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Jeschurun · 1884-06-26 · Heft 26 (26.6.1884) · p. 414

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 26 (26.6.1884)
Article
Rußland : Warschau [Nachricht]
Date
1884-06-26
Page
414 (sequence 2)
Language
German
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414 Die Kolonie ist hauptsächlich von Juden bewohnt, außerdem -eben daselbst etwa 15 deutsche Familien. Durch die Kolonie zog nun vor Kurzem ein Arbeitertruppp, zirka 80 Mann starl. Nachdem die Arbeiter sich an Speise und Trank gütlich gethau hatten, bc^ gönnen sie mit dem jüdischen Schenkwirth einen Streit. Im Verlauf desselben zcrschlttgen die vom Schnapsgenuß stark erhitzten Arbeiter die Schenke 1mt> machten sich nun daran, die übrigen Häuser der Juden zu;erstören. Die örtlichen Behörden schritten zwar ein und arretirtcn zirka 30 der Rnhestörcr. doch gelang es den übrigen, unter Mitnahme der geraubten Sachen zu entkommen. Ein benachbarter Gutsbesitzer erklärte sich bereit, die Arretirtcn ans fcineiit Gute in einem Keller enizusperren. Bald daraus kam. die Nachricht, ein anderer Arbeitcrtrupp sei im Anzüge. Aus Furcht, die Neuangekommenen würden eS versuchen, ihre arretirtcn Kameraden zu befreien, sandte der für sein Gut besorgte Gutsbesitzer die Arrestanten wiederum ins Dorf zurück, wo sie von den Neuangekommenen Arbeitern sofort befreit wurden. Die Arbeiter versuchten es, das Zerstörungswcrk ihrer Vorgänger fortzusctzcn, wurden aber von den örtlichen Behörden mit Hülfe der deutschen Kolonisten in die Flucht geschlagen. : Es gelang, vier der Arbeiter zu ergreifen, die übrigen entkamen. Die Arretirtcn wurden. an Händen und Füßen gebunden und nach Kriworog gebracht. * Petersburg, 23. Juni. Nach Berichten aus Nisbny Nowgorod sind daselbst an: 19. d. Mts. Ausschreitungen des Pöbels gegen jüdische Einwohner vorgekommen. Gegen 8'/2 Uhr Abends verbreitete sich das Gerücht, Inden hätten ein Christcnkind entwendet und in die Synagoge gebracht. In Folge dessen fand eine Zusammenrottung des Pöbels vor der Synagoge statt. Die Polizei vermochte nicht, die Tumultuanten anscinanderzutrciben und erbat Verstärkung. Bald darauf erschien der Gouverneur und befahl, daß von Seiten des Militärs Hülse geleistet werde. Inzwischen hatte der Pöbclhauscn vorübergehende Juden überfallen, war in die Synagoge cingcdrungcn und hatte die dort Anwesenden mißhandelt. Die Volksm.assc war mittlerweile ans ungefähr 2000 Personen angcwachsen; ein Theil derselben wendete sich gegen ein Hans, in welchem eine jüdische Familie wohnrc und dcmolirte dasselbe, ebenso wie noch andere von Inden inncgchabte ׳Wohnungen. Die Insassen der letzteren flüchteten. Den vereinten Anstrengungen der Polizei und des rcquirirlcn Militärs gelang cs, gegen 10 Uhr die Ordnung wieder herzustellen. Einige Juden sollen gelödtet und mehrere verwundct, außerdem sechs Häuser beschädigt worden sein. Ferner ist viel jüdisches Eigcnthum zertrümmert und ans die Straße geworfen worden. Am folgenden Morgen traf ein Bataillon Kosaken zur Verhütung einer Wiederholnng der Unruhen ein. Den Mißhandelten ist von Seiten der Behörden Hülfe geleistet worden. Die Zahl der vorgenommenen Verhaftungen wird auf 150 angegeben. A s i e u. * Den! Monatsberichte der ,Alliance ifiaefite universeile" entnehmen wir über die israelitischen Gemeinden der astatischen Türkei einige interessante 'Notizen. In Tircf, etwa 100 Kilom. westlich von Smyrna, wohnen etwa 300 jüdische Familien. Die Gemeinde ist eine der frömmsten. Ein patriarchalisches Familienleben und strengste Sittenreinheit zeichnet dieselbe aus. Die Männer hcirathcn zwischen 13 und 16 Jahren, die Frauen von'12 bis 15 Jahren : man findet Großväter von 29 Jahren. Die Kinder sehen gut und intelligent aus, sie verlassen die Talmnd-Tora in der Rege! vom 10. Jahre, um sich dem Erwerbe zuznwenden. Es giebt keinen einzigen jüdischen Bettler, jeder arbeitet und verdient sein Brod; man begnügt sich mit wenigem, jedoch nian streckt nicht die Hand ans. Es giebt dort zwei Synagogen und zwei Gemeindeschulen, welche von den Mizwothgcldcrn erhalten werden. Die einzigen direkten Gemcindclasten sind diejenigen für den Rabbiner und Schameß; der Schochei erhält die Köpfe der geschlachteten Thiere vom Fleischer als Bezahlung. Die Israeliten sind Weinberg- und Ackerbrsitzer, Handwerter u. s. w. — Weniger günstig liegen die materiellen Verhältnisse in Aidin, wo 2500 israelitische Seelen wohnen. Ach hier widmen sich die Juden den verschiedensten Hanthierungen, aber es giebt eine Anzahl Bettler. Die mangelnde Sicherheit wirkt hindernd auf die Bearbeitung des Bodens. In Nazili wohnen 30 israelitische Familien, als Händler, Hausirer und Handwcrker. Der Rabbiner ist zugleich Ehasan, Lehrer und Schochct. Die Schule zählte 20 Schüler. David Kaller. Von Aastali Limoii. NUe Rechte uovL'cl;altcn. (Fortsetzung.) ״Die Worte des Vorredners erregen um so mehr die gerechte Entrüstung der ganzen Hochschule," ließ sich nunmehr Adolph Burgwald vernehmen, ״als derselbe gleich mir zu den ältesten Angehörigen derselben zählt. Haller hat die dem großen Geiste ihres Direktors entsprungenen herrlichen Schöpfungen iui hrer ersten Ent- Wickelung erstehen sehen; er war gewürdigt worden, aus dem reichlich fließenden Quell zu trinken, bevor noch diese Anstalt in ihrer glänzenden Entfaltung iu's Dasein getreten. Ich blicke im höchsten Erstaunen auf

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