahn wäre, den er zu bekämpfen härte, meinte er, desto verdienstvoller würde das Werk der durch ihn zu vollziehenden Erleuchtung sein. Ich will Tie mit den bekannten ״sonnenklaren Beweisen", die nur den einen Fehler haben, daß sie wahrscheinlich noch!einen einzigen zu Bekehrenden überführt haben, verschollen und nrich nur auf das Folgende beschränken. Ter um mein Seelenheil so eifrig besorgte Mann äußerte schließlich, daß der jüdischen Auffassung der heiligen Schrift der Begriff der hiebe fehle. Es war dieses zum Schlüsse unserer Unterhaltung, welche er demnächst fortzusctzen gedachte. Inzwischen aber chatte sich ein so surchtbares Unwetter znsainincngezogen, daß ich ihn zum Bleiben veranlassen mußte. Um die fernere Zeit des Besuches ansznjnllen, nahm ich den Kommentar von Hirsch zu heviuens 20,18 zur Hand und erläuterte ihm das ואהבת לרעך בנזוך als die das vorausgegangene Kapitel der jüdischen hebenshcillgung zusanunenfassende Maxime. Int Geiste dieser echt jüdischen Bibelerklärnng setzte ich ihm den Begriff der אהבה als die Hingabe des eigenen Wesens an ein anderes auseinander. Diese אהבה, diese hiebe, werde von uns in Beziehung ZN allen unseren Mitmenschen gefordert und zwar heiße es לרעך, nicht את רעך, weil die Persönlichkeitdes Nebenutenschen hier ganz außer Frage stände. Es sei gleichgültig, ob dieselbe uns sympathisch oder antipathisch, אני ד׳ heiße es als das Motiv dieser Forderung; im Namen Gottes, der jedes Menschcnwcscn zu nnserm רע bcstintmt, werde die Förderung des ״Wohles unseres Nächsten" (die Bedeutung des לרעך, desjenigen, was deinen )nächsten betrifft, zu ihm in Beziehung steht) verlangt. Das Hillel'sche 'רעלך בני ״ לחברך לא תעביר ובו׳was dir gehässig ist, lhne deinem Nächsten nicht — das ist das ganze Gesetz, alles Andere ist nur dessen Erläuterung, gehe und lerne sie", sei nur der negative Ausdruck deS ואהבת und setze die völlige Gleichheit als leitendes Prinzip aller unserer Tftätigkeit, Lege das Wohl Aller Jedem wie das eigene an's Herz, verwandele die Selbstsucht und Eigenliebe in Achtung und hiebe des Nächsten. Der Begriff הברך über den engen Kreis des Neben- Menschen hinaus zum Begriff aller Neben-Wesen erweitert, bilde in der That dieser Satz den Inhalt j des ganzen Gesetzes, das ja nichts Anderes als die; hehre der Vermeidung alles dessen ist, was unserem j und aller Mitwcsen Heil ״feindlich entgcgcnstcht." l Dieses בני״" soll aber nicht unserem subjektiven Meinen :׳ und Fühlen überlassen bleiben, sondern durch das Gottesi ge setz nach Gottes Weisheit und Einsicht geregelt werden. ^■uv Ijl VlUVl UIV UUlu) uue vHIUUlujlllll gl. i lht tr. Vül ■׳ klärnng. Dieses sei somit die vollendetste hehre der אהבה, der hiebe. — Ich möchte eindringlich ans den ׳ Kommeniar selbst verweisen und namentlich auch auf

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