Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1884)
- Article
- Deutschland : Bad Nauheim [Nachricht]
- Date
- 1884-07-10
- Page
- 442 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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442 fettigen Znsaunnenkünften —־ ct5»fl einmal die Woche, im Wald oder im Teichhausgarten ־— zu geben und JiiM dazu 1'rcitnblirf)ft zu einem elften derartigen Zusiimmensem aus dem Teichhaus Mittwoch, den 2. Juli, ׳y'achminags! Uhr ein." Das Badekommissariat erließ daraus die folgende Bekanntmachung: ״Im Anzcigetheil der Kurliste vom 28. d M. werden in auffälliger Weise die christlich gesinnten Kurgäste zu geselligen Zusammenkünften eingeladen. Die Form dieser anonymen Anzeige sowohl als auch der Inhalt sind von vielen der hier anwesenden Ktirgäsie als eine verletzende und als eine solche bezeichnet worden, welche dem Charakter des hiesigen Bades, das in allen Beziehungen als ein internationales betrachtet und behandelt werden muß tind in welchem Niemand bevorzugt werden soll, welcher Konfession er auch angehören mag. durchaus nicht entspreeheu. Wir erklären deshalb hiermit, daß wir für den Inseratentheil der Kurliste nicht verantwortlich sind, und daß wir der fraglichen Anzeige nicht nur gänzlich fern stehen, sondern dieselbe auch durchaus nicht billigen. Bad Nauheim, am 30. Juni 1884. Großh. Bade- Direktion Bad ׳Nauheim, Jäger." Wir finden diese Erklärung der Großh. Bade-Direklion ganz in der Ordnung, ohne jedoch damit unsererseits einer Empfindlichkeir gegen jene anonyme Annonce Nanm zu geben. Wenn der anonyme Inserent auch unter ״christlich gesinnte Kurgäste" diejenigen verstanden haben sollte, tvelche sich sonst Antisemiten nennen, so wurden wir gar nichts dabei zu erinnern finden, daß auch die Herren Antisemiten im Bade gern unter sich zu sein wünschen. Oe sterreich-U ngarn. (!. Wien, 2. Juli. Daß auch hier der Alttisemilismus festen Fuß zu fassen sucht, ist schon des Oejlern hervorgehoben worden. Gottlob, daß es ihm nicht gelingt. Die Parole dazu aber scheint er sich ans Deutschland zn holen. Wie Pattai nach Berlin ging, um den ächten antiseinirischen Geist an der Duelle zu stndiren, also ist jetzt ein Emissär ans Berlin, H e r v Neiter, hier emgelroffen, um die guten Wiener zu bekehren. ,.Ausbeutung der produktiven Arbeit durch die Inden", so heißt das Evangelium, welches er predigt. Er findet aber nicht viele Gläubige. Eine dieser Tage hier abgehaltcne Versammlung, in welcher er für dasselbe zn propagircn suchte, lehnte es ab, sich zu bekehren und ging in ihrer Verblendung zum Acrgcr des wackeren Herrn gar so weit, durch eine Erklärung ausdrücklich gegen sein- Lehre zn protestircn. "'Pest, 2. Juli. In Angelegenheit der Ezegl'eder Skandale anläßlich der Wählerversammlung am l 5. März d. I. hat der Kccskemeter Staatsanwalt den Anklage- Antrag, welcher sich gegen 2 t Personen wegen Ansreiznng gegen die Behörde und Gewaltthätigkeit gegen Privatpersonen erstreckt, dein Gerichtshöfe vorgelegt. Unter den Angeklagten befinden sich die jüngst gcwählteil antisemitischen Abgeordneten Sigmund Csatar, Dr. Geza Naez und Georg Szell. ferner Emil Szemecz, Franz Persay und der Ezegleder Stadlhauptmann Ludwig Dobos. Aus der Motivirnng des Antrages geht hervor, daß am 14. Marz bereits Csatar und Lerhovay das Volk haranguirten und anfsorderten, den Kossnthplatz, der als Versammlungsort auch für die Gegenpartei für eine Stunde früher bestimmt war. zeitig Morgens zu okknpiren und die ״Vaterlandsverräther" zu verdrängen, selbst wenn es zum Aenßersten komnten sollte. Tags darauf kam eS zu den Exzessen, wobei die aufgereizte Menge unter Anderen Gabriel . Ugrou und Otto Hermann thätlich angriff. Schweiz. * In Aarwangen (Oberaargau) ist ein Prozeß gegen die Inden cingeleitet wegen angeblicher Thicrquälerei beim Schächten. Bekanntlich wird dabei dem Thier einfach der Hals durchschnitten und dann läßt man es verbluten. Vom Thierschutzverein aus wird gegen die Inden vorgeschritten, aber sie!vollen bis jetzt ihr aus dem grauesten Alterthnm herstammendes Schlachtverfahren nicht aufgeben, so berichten die Zeitungen. Frankreich. ....f. Paris, Ende Juni. Bei der Anfangs dieses MonatS hier stattgesimdenen ,.initatioii reli- .Mtwt;", die der in Deutschland theilweise unter dem Namen Konfirmation, in manchen Gegenden aber, wie Elsaß und Baden, meines Erachtens sehr zutreffend, ,.Vorstellung" genannten Zeremonien entspricht, hatten sich ungefähr 250 Knaben und Mädchen eingefunden. Der ״Ruwers. israel." bemerkt seufzend, daß diese stattliche Zahl leider den geringeren Ständen angehört, und knüpft daran die folgende bedeutungsvolle Erwägung: ״Woher kommt diese Abnahme der höheren Klassen? Die Einen sehen darin ein Zeichen der Abnähme des religiösen Sinnes, die Anderen schreiben sie dein Einflüsse des schrecklichen Jahres l870/71, welches der Vermehrung der Bevölkerungszisfer wenig günstig war, zn. Hoffen wir, daß nächstes Jahr diese letztere Annahme sieh als die richtigere herausstelle. So der ״Univers". Wir aber sind der Ansicht, daß sich immer mehr die Erkenntniß Bahn bricht, daß Humbug eben Humbug ist. Wir glauben, daß all das eitle Geprange, welches man theils als Surrogat der altehrwürdigen heiligen Satzungen des Indenthums in die Gemeinden einführen will, theils als Beimischung verwenden möchte, endlich sich als eitel und nichtig erweisen!vird. Die ״mitation religieuse“ oder Konsir-