Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-07-10 · Heft 28 (10.7.1884) · p. 446

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 28 (10.7.1884)
Article
Amerika : Cambridge (Mass.) [Nachricht]
Date
1884-07-10
Page
446 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933077--16122-2957766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

446 den Sonntag, btc Vermischung der Geschlechter beim Gottesdienste, Veränderung der Speisegesetzc und vorschicdcnc andere Gesctzesverlctzuugcu unserer heiligen non Gott durch seinen treuen Diener Moses empfangenen Lehre. Werfet einen Blick auf unsere Geschichte und ihr findet Korah und auch vierhundert falsche Baal-?- pfaffen O., daß wir einen Elijahu unter uns hätten, welcher den Doktoren Wise^ Stein und Gottheit sagte, daß ihre Tempelpredigten eben solche schändliche Lügen sind, wie die von den Baatöprieftern gelehrten. Ich bin von der Uebcrzcr.gnng durchdrungen, daß das orthvboxe Iudcnthnin stets blühen wird, und alle Nationen den einen wahren und einzigen Gott erkennen und bekennen werden, — daß größere Wunder, als jemals auf Erden stattgefundcn, geschehen werden. Ich bin kein Prophet und Prediger, aber ich weiß gewiß, daß die Prophezeiungen sich erfüllen werden. ES ist verheißen worden, daß ״zehn Männer sich an euch anklammern werden" —, Brüder, habt starke Gewandung, denn zwanzig Reformer werden versuchen, mit euch zu gehen, wenn sie den großen, erhabenen und glorreichen Tag anbrcchcn sehen, da wir uns dem Himmel nähern und der Gott Israels allein unser König sein wird." Es mag erwähnt werden, daß Herr Marens kein Rabbiner, sondern ein ernster, thatkräftiger, echt jüdischer Mann ist, welcher für die heilige Sache des Indenthums begeistert ist und für dieselbe kein Opfer scheut. So hat er bereits mehrere Synagogen auf seine eigenen Kosten erbauen lassen. David Haller. Bon Nastali Simon. Alle .-liechte vordelwUe». (FvNsktzNNg.1 In später sommerlicher Dämmerstunde war er heimgckchrl, und mit den ihn mächtig bewegenden Gedanken beschäftigt, hatte er cs verabsäumt, die Lampe anznzüudcn. Der ausgehende Mond sandte seinen Silberstrahl in den dunkeln Nauru und scheuchte ihn ans seinem Sinnen auf. Er erhob sich von seinem Sitze und trat zum Fenster, welches einen Ausblick ans die herrliche Landschaft gewährte. Ein heiterer Friede lagerte über derselben. Kein Laut störte die erhabene Majcstät der Natur. Da breiteten sich vor ihm Wald und Au in mmbschbarcr Ferne aus, und im Hintergründe verloren sich die gewaltigen Bcrgmassen in der Wolken gehcimnißvoüe Höhe- An! Nachthimmel funkelten die Sterne, erglänzte der Mond, und hüllten das färbenreiche Panorama in ein mildes Lichtgcwand. David ward von dem herrlichen Bilde tief ergriffen, und eine seltsame Stimmung bemächtigte sich seiner Seele. ״Wenn ich Deine Himmel schaue, das Werk Deiner Finger, Mond und Sterne, die Du in ihre Bahn eingesetzt — was ist dann der Staub-geborene, daß Du seiner Dich erinnerst, was der Menschensohn, daß Du ihn mit hohem Amte bekleidest — nur Weniges vom Göttlichen ihm versagtest 1n1b ihn mit Ehre und Würde krönst, ihn zum Verwalter über Deiner Hände Werk bestellest, Alles ihm zu Füßen legtest — —?" also flüsterte!! seine Lippen des unsterblichen königlichen Sängers Gott schauendes Lied, llnd an diese Liedes- Worte knüpften seiner Seele bange Zweifel ans's Nene an: Du hast dem Menschen von Deinen! Geiste ein Fünkchen eingchaucht, und sein göttlicher Geist strebt nach Erkenntnis; der Wahrheit; dennoch ringt er oft vergebens und hält für Dein Licht seiner irdischen Sphäre entstammenden salben Schein. Ich habe lange ein Trugbild als höchste Weisheit angcstaunt, und die Entdeckung, daß es ein Phantom gewesen, ist das einzige trostlose Resultat meiner Mühe. Dennoch lebt in mir die Zuversicht, daß. was meines thcuern Lehrers Klein Geist ahnt, zu finden ist, und ich nur auf falscher Fährte von unkundigen Führern geleitet worden bin. Wer geleitet inich aber auf den rechten Weg?—Aber bedarf es denn eines Führers? Ist nicht aus den heiligen Schriften selbst der Geist des Iudcnthnms zu schöpfen? Sicherlich. — Aber warum hatte er denn bis jetzt Niemanden gefunden, der ihn! diesen erschlösse? — — Wie der Blitz ans dunkler Wolke hervorsprnht und im raschen Zucken das Firmament erhellt, so fuhr cs plötzlich durch Davids sinnenden Geist. Was war cs doch, was jener Rezensent dem anerkannt geistigen Oberhaupt der sich sprcitzcnden ״Schule" nachgewiescn? Die Leugnung der Göttlichkeit der mündlichen Lehre. Die mündliche Lehre, sic hatte n!an vergessen, wenn man an die Erforschung des JndcnthnmS ging. Und darum mußte man ans Irrwege gcrathcn, und darum formte man unmöglich in den Geist des Jndenthums eindringcn, und darum boten auch die älteren philosophischen Werke nach dieser Richtung nur so wenig. Wie konnte man aber auch nur wähnen, den Geist des Gesetzes erfassen zu können, rvenn mau dieses Gesetz selbst nicht in seinem vollständigen wirklichen Inhalte zun! Gegenstände der Betrachtung sich erwählte? — Ja, - das war cs! Warum sollte er cs aber nicht versuchen? — Eine freudige Erregung erfaßte sein Herz. Ihn!, den! Zweifelnden, ja fast schon Verzweifelnden, winkte das langersehnte Ideal in lichten! Glanze, freilich auf ferner Höhe, aber er wollte den Weg nicht scheuen, und wenn er auch keinen. Führer auf diesen: Wege hätte, wenn er ihn einsam, ohne Genossen, wandeln sollte, er konnte ihn nicht verfehlen, er hatte ja das Ziel unverrnckt vor sich. Mitternacht war bereits vorüber, als er sich wiederum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.