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Jeschurun · 1884-07-17 · Heft 29 (17.7.1884) · p. 459

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 29 (17.7.1884)
Article
Deutschland : Aus Niederhessen [Nachricht]
Date
1884-07-17
Page
459 (sequence 1)
Language
German
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459 A Äus Nicderhessen, 20. TainuS. Es scheint, als ob die Entscheidung in unserer Ocabbinersrage nicht lange mehr auf sich warten lassen dürfte. Es wird über uns beschlossen, ohne das; wir einen direkten Einfluß geltend machen könnten. Dem Belieben einiger Weniger, die nicht einmal ans der freien Wahl der Gemeinden hervorgegangen und deshalb nicht als die Mandatare der Provinz gelten können, ist eS anheim gestellt, wer da an unsere Spitze treten soll, uns cinzuführeu und zu leiten in die Wege des göttlichen Gesetzes, voranwandelnd als ein leuchtendes Vorbild ernster opferbereiter und opferfreudiger Hingebung,!!!!geheuchelter Frömmigkeit und gründlicher Kcnntniß der Religion. Und weil dem also ist, darum haben wir nichts zu hoffen von der Entscheidung — es ist tiefbctrübcnd, daß man also die Situation kennzeichnen muß. Wir, und mit uns Gottlob noch eine ganze Anzahl Gemeinden hiesiger Provinz, verlangen von einem Rabbiner das ganze!mein- .geschränkte Bckenntniß zu dem heiligen Schatze des JndcnthnmS, wie cS zur praktischen Verwirklichung von unseren Vätern uns überliefert worden ist. In das Herz dcS Menschen zu schauen, ist keinem Sterblichen vergönnt, und darum halten wir uns zunächst an die in die äußere Erscheinung tretenden Handlungen. Wir erklären es!!!!verhole!!: wir haben kein Vertrauen zu einen! Rabbiner und zu der Redlichkeit seiner Lehre und Handhabung der Institutionen, der sich von einer; ihm etwa lästig erscheinenden Uebnug entbunden er-! achtet, oder sich das -Recht zu Acnderungen von! auf תקנה oder מנהג beruhenden Observanzen widerj rechtlich zuschreibt. Ein Rabbiner, der durch die Theil-; nähme an dem Gottesdienste seiner Gemeinde, bei ׳ welchem z. B. Orgclspicl n. dergl. zur Anwendung! kommt, gesetzwidrige Reformen sankt ionirt, oder der j sich B.מתירי!st;סתם יי oder הלב שחלבו נכרי, oder j welcher ״sich התרים lernt" in Betreff anderer אסורים j wie הוצאה בשבת in Bezug auf Objekte, welche ganz! bestinimt nach den entscheidenden Auffassungen weder : als Schmuck noch als Kleidung betrachtet werden — : der ist nicht der Mann, dem wir die Führung und Leitung unserer heiligste!! Angelegenheiten anvcrtrauen mochten. Wir scheuen nnS nicht, solches auszusprechen, selbst auf die Gefahr, als Finsterlinge, Fanatiker :c. verschrieen zu werden. Wir haben auch solches an!naßgebender Stelle ausgesprochen, trotzdem wir kann! auf Beachtung hoffen durften, und wir werden solches auch in Zukunft aussprechen, falls uns die hier zu treffende Wahl hierzu Veranlassung geben sollte. — (Wir unterdrücken Len ferneren Inhalt dieser Einsendung unseres geschätzten Herrn Korrespondenten. Derselbe verbreitet sich über Persönlichkeiten, welche bei der Wahl in Frage kommen können, allerdings in sehr angemessener Weise. Ohne zwingenden Grund vermeiden wie aber prinzipiell dergleichen Erörterungen. WaS durch eine öffentliche Mittheilnng erreicht werden kann, ist durch, das Vorstehende genügend geschehen. Die Redaktion.) Oesterreich-Ungarn. X. W. 3(11$ Tr anrUeitliMlien. Es dürfte vielleicht noch in Erinnerung sein, daß vor etwa sechs Jahren der jetzige Antisemiten-Führer, Herr Jstoczy, durch seine ebenso geistreiche, wie patriotische Idee, ״die Inden als Krebsschaden dcS Staates zn kennzcichucn", die LachmnSkcln der ganzen Welt in Bewegung setzte. Ja, mau hatte damals dafür nur ein spöttisches Lächeln; unsere Abgeordneten kicherten abgewandten Gesichts, so oft der ״Weltbeglücker" als Apologet seiner herrlichen Erfindung die Tribüne betrat. Selbst der gewiegte , Staatsmann Herr v. Tisza zuckte gleichgültig die! Achseln über jeden Nonsens, den der Redner sich nicht; cntblödetc über die Lippen zn bringen. Keiner der; Herren nah in aber Anstand, mit einen! Jstoczy über; LaS Wohl des Landes zu Rathe zn gehen. — Die I Ungarn sind nun einmal liberal, und lassen Jedem seine Freude, naineittlich!venu es auch ihnen Freude!nacht. Sic duldeten deshalb auch, daß die geheiligte -Stätte des Reichstages durch Schaud- und Schmähredcn cnnveiht wurde. Sie nahmen die Sache eben sehr auf die leichte Achsel. Der KabiuctSchef in seiner wcltbekannten Liberalität wollte in das harmlose Gau- Mm!! des -Dauses nicht störend eingrcisen, bedachte aber nicht, daß selbst ein Regentropfen, wenn er lange ans einen Stein fällt, denselben anSzuhöhtcn vermag. Und wie die Mücke au den Hammer, so gewöhnten sich die Herren vom Reichstage allmählich an das Geplappcr des sinnlosen Mannes. Man lachte, mau kicherte nicht!!!ehr, sondern schien vielmehr zu glauben, Herr Jstoczy habe den Schlüssel der sozialen Frage gesunden. Diese thörichte Meinung machte einen TiSza- Eszlarer Prozeß möglich, der nnserm Jnstizministcr zuerst wenig Kopsschmerzen bereitete. Und trotz dcS traurigen Ruhins, den unser Vaterland dabei crndtctc, klanünert inan sich doch noch krampfhaft au die geistreiche Entdeckung Jstoczy's. — Mit Hülfe des gefürchteten ungarischen ״FokoS" ist nunmehr eine neue i Fraktion, bestehend ans zwanzig kerngesunden Anti-! scmiteu, in das Abgeordnetenhaus gckoulmcn. Eine! ganz respektable Schaar, worauf Herr Jstoczy stolz sein ' kann. Zieht man nun eine Parallele zwischen den i Jahren 1878 u!!b 1881, so ergiebt sich ein bedenkliches j PlnS von 17 — 18 Antisemiten. Erwägt man aber j die Leistungsfähigkeit eines dieser Herren, so lauft einem j ein Graus Lurch die Glieder. Die bOOOOtt jüdischen 1 und die übrigen friedfertigen ungarischen Bürger blicken! mit unsäglichen! Schmer; in die Znkngft und müssen i stündlich ciueS Ansturms gewärtig sein, den die zwanzig

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