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Jeschurun · 1884-07-17 · Heft 29 (17.7.1884) · p. 461

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 29 (17.7.1884)
Article
Rumänien : Aus Rumänien [Nachricht]
Date
1884-07-17
Page
461 (sequence 2)
Language
German
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461 0011 einer cigcmljimiJidjcii Rache geredet, die von jüdischer Leite an dnn jndenfe'mdlichen Minlstcrium genominen ivird. Für den Minister Rosetti ward kürzlich eine Subskription ansgelegt, um ihn für den dnrch eitie Feuerödrust erii!teilen enormen Verlust zu entschädigen. Unter den Subskribenten befinden sich auch Inden mit ansehnlichen Betrögen. Rußland. ...7.. PeterSburit, 12. 3111t. In meiner Korrespondeuz vom I.׳;. o. Mts. habe ich hervorgehoben, daß cs endlich Zeit wäre, die gesetzliche Regelung der Ber- Yällniffe der Inden vorzunehmeil, da jeder Tag der Verzögerung Unheil in seinem Schooße birgt. Die Gräuel von R i s ch n i -3t o w g or o d haben inzwischen ein grelles Vicl)t ans unsere Zustände geivorfeu. Wer jetzt noch zum Zögern räth. wer jetzt noch den Arm der Gesetzgebung aufhalteu und glauben machen wollte, daß noch nicht der rcehtc Moment gekommen, daß man erst noeh die Zustände genau studiren müsse, auf die Stimmung des Volks gebührend Rücksicht zu nehmen habe, oder wie sonst die Phrasen lauten, mit welchen man dem schrcicndsteu Bedürfnis cntgegenzutrelen sich erkühnt, — der birgt den Schalk iin Busen, dem kann es nimmer Ernst sein mit dem inneren Frieden Rußlands, der treibt jeinen Spott mit dem Leben, dem Gute, der Existenz von Millionen. ES Hilst nichts, die Wahrheil zu verschweigen, das offene Wort zu unterdrücken, selbst U)cm1 die Wahrheit und das offene Wort Manchem unbequem ist. Mit Palliativmitteln ist es nicht gethan, durch lange Berhaudlungcn und Erwägungen gelangt man jetzt nicht mehr zum Ziele. Ist die Regierung entschlossen, den russischen Boden nicht ferner die Stätte von Raub, Mord und Plünderung sein zu lassen, will sie fortan das Bol! nicht gänzlich der Ber- Milderung und Barbarei anheimfallen lassen, betrachtet sie es als ihre Aufgabe, Gesittung zu pflegen, Recht und Ordnung aufrecht zu halten, ihre Unterthanen zu schützen — so mache sie mit einem Schlage der sögenannten Indenfrage ein Ende, so ergehe ein Ukas des Inhalts: es ist der Wille des Ezareu, daß die Hebräer allen übrigen Rationalitäten und Rcligionsbekennern im ganzen Reiche vollkommen gleichgestellt sind, und geachtet und geschützt werden, wie jeder andere Unterthan. Sie dürfen wohnen, wo eS ihnen gefällt, sie dürfen Handel und Gewerbe treiben nach ihrem Belieben und Gutdünken. Es exisürcu nicht zweierlei Gesetze in Rußland, das eine für die Richthcbräcr tind das andere stir die Hebräer. Der Kaiser wird Jeden strafen, welcher sich gegen diesen feinen kaiserlichen Willen auflehni und einen Juden kränkt und schädigt, fei es in welcher Weise immer. Das ist das Einzige, waS nnS, was Rußland zum Heile gereicht. rj Moskau, 4. Juli. Der Sommer zieht in'S Land, und wiederum bricht Schrecken und Tod über die Juden herein. Wir geben nnS den düstersten Befürchtungen hin. WaS in Nifchni-Nowgorod möglich war, kann sich an allen Orten des weiten russischen Reichs, ivo Inden wohnen, in furchtbarer Weise wiederholen. Es ist, als ob man in der That unsere Abschlachtung geplant hätte. Der rohe Hause wirft sich ans die Juden, mordet sie in bestialischer Wuth, plündert und raubt — die bewaffnete Macht trifft aber nicht znm Schutze der Inden, zur Verhütung dieser Gräuel ein, sie langt erst zur Stelle, um die Mordbrenner am Plündern zu hindern und ihrer etliche zu verhaften. Und dabei wird noch immer die Indenfrage gründlich stndirt, — ach nein, auch daS nicht, die Indeiikommission hat sich Ferien zngebilligt zu ihrer Erholung von den angestrengten Arbeiten, und ihre Mitglieder pflegen der Ruhe in Bädern und ans ihren Landsitzen, — im Oktober kehren sie wieder zurück. Inzwischen. wird die Indenfrage durch Todtschlag und Diebstahl ihrer Lösung entgegengesnhrt! — Das Herz krümmt sich, der Mnlh schwindet, dumpfe Berzweislung bemächtigt sich der Gcmüther — wir lassen uns maff'akrircn wie das wehrlose Lamm und verschließen den Mund. Es wäre auch sehr rücksichtslos, wollten die Hebräer durch ihren Wehschrei die behagliche Ruhe stören. — — Verzeihen Sie, wenn ich hier abbreche. Die im Todeskampfe sich Windenden, der Rauch der eiugeüschenen Iudenhüuscr. die bleiche Angst der Lebenden rufen zum Himmel empor, — mir versagt das Wort. Rur das Eine noch: so tauge Rußland die Inden nicht für gleiche vollberechtigte Bürger erklärt und alle und jede AnSnahmSgesetzgebung aushebt, so lange erwächst uns keine Rettung, so lange sind wir den LR ordern und Räubern preiSgegebcn. * Nischni-Nvwgorod, R Juli. Die Juden- Hetze im hiesigen Jahrmarkts-Viertel findet, wie der ״Voss. Ztg." geschrieben ivird, ein gar merkwürdiges Nachspiel. Nachdem ein Dutzend Inden dort massakrirt und ihr Eigcnthum vernichtet wurde, beauftragte der Gouverneur, Generalmajor Baranow, derselbe, der als Stadthauptmann von Petersburg sich unmöglich machte, die Polizei, ihm ein Verzeichnis; der nicht zum Aufenthalt in der Stadt berechtigten Juden vorznlegcn, ohne Zweifel zu dem Zweck, sie anSweiscn zu lassen. Dem Massakre durch den Pöbel wird also nun eine gewaltsame Vertreibung durch die Polizei folgen, und eS werden sich eventuell die Vorgänge wiederholen, welche bei der Säuberung MoSkan's von Inden nicht weniger Abscheu als die Ausschreitungen der rohen Masse ciuflößten. Baranow erklärte nach der Juden- Hetze 'dem in einem Nachtasyl sich aufhaltenden Gesindel, bei einer Wiederholung der Ausschreitungen werde er die Schuldigen, wenn auch mit Thränen in den

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