Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1884)
- Article
- Deutschland : Berlin, 10. Juli [Nachricht]
- Date
- 1884-07-17
- Page
- 458 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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458 manbei! gehaßt haben. öS sind Juden, welche in Nuinänicn geboren sind, daselbst gewohnt haben, nne ihre Eitern und Großeltern. Man hat ihnen ihr karg׳ lidjc* Brot genommen, weil sie sich vom kleinen Hcmsir- Handel nährten und Inden sind — ciitco Verbrechend, einer schuldzeiht wem sie nicht. --- Diese zweihundert Elende zu sehen und nicht zu verzweifeln an die Humanirät und Bildung unseres Jahrhunderts — wahr׳!ich, das erfordert den vollen Glauben an den endlichen Sieg des Otechrsbewiißlseins über die Gewalt. Diese Zweihundert aber sind nur ein Theil jener :><)<100 jüdischen Deelen, welche des gleichen Looses theilhastig sind. D-chrei! solcher Jammer nicht zum •vuntmel? Ntöge Gou sich der Unglücklichen erbarmen! — Uns aber, die wir das Glück haben, in Ländern zu wohnen, deren Regierungen, trotz der ewigen Hetzere cn, ecjüllt sind von dem (Reifte der Gerechtigkeit nud Menschlichkeil, mn uns zu schützen in dem friedlichen Erwerb, uns dürfte die Pflicht obliegen, für unsere Brüder uns zu rüsten mit echt brüderlichem Herzen und offener Hand, um sie zu erretten von dem Tode durch den Hunger. Möchten doch diese Worte nicht ganz nncrhör! verhallen,, möchten sie mit Anlas; werden, das; überall gespendet werde für die hungernden, ihres Erwerbs beraubten rumänischen Brüder! — ■■?י Bochum, l 0. Juli. Man ncus; der Leitung der antisemitischen Bewegung das Lob spenden, daß sie eine inuuniübliihe und umsichtige Thängteit entfallet, nm das Kontagiuiii der Judenseindlichkeit in alle Gauen des deutschen Vaterlandes zu tragen: und wenn es nicht gelingen sollte, die gesammte Vevölkcrnng gegen uns einznnehincn, so trägt sic wahrlich keine- Schuld daran. Die arbeitet stets unverdrossen und in nimmer erkaltendem Eifer. Die hat auch wiederum einen ihrer Edelsten und Besten, den Herrn Map L lebe r 111 a u n v o n ׳D o u n c u b c rg anscrsehen, unserem Distrikt die antisemitische Heilesbotschast zu predigen. "Die können sich denken, mit welcher Spannung seiner Ankunft entgcgengesehen wird. Uebermorgen erwartet man den verehrten Gast in Essen, am Sonntag wird er unsere gute Ltad! beglücken, am l 5. d. M. erscheint er in Steele, am 10. in Hattingen, am 17 in Unna, am 1s. und 10. wird Dortmund sich seiner Gegenwart er!'reuen, und am 20. zieht er in Kastwp ein. Es verlautet noch nichts von Ehrenpforten, Ehrenjungsrauen, Gtockengetänte, Böllerschüssen und anderen Knudgcbnngen des Enthusiasmus. Aber cs ist leider kaum zu bezweifeln, daß er überall gewisse. Gottlob kleinere, Kreise auiresseu wird, die mit ihm sympathisiren. Dein Progamm ist überall das gleiche: die Jndensrage. " >Dchw!'oulvchiowist, b. Juli. Die Ans- Wanderung russischer Inden nimmt aufs Nene ihren Anfang. In vergangener Woche trafen etwa 500 russische Inden ein. die. wie die ״K. Zkg." erfährt, sämmtlich nach Amerika auswandern. -1- Stargnrdt (Preußen), Juli. Der dedauernswerthe Josephsohn ist am 4. d. Mts. das Opfer einer fanatischen Rohheit geuwrdcn. Derselbe hatte bekanntlich unter dem entsetzlichen Verdachte der an dem jungen Eybnla verübten Mordthat (Skurczcr Mord) fünf Atonaic in Unkersuchnngshast znbringcn müssen, bis seine totale Schuldlosigkeit fcstgesteklt wurde. Lcitdcm hatte er sich von hier fern gehalten. Am 4. d. M. wagte er cs aber, sich hier wieder zu zeigen. Kaum waren seiner vier Arbeiter ansichtig geworden, als sie mit dem Ausrufe: ״Verdammter Hund! Verfluchter Jude! Du sollst sterben!" sich auf ihn warfen und durch mehrere Messerstiche am Kopfe ihm sehr erhebliche Verletzungen beibrachten. :[: Lauenburz (Pommern). im Juli. Dem ״Deutschen Reichsblatt" wird von hier gemeldet: ״Gegen Ende vergangener Woche ist in Laneiibnrg ein neues schönes Johannitcr-Krankenhans eröffnet, und cs war dazu der Hcrrcnmeistcr des Johamntcr-Ordcns, Prinz Albrccht von Preußen, eingetroffen.' Die echt ritterliche, hohe Gestalt des Prinzen und noch mehr sein nach allen Seiten würdiges und doch höchst liebenswürdiges Anftrclen hat Aller Herzen gewonnen. Zunächst ist das Johanniter-Krankenhaus für Kranke aller Konsesionen eingerichtet. Auch der indische Rabbiner war von den Johannitern zur Eimveihnngsseier eingcladen und im Ornat erschienen. Derselbe wurde dem Prinzen Albrccht vorgestcllt: dieser sprach längere Zeit mit ihm und sagte znnt Schluß: ״Nun, Herr Doktor, in Krankheitsfällen hört jeder Unterschied der Konscssion aus." ״DaS ist doch einmal wieder echt Hohenzollerisch gesprochen," sagt unser Gewährsmann, der, nebenbei gesagt, Protestant ist. In dem in gewisser Richtung vielfach nntcrwühlten Hiuterpommern ist ein solches Wort von doppeltem Werth. Das Auftreten des Prinzen hat bei allen Richtungen einen so guten Eindruck gemacht, daß es auch aus die Parteien aussöhncnd gewirkt hat." — Gewissen Organen ist diese Mitthcilnng höchst unbequem, und sie finden allerlei daran ansznsetzcn, ja sie meinen, der Prinz könne unmöglich also sich geäußert haben. Es sind das dieselben Kreise, welche seinerzeit auch die Vcrurtheilung des Antisemitismus durch den Kran- Prinzen als apokryph erklärt haben, welche aber trotzdem sich als autentisch erwiesen hat. Man!,möchte eben auch die Mitglieder des erlauchten Hohcnzkllernhauses zu seinen Gesinnungsgenossen stempeln, wie man ja auch nicht vor dem Versuche znrückschrecktc, in ein kaiscrtiches Manifest den wüstesten antisemitischen Gedanken h'ncinzulegcu, nm sich als Vollstrecker des königlichen Willens zu geriren.