Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1884)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1884-07-03
- Page
- 428 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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428 Juden versteht, sondern jeden Menschen. Aber wie luciiii] entsprechen die heutigen Juden diesen Vorschriften il)1cr Religion und wie thun die meisten gerade das Gegenthcil von diesen Geboten. Da wird betrogen, gestohlen, übcrvortyeilt, falsches Gewicht geführt, geschachert und gewuchert, Grenzsteine verrückt und der pslichtgrmäßc Lohn vorcuthalten. Die vielen Gerichts- Verhandlungen weisen eben so viele Ucbertreluiigcn nach, als Gebote enthalten sind. Daher der Haß und die Abneigung gegen die Inden, und daher die wachsende Erbitterung im christlichen Volte und das allgemeine Mißtrauen." Nim weiß aber die ganze Welt, daß die wegen Raub und anderer Verbrechen Abgenrthcilten nicht der jüdischen .Konfession angchörcn, und selbst die, welche wegen sonstiger Vergehen bestraft werden, nur einen winzigen, und Gott sei Dank noch lange nicht im Verhältniß zur Bevölkerung entsprechenden Theil ausmachen, und dennoch jene schändliche Behauptung' Wir sind übrigens derartige Auslassungen gewöhnt. Konstatircn wollen wir nur, daß erwähntes Blatt sicherlich nicht mit Absicht, einen Schritt zum Bessern gethan, indem es nämlich bezeugt, daß die jüdische Religion herrliche Schriftert und Wahrheiten enthält, eine Anerkennung, von der wir bisher in jenem famosen Blatte gerade das Gcgentheil gelesen haben. Oesterreich-U ngarn. *jj* Pest, 30. Juni. Die 17 antisemitischen Abgeordneten unseres zukünftigen Reichstages heißen: Baron Gabriel Andrennßky, Piiiezehely, Tolna; Paul Esnzy, Szakcs,Tolna; SigmnndCSatLr, StadlCSongrnd; Victor Jstvezy, Ruin, Eiscnbnrg; Franz Koinlüssy, Verb('», Neutra; Julius Margittay, Bößörnwny; Karl Neudtvich, Zurndorf, Wieselburg; Güza Onody, Nnnüs, Hajdu; Gvza Rncz, Fülöpßr'ülnS, Pest; Franz Rath, Wartberg, Prcßbnrg; Karl Szalay, Esnrgo, Somogy; Ein er ich Szaly, Somogy; Ivan Simonyi, Ung. ׳׳Altenburg, Wicselbnrg; Andreas Vadnay, Tapolcza, Zala; Julius Vcrhovay, Czegl^d; Joseph Veres, Oroshnza, Bßtvs; Ignaz Aimündy, Szcnicz, Neutra. Den Rainen habe ich den Wahlkreis nach Ort und Komitat hinzngcfügt. — Gegen die Schrift: ״Ein antisemitischer Prcßprozeß und die Vcrthcidigltngsrede des Or. Gvza Nncz" ist eine Untersuchung eingcleitet. In dieser Schrift wird dein Krön- Prinzen Rudolf eine Aenßernng zngeschriebcn, in welcher die Oberstaatsanwaltjchaft das Vergehen der Aufreizung erblickt. — In dein Prozesse wegen der Krawalle auf der Kerepeserstraße ist das Urtheil gesprochen. Die All geklagten wurden nicht wegen Lan ocsfricdensbrnch, sondern wegen Vernichtung von Privateigcnthnin größtentheils für schuldig befunden und mit mehrmonatlicher Gefängnißstrafc belegt. Die Staatsanwaltschaft meldete Berufung an. Ans der Rede des Staatsanwalts vcrdient der folgende Auszug alle Beachtung. Er führte ans: ״Wenn ich jener traurigen Ereignisse gedenke, über welche die Opfer des frechen Attentats selbst hier ihre Zeugenaussage geinacht haben, wenn ich die Angeklagten betrachte, welche diesen Saal füllen, wenn ich bedenke, daß die Gesellschaft, wenn sic das Gefühl der Rechtssicherheit wanken fühlt, in erster Reihe auf jene Stelle blickt, die ich einzunehmcn die Ehre habe, so kann ich ein Gefühl der Bitterkeit nicht unterdrücken, 1111b da ich weiß, daß diese Stelle von der Gesellschaft Vertrauen heischt, nicht umhin, diesem Gefühle aufrichtigen Ausdruck zu verleihen. Sind das wirklich die Leute, welche in einer der am meisten bevölkerten Straßen der Hauptstadt, sozusagen vor den Thoren deS PolizeigcbäudcS, nicht im Dunkel der Nacht, sondern ganz offen die Geschäftslädcn friedlicher Kanflcutc äugegriffen und binnen einer Stunde — denn mindestens so viel Zeit hatten die Räuber, was immer die Polizei offiziell oder nichtoffiziell sagen mag — Maaren im Wert he von 12000 fl. theils verschleppt, theils wüthcuden Bestien gleich zerstört haben; sind das die Leute, deren Hirn der verruchte Gedanke entsprungen, den man Wahnwitz nennen müßte, wenn auf der Hand liegende Thatsachcn die verruchteste Bosheit nicht bcweisen wurden? Und da ich keine llnwahrheit sagen darf, bei diesen handgreiflichen Beweisen aber auch keine sagen kann, muß ich erklären, daß cs nicht diese sind, was übrigens für die Anklage-Behörde keinen Moment lang ein Gegenstand des Zweifels war. Und wenn es wahr ist, daß der Zweck und zugleich der Berechtignngsgrund der Rechtspflege die Reparation des durch Verbrechen verursachten gesellschaftlichen Schadens und die Wiederherstellung des gestörten Gefühles dar Rechtssicherheit ist; wenn es wahr ist, daß dieses Ziel nur dann und nur in jenem Maße erreicht wird, wenn und in welchem Maße die wahren Thäter von der strafenden Hand der sühnenden Gerechtigkeit getroffen werden, dann darf ich nicht verschweigen, daß in diesem Falle leider keine Rede sein kann von einer vollständigen Erreichung dieses Zieles, und uns ist cs, als wenn nach Vorführung eines erschütternden DramaS ans den Ruf deS Publikums blos die Statisten ans den Weltbedeutenden Brettern erscheinen würden. Und daß dies so kam und so kommen konnte, trotzdem die Anklage- Behörde vom ersten Augenblicke an darüber im Reinen war, daß die hochwichtige Hauptaufgabe der Strafjustiz in diesem Falle, sowie in den ähnlichen Füllen, die in anderen Thcilcn des Landes vorgckommen sind, nicht sei, daß einige Handwerksgesellen, Lehrbuben und etliche unbedeutende Existenzen, die wohl an den Verbrechen thcilgenommcn, aber zugleich auch die Opfer desselben gewesen sind, in den Kerker geworfen werden sollen, sondern daß ihre Hauptaufgabe sei, die Leiter, Anstifter und geistigen Urheber dieser die Sicherheit -er Person