Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1884)
- Article
- Rußland : Nischni-Nowgorod [Nachricht]
- Date
- 1884-07-17
- Page
- 462 (sequence 2)
- Language
- German
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462 Augen. erschießen, und hängen lassen. In hiesigen! Handelskreisen erwartet inan eine ungünstige Einwirkung j des blutigen Vorgangs in Knnawino aus die bevor-! stehende Messe in Nischni )Nowgorod, ans die in Moskau ׳ nicht geringe Hoffnungen gesetzt iverden, da von den! Ausfall der Dresse das Zein oder Nichtsein einer nicht geringen Anzahl Moskauer Firmen abhängt. ] Aus 1UM! russischen Qstseeprvviuzeu, Th Juli. Die Vcxationen, welchen deutsche Juden in Rußland ausgesetzt sind, gehen Hand in Hand mit dem Pandalisnius, dessen sich der süße russische Pöbel gegen die russischen Israeliten schuldig macht. Merkwürdig ist cs, daß diese Maßregelungen vorzugsweise gegen Bürger des deutschen Reichs zur Anwendung ge bracht werden. So ist mehreren deutschen inosaischen Bekenntnisses der Aufenthalt in gewissen Rayons untersagt worden, und die Vertreter des deutschen Kaiserrcichs erklären sich außer Stande, sie zu schützen. Gleichwohl aber haben Juden anderer Staaten. Franzosen, Türken, Schtvcizcr n. s. w. in ähnlichen Fällen sich der erfolgreichsten Verwendung ihrer Rcgiern!!gsvcrtretcr zu erfreuen. IZ 5r iew, in! Juli. Die hier erscheinende Zeitung ״Zarga" berichtet, daß bei Gelegenheit der Anwesenheit des Metropoliten in Iasnogorodok die dortige jüdische Gemeinde diesen Prälaten durch eine Deputation den Dank dafür aussprechcu ließ, daß die Geistlichkeit den Ausbruch eines Ansstands gegen sie verhindert habe, llcberhaupt zeigt sich die Geistlichkeit gerecht und human. So hat auch die oberste Geistlichkeit des Kirchenbezirks Nischni-Nowgorod einen Hirtenbrief gegen die brutalen Ez׳;esse erlassen. Amerika. -g- New-Hork, l. Juli. Sie haben wiederholt über amerikanische Verhältnisse in Ihrem geschützten Organe Berichte gebracht. Gestatten Sie auch einem Manne das Wort, welcher, kein Rabbi, nach manchen Wechselsällen in der neuen Welt eine Stätte der Ruhe gesunden hat, die die alte ihm versagte. So verworren auch intmcr die innen! Zustände der deutschen Gemcindcn sein mögen, gegen das Tohu Wabohn der hierländischen gehauen, erscheinen sie in einer beucidenswerlhen Gestattung. In Deutschland stehen doch noch immer Männer ans der Warte und verkünden die Wahrheit und zeigen den Weg zum Heile. Sie sind von dem Geiste des Indcnthmns erfüllt und wirken für dasselbe in ansrichtiger Begeisterung und Hingebung. Hier aber sind die Reformer so extrem wie nur denkbar, und die Orthodoxie so unentschieden und schwächlich wie nur denkbar. Mit weicher Lauheit wird z. B. nicht der gegenwärtige Kampf geführt. Die oithodoxen Herren Rabbiner glauben bei jedem Worte eine Nevercnz!nachcn und die Gegner ihrer persönlichen Hochachtung versichern zu sollen. Voll und ganz sich ans den einzig festen Grund des geossenbartcn GotlcsgesctzeS zu stellen,-wagen sie nicht, oder sic verstehen nicht, diesen Standpunkt zu rechtfertigen. Die Reform dagegen geht in ihrer, jede Sehen abstreisenden Prätension, energisch vor. Kann! hatte das berüchtigte trefcne Rabbiner- und Dclegirten-Banket zu Eineinnati stattgefnndcn, so fühlte schon der Präsident des Hebrew Union Eollcge tRabbinerfemimir) ״Rabbi"!)!׳. Wisc das Bedürfnis;, in öffentlicher Vcrsainmlnng zu erklären, daß die Speisegesctzc der Thora keine Gültigkeit mehr besitzen. Ein anderer ״Rabbi" erklärte, Mischehen um der Erhaltung des Indcnthnms willen einsegnen 311 wollen, und noch Andere folgten mit anderen Thorheitcn. Wohl erheben sich dagegen einige Stimmen, aber deren Protest ist schwach, weil .- nun, weil er nicht energisch ist,-und er ist nicht energisch, weil die Betreffenden nicht Energie oder Verständnis genug besitzen, um sich in aller Entschicdcnheil ans den Boden des Indcnthnms zu stellen. Und da fahren denn die Wisc, Gntheim, Hirsch, Schlesinger, Landsberger, Schreiber n.s. w. fort, die ״Weisen" zu spielen, und da iverden denn von Wise wiederum neue ״Rabbis" geschaffen, und Gntheim, Landsberg und Schlesinger bestätigen und bekräftigen sein Werk. Ein Hokuspokus sonder Gleichen! Wise vindizirt für sich und seine Helfer die Stellung und das Amt eines Moses und 1 heilt unter fast an Blasphemie reichenden Zeremonien buchstäblich die ״Scuicha" ans, und erklärt die von ihn! ansgebildeten, von Landsberg, Gntheint und Schlesinger geprüften jungen Männer als ״Mußin 0 chi m m i pp i S 0 in c ch", d. h. ״geweiht und ordinirt von einem Schüler Mosis", von einem durch eine nnunterbrochenc Kette heiliger Nachfolge bis zu Moses hinaus, der den Geist von Gott empfangen, im Besitze der heiligen Weihe sich Befindenden!! Das ist b n ch st ä b l i ch erst dieser Tage geschehen mit närrischem pomphaften Zeremoniell. — Und zu einer solchen Narrethci schwiegen die orthodoxen Rabbiner, und nennen diese von Wise Geweihten und Ordinirten: .Kollegen, Rabbiner, Ehrwürdige, und die Gemeinden stellen sie als solche an!! — Nicht die Reformer, sondern die Orthodoxen, die nicht den Mnth oder das Verslündniß, oder die innige Ucberzeugnng von der Wahrheit haben — sie trifft die Schuld. David Haller. Bon Rastas §i!1ron. '.HUc Wechte Vorbehalten. David führte das Schreiben seines Lehrers ehrfnrchtsvoll an die Lippen und griff zu den beiden ■ dasselbe begleitenden Büchern. Das eine enthielt die Rezension. Er hatte dieselbe bereits gelesen. Daö