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Jeschurun · 1884-07-24 · Heft 30 (24.7.1884) · p. 472

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 30 (24.7.1884)
Article
Nachtgestirne
Date
1884-07-24
Page
472 (sequence 2)
Language
German
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472 laubtcn Bäume, der Hintergrund des Fimmels war! non einer grauen Hülle bedeckt, ans welcher, vom Leinde! getrieben, dunklere, dichte Wolkenknänet dahinzogen. Rvhebach kam eben ans der Wirthsstnbc ins Wohn-;immer, um die Sabbcuhgewäiider an;uk\\c1t. 151־ Halle! der Mara den für Samstag erforderlichen Borrath an (getränten hcransgcgebcu und dann die von der Schankfinde in die Küche führende Thür abgesperrt. Tiefe Thür blieb den Samstag über geschlossen, denn an diesem Tage wollte er mit dem Geschäfte nicht in geringsler Verbindung bleiben, — er hatte keines. Im Wohnzimmer befanden sich aud) Gattin und Tochter. Erslero bereite in der prachtvollen, gvldgestickten Sabbalh- Haube, war damit beschäftigt, die lebten Anordnungen für den Eintritt des Feiertags zu treffen, Veah aber fas; am Fenster, trotz der vorgerückten Stunde eifrig an einer Stickerei arbeitend. Es war dies ein etwa vier Finger breiter, ziemlich langer Scidenstreiscn von himmelblauer Farbe, den sie sorgfältig mit herrlichen Blumen in Gold und Silber bedeckte. Rohrbach war hinter den Rücken seiner Tochter getreten und blickte eine Zeit lang mit sichtlichem Wohlgefallen hin, wie die kunstvoll gestickten Blumen unter den rosigen Fingern derselben hervorgingcn. ״Leg' die Arbeit bei Seite, mein .Kind," ermahnte die Müller. ,.Du wirst noch zeitig genug damit fertig werden. Schabbes ist nicht mehr ferne tiud bevor wir uns dessen versehen, wird man in ״Schul" rufen." ״Gleich, gleich, Mütterchen," erwiderte Veah, sich beeilend, mit einigen hastigen Stichen eilte Goldblnmc zn vollenden, lind als sie dieselbe beendet hatte, spannte sie den Streifen aits, lind in kindischer Freude blickte sie strahlenden Antlitzes znm Vater empor: ״Wird's schön sein'?" ״ Die Arbeit bot aber auch wirklich einen überraschend schönen Anblick. Das Gold mtd Silber flimmerte lebhaft nitd die Blumen zeichneten sich plastisch vom blauen -Hintergründe ab. ״Ich ivill's meinen, das; es schön ist," erwiderte Rohrbach, ״der Laudraw brauchte sich nicht zu schämen, eine solche ״Trest" an! Talis zu haben. Da schar!' 'mal her, Alle, und lerne, wie man einen Bräutigam beschenken soll. Ich fürchte, daß wir noch ans unsere alten Tage vor dem Gerichte sichen werden. Warum hast Du mir nicht zu unserer Hochzeit so etwas vorehrt?" ״Mit solchen Sachen mußt Du mir von: Halse bleiben," sagte die Gattin lachend, ״denn wenn Du nicht Ruhe gicbst, so werde ich Dir Sachen sagen, die Dir keine Freude niachcn. Oder hast Du mir etwa so schöne Ohrgehänge und ein solches Armband geschenkt, wie Gubrick unserer Lcah? — Also, wenn Du gerichtlich die Talisborte von mir fordern willst, so halte nur die Ohrgehänge und das Armband in Bereitschaft!" ״O weh," klagte Rohrbach mit komischer Geberde, ״dann will ich es schon lieber beim Alten bleiben lassen.' Doch der Sabbath naht. Wir müssen unsere Bordercitnngcn beeilen." Lcah war nnterdcß anfgestanden, hatte die Arbeit wcggclegt und half ihrer Müller die Schabbcsstubc in Stand zu setzen, Rohrbach aber hatte frische Wäsche und die Feslgcwänder ungezogen, nahm den großen ״Sidnr" unter den Arm und entfernte sich mit einem innigen Gruße von den Scinigen. Er ging in ״Schul". Die .Hausfrau zündete, den Segen über das Öidrt sprechend, die siebcnannigc Lampe an, deren Flammen das Zimmer mit einem milden, gedämpften Lichte erfüllte. --- Leah zog hierauf die Vorhänge der Fenster zusammen, und Mutter und Tochter nahmen sich Gebotbüchcr und verrichteten andachtsvoll das Abend- und Nachtgcbet. Eben waren die Fronen mit ihrer Andachtsübung zn Ende, als Rohrbach, vom Tempel znrückkchrend, in's Zimmer trat, von Gabriel begleitet. Draußen blies noch immer ein kalter Wind und peitschte einen feinen Sprühregen, gleich spitzen Radeln, den Wandernden in's Gesicht. Die behagliche Wärme, die das Zimmer erfüllte, wurde demnach von den Ankömmlingen doppelt angenehm empfunden. Ach, das ist schön von Dir, Sakamon, daß Dn uns Gabriel mitgebracht hast," rief die Hausfrau freudig, ״uuUfouuitcii Gabriel!" ״Willkommen," rief auch die holde Braut, und eilte dem Geliebten entgegen. -Hand in Hand stellten sie sich vor den Vater hin, der, seine Hände auf ihre Häupter irgend, den Segen des Himmels auf das Paar hcrabslchte. Sakamon Nohrbach dnrchmaß hierauf mit gemäßigten Schritten das Zimmer und fang das innige Lied: ״Scholanm alechcm." O, mit welch nbcrströmendcn Gefühlen begrüßte er den Einzug der Engel des All-!nächtigen in sein Hans. Heute schien sein Haus ganz besonders von Schaaren Glück und Frieden spendender Engel erfüllt zn sein, von jedem Gesichte seiner Bewohin׳!׳ strahlte ihm Helle Freude entgegen. Das Mahl wurde dann unter fröhlichen! Geplauder'eingenommen. Als die Mahlzeit beendet war, und inan sich noch ein halbes Slündchen unterhalten hatte, nahm Gabriel seinen Mantel und verabschiedete sich. .Fortsetzung folgt.)

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