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Jeschurun · 1884-07-24 · Heft 30 (24.7.1884) · p. 468

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 30 (24.7.1884)
Article
Zum Verständniß der neuesten Phase der Reform
Date
1884-07-24
Page
468 (sequence 2)
Language
German
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468?lnbrren aber leugnen mehr ober minder bic Bcrpslichmngskrasr der auf Usus, rabbinischer Anordnung, Trabilion oder Bibelwort beruhenden Satzungen, leugnen die (Müttlidifcii der mündlichen Vcljrc und des Propheten- Worts, die Amentieität der heiligen Schriften, bcu gött־ lichcn Ursprung der Thora. Das sind die ״religiösen Disserenzpnnkte" der (Gegenwart. Was Hilst es, sie zu verschleiern? In vollem (Gegensätze stehen sich die Rabbiner mib Lehrer der Resorn! und des orthodoxen JndenthnnrS gegenüber, und es giebt leine größere Lüge, als die Behauptung, cs könnte dieser Gegensatz als untergeordnete Differenzpunkte ignorirt werden, und beide, Vertreter der Reform und des orthodoxen Judenthums, ständen noch ans einem gemeinsamen Boden. Das orthodoxe Judenthum erkennt in dieser Reform, mag sie die Verbindlichkeit der schriftlichen oder mündlieben Lehre, oder des religiösen Brauchs verleugnen, einen Verrath an dem einzigen wahrhaftigen Indenthum und betrachtet die Lehrer und Prediger dieser Reform als Lehrer und Prediger des Abfalls. Hier giebt es!einen Ausgleich und keine Vermittelung, der Gegensatz ist ein prinzipieller, zwischen Lüge und Wahr׳ heit gilt kein Kompromiß. Wer einen solchen eingeht, giebt die Wahrheit preis. Das wissen auch die Re sormer sehr wohl, und deshalb wagen sie nicht, einen solchen anzubieten. In ihrer Vedrängniß haben sie darum ein Anderes erklügelt, und das ist ״Ausschluß der religiösen Disseren;punkte". Mit dieser Phrase glaubten sie die Bekenner und Vertreter deS einzigen Judcuthmns zu blenden. Wir haben schon früher in dieser Abhandlung bemerkt, daß ihnen dieses auch eine Zeittang theilweise geglückt ist, und welche Vorlheile sie errungen hätten, wenn auch bei der Berliner Rabbiner- Versammlung ihnen solches gelungen wäre. Doch kehren wir zu beiu offiziellen Berichte zurück. Je durstiger derselbe ist, und je geflissentlicher er sich bemüht hat, den wahren Geist der Versammlung;11 verhüllen, desto mehr wird mau sich gcmüssigt sehen, aus dessen Ausführungen zu achten. Während die erste, die interkonfessionelle Stellung des Judeuthtnns znur Inhalte habende Erklärung der in Berlin am 4. und a. Juni versammelten Männer als vo!t der ״V e r s a m in l n n g beut sch c r R a b b i 11 e r" ausgehend abgefaßl ist, weil sie, nach Außen hin derechnet, vorsichtiger 'Weise nicht wohl als die Kundgeoung der gesummten deutschen Rabbiner sich geben bars, leitet die zweite Erklärung in Betreff der Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes und zur Förderung des Religionsunterrichts in ungleich pomphafterer Ha!׳ tung ein: ״die Versammlung der deutschen Rabbiner erklärt" u. s. w. Nach Innen braucht man sich keinen Zwang auszuerlegen; hier m Bescheidenheit nicht am Platze. Die 07 Herren, welche eben noch sich der Welt als eine Versammlung deutscher Rabbiner prüsentirten, verwandeln sich fluggS in eine ״Versammlung der beut schc n 1(לa b b i n er", alsordnungsmäßig von den sünnntlichen Rabbinern Deutschlands mit Vollmacht in nptinm {'unna ünsgeslaltete Vertreter des deutschen Rabbinerstaudes, um bei den Gemeinden den Glauben zu erwecken, sie, die Herren Jaulus, Kusznitzki, Ungerleider, Frankel, LNaybanm, Fried, Kroner, Lewinger u. s. w. u. s. w., wären die Erwählten des gesummten deutschen Rabbinats, als die Auserlesensten/ Berufensten, Würdigsten, Gelehrtesten ihrer.Kollegen, nach der beut־־ scheu Reichshanplsladt entsendet, um hier im Namen derselben feierliche Erklärungen über die iimcuftcii' und heiligsten Angelegenheiten deS JndenthnmS abzngeben. Sie wollen vergessen machen, daß Leiem and ihnen ein Mandat crtheilt. Niemand sie berechtigt hat, in irgend einem andern Namen, als ihrem eigenen, zu sprechen. Sie wollen sich einer Autorität bemächtigen, die sie nicht besitzen, einen Nimbus um sich verbreiten, der ihnen nicht gebührt, sie wollen daS Volk täuschen über ihr wahres Wesen. Diese zwischen der ersten und zweiten Erklärung erfolgte Metamorphose von der bescheiden(!! Versammlung deutscher Rabbiner in die stolze Versammlung der deutschen Rabbiner ist zu bezeichnend und enthüllt zu sehr die wirkliche Absicht der Herren, als daß sie nicht recht scharf hervorgehoben zu werden verdiente. Sie bestätigt in vollstem Maße, was wir gleich bei dem Bekanntwerben der Anfsordermig zur Theilnahme an der von den Herren Ungerleider und seinen.Kollegen geplanten Zusammenkunft ausgesprochen haben, daß nämlich die Erklärung LU׳, l nur das Aus- Hängeschild, der eigentliche Zweck der Versammlung aber m den beiden anderen Punkten der Tagesordnung zu suchen sei: Stärkung der Reform, Hebung des gesunkcucn Ansehens und Befestigung der Stellung der Rcformrabbincr. Gegen den mit dieser widerrechtlichen Annahme deS Titels: ״Versammlung der deutschen Rabbiner" geübten Mißbrauch legen wir förmlichen Protest ein. Es ist eine arge Täuschung, wenn mau damit glauben machen will, die 07 in Berlin zusammengekommenen Herren, deren rabbinischc Qualifikation überhaupt erst noch zu prüfen sein dürfte, wären die Repräsentanten des deutschen RabbinalS. (Fortsetzung folgt.) Mm die Stctaj her j!1W!e!> lchrer m her yröutii{.!)!nuumrr. ׳Fortsetzung.) Die dritte These will den Elementarlehrern eine besondere Vergütung st'rr das Vorbeteramt zugebilligt

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