Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1884)
- Article
- Nachtgestirne
- Date
- 1884-07-03
- Page
- 424 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Dornum 1× ep/1044450
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424 die kleine Gartenpforte hindurch;11 dem Hanse Salainon llkohrbach'S gelangen konnte. Wer schildert die verwirrte, von Furcht nnd Zeh recken diirchwobciic Ueberraschnng desWirkhs, alo der Pfarrer vom Hofe and in die Küche trat und mit einem leichten Nicken des Kopfes ans einen kleinen Eingang losschritt, welcher sich der Wirthsstubenthüre gegenüber vcsand nnd in ein kleines Nebengemach führte. 311 dieses ^Kebengeinach pflegte Nohrba h die Mitglieder der bessern Gesellschaft des Ortes za führen, welche aus dein Pfarrer und den Bediensteten deS Grasen bestand. Nohrlwch ris; hastig die Kopfbedeckung herunter und beeilte sich, dienstfertig die Thnre des Gemaches;11 öffnen, in welches der Pfarrer nun cintrar. Wortlos verharrte der Pfarrer eine geraume Weile und schien sich heimlich, indem er mit den Fingern auf der Tischplatte troinmeltc, an der merklichen Unruhe Nohrbach'S zu weiden, der, in devoter Haltung vor ihm stehend, seiner Anordnungen harrte. ״Oubc," begann der Pfarrer endlich, ״ich wurde vorige Woche von einem unreifen Judenjnngcn schwer beleidigt und in meiner Person die heilige Kirche. Man sagt, daß der betreffende Junge Tein Nesse und der Verlobte Deiner Tochter sei; — ist dem wirklich so?" ״ES ist leider so. wie man Euch berichtete, ehrwürdiger Herr," entgegnete Nohrbach. ״Mein dl esse hat das Unglück gehabt, Euch in einer Aufwallung seines jungen, leichtsinnigen Blutes;11 beleidigen. Wir alle bedauern lebhaft dieses Unglück nnd thätcn gerne alles, was nnscrc Kräste erlauben, um Euren gerechten Zorn zu beschwichtigen." ״So ist cS, Jude, diesmal hast Dn vernünftig gesprochen! Die heilige Ingnisilion verhängt strenge Strafen über jeden Ungläubigen, der sich gegen die heilige Kirche oder׳ ihre Diener eines Vergehens schuldig gemacht hat. Wenn ich auch meine eigene Beleidigung gerne vergessen und vergeben möchte, so kann ich dies nicht auch mit jener Beleidigung thnn, welche in meiner Person unsere heilige Kirche;11 erleiden hatte; ihr müßt also der Kirche ein Opfer bringen, umihre beleidigte Glorie zu versöhnen." ״WaS sollen wir thnn, ehrwürdiger Herr?" frng Nohrbach in ängstlicher Spannung. ' ״Wir sind zu allein bereit, was im Bereich unserer Kräfte steht." ״So höre mich, und darnach habt Ihr Euch zu richten. Die .Kirche braucht zu einem heiligen Zwecke viel Geld, sehr viel sage ich, so bcilünsig eine Million Gulden. Erschrick nicht, ich will nicht, daß Du die ganze Million hergcbcn sollst; Dn brauchst nur mit .;ehiitansend Goldgnldcn zu dieser Summe beizusteuern. Also, jetzt weißt Dn'S. Zehntausend Gulden mußt Du mir bringen, dasür werde ich Euch dann für das an der Kirche begangene Sakrileg in ihrem Namen ab׳ solviren." ״ZehntausendGoldgnldcn'" seufzteNohrbach. ״Ihr habt eine;11 große Vafi ans meine Schultern gebürdet, ehrwürdiger Herr, unter welcher ich nothwcndig;11samnienbrechen muß, wenn Ihr sie mir nicht gntigst erleichtert. Wo soll ich so viel Geld hernchmcn? Auf die übrigen Inden dcS OrtS können wir nicht rechnen,' denn die werden sagen: Eure Kinder haben das Unglück angestistet, nun trachtet ihr, cS wieder gut zu machen, so gut ihr cS eben könnt. Was geht'S nnS an! Und wir, ich und mein Bruder, die wir leider in erster Neihe die Vetrossenen sind, können umnöglich eine solche Summe austreibcn, und wenn wir auch das letzte Stück unserer Habe in Verkauf bringen wollten. Und dann bedenket, ehrwürdiger Herr, ich habe auch für die AnSftattung meiner Tochter zu sorgen —" ״Was Ausstattung," brauste der Pfarrer auf, ״die Dirne, Deine Tochter, die eigentlich, wenn ich mich recht zu erinnern weiß, an Allem Schuld ist, sollte gerne auf die Aussteuer Verzicht leisten nnd froh sein, daß ich nicht sic selbst als das der Kirche zu bringende Opfer bezeichne. Nun, was gaffst Du mich so an — von NechtSwegen hätte sich eigentlich einer von Euch taufen lassen müssen, nur so wäre die Kirche vollkommen versöhnt gewesen; aber ich weiß, daß ihr Inden in diesem Punkte ein hartnäckiges Pack seid und mit euch nichts aiisznrichlcn ist. Also, eben die Aussteuer mußt Du hcrgebcn, die ist für die Versöhnung der heiligen Kirche besser geeignet, als alles Andere. Nun—" ״Ja, Herr, Ihr habt Recht,-die AnSsiener meiner Tochter eignet sich zu diesem. Zwecke am besten, und die will ich auch gerne hcrgeben. Ich kann aber meiner Tochter mir fünfhimderL Silbcrgnldcn zur Aussteuer mitgeben." ״Fünfhundert Gulden und noch dazn silberne! Du feilschst zu jüdisch, Jude! Nun gut, weil es eben die Aussteller ist, so ivird cs vielleicht auch damit gehen, — wir werden sehen, was sich machen läßt. — Dn brauchst cs nicht gleich mit baarer Münze zu zahlen, wir werden cs gegenseitig verrechnen. — Du hast doch noch von dein Tokaycr, wie?" ״Ja wohl, ehrwürdiger Herr, Ihr sollt sogleich bedient sein!" Damit eilte Nohrbach davon, froh, so billigen Kaufes davon gekommen zu sein, um den gewünschten Wein zu holen. ״Daß Du mir aber ja von dem echten bringst, Dn weißt, ich verstehe wich darauf!" rief ihm der Pfarrer noch nach, als er schon außerhalb der Thnre war. (Fortsetzung folgt.)