Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1884)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1884-06-26
- Page
- 411 (sequence 2)
- Language
- German
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von 150 J&, den ein VcreinSmitglied zur sofortigen Verwendung übergab, ermöglichte die Beschaffung von Kleidungsstücken für 17 Mädchen- Die Mitglicderzahl beträgt 00; der Betrag der Geschellte 008 dk Mögen den! Vereine die erforderlichen Mittel recht bald zufließen, um seine Absichten entsprechend auszuführen. B. Neustadt (Psalz), 10. Juni. Die Bcrsammiung pfälzischer israelitischer Lehrer, die am 1 2. Juni auf dem hiesigen Schießhanse stattfand, war recht zahlreich besucht. Die Verhandlungen, die zwei Stunden in Anspruch nahmen, gatten dem Thema: Erhaltung und Kräftigung der israelitischen Schule, sowie des jüdischen Lehrerslandes. * Stargardt (Pr.), 15. Juni. Gestern Abend verbreitete sich die Nachricht von einem schweren Berbrechen, welches auf dem Wege nach Abbau Nendorf verübt worden. Aus einer uiedcrgetreteneu Noggenfläche, so wird der ״N. Pr. Ztg." geschrieben, fand mau die Wärterfrau des israelitischen Kirchhofes, Prym, mit durchschnittenem Halse, in einer Blutlache schwimmend, vor. In dem Thäter bezeichnete das neunjährige, an allen Gliedern zitternde Töchterchen der Getödteten einen Knecht des hiesigen Bäckermeisters L. Aus einem Lersteck will dieselbe den Vorgang gesehen haben. Sie war auch die Erste, welche die Nachricht von dem Morde in die Stadt brachte. Der der That Verdächtige, der hier ruhig seinen Geschäften nachging, wurde sofort verhaftet. Es fuhr sofort eine Gerichts-Kommission hinaus, um den Thatbestaud uufzuliehmen. Die Wohn nng der Getödteten fand man in gräulichster Unordnung. Die Leiche der Prym zeigte einen Messerschuitt, der von der linken Schläfe ausgeht, das Ohr fortgcuommeu hat und mit einem tiefen Niß iur Halse endet. Der Verhaftete, welcher anfänglich leugnete, soll inzwischen die That eingestanden haben. Schon im Zimmer hat der Verbrecher Geld von der Frau zu erpressen vcrsucht, ihr schließlich das Portemonnaie entrissen und sich mit demselben entfernt. Als die Beraubte ihm folgte und draußen mit der Anzeige drohte, kehrte er Ln die Stube zurück, ergriff ein Tischmcsser, verfolgte die jetzt fliehende Frau und beging die Blutthat. Danach durchstreifte er den Kirchhof, nach dem Töchterchen der Ermordeten, als der einzigen Zengin, suchend, jedenfalls in der Absicht, sie durch eine zweite Mord that stumm zu machen. Als er daS Kind nicht gleich fand, begab er sich nach der Wohnung der Ermordeten, um dort Beute zu suchen. Oesterreich-Ungarn. B.Wierr, imJuni. Sämmtliche hiesige Zeitungen brachten jüngstens die Erhebung des Bankiers in Bukarest Moses Ritter v. Waldberg in den Freiherrnstand. Diese Nachricht verursachte im Kreise unserer Glaubensgenossen große Freude, da dadurch der Beweis erbracht wurde, daß die kaiserliche Huld, trotz aller antisemitischen Hetzen, dennoch allen Bürgern ohne Unterschied der Konfession leuchtet. Baron von Waldberg ist nun im Laufe von neun Jahren zum vierten Male von Sr. Majestät ausgezeichnet worden: mit dem Franz-Josef Orden, dem Orden der eisernen Krone dritter und zweiter Klasse und nunmehr durch den Freiherrnstcuid, eine Auszeichnung, deren sich nur sieben unserer Glaubensgenossen im gesammten östcrrcichisch.-ttugarischen Staate erstellen. Freiherr von Waldberg nimmt eine hohe soziale Stellung ein und findet trotz seiner vielen Geschäfte als Bankier dennoch Zeit, auf talmudischliterarischem Gebiete thätig zu sein. Sein Werk כך היא דרכה של תורה fand beim seinerzeitigen Erscheinen eine einstimmig günstige Kritik. So sehen wir, daß תורה und כור sich sehr gilt mit einander vertragen können, und daß man ein Mann vou hoher Stellung und dabei religiös sein kann. G. Wien, 20. Juni. Die Armcnsektion deö GemcinderathS hat auf Antrag dc-s Gemcindcmthcö Prätoriuö beschlossen, im allgemeinen israelitischen Taubstummeu-Jnstitute in Wien fünf Zahlplütze auf Kosten der Stadt Wien zu gründen. Prestburg, 17. Juni/') Bezugnehmend auf meinen jüngsten Bericht, thcile ich Ihnen mit, daß der Preßburgcr Schnlinspektor Ncg.-Rath Josef v. Roth vorige Woche, am Sonntag, den 8. d. MtS., die hiesige Jeschiba behusS Jnspizirung besuchte. Er ließ sich vorn Herrn Oberrabbiner, der eben סוגי, גיצוך הכור vortrug, daS Borgetragene iuS Deutsche übersetzen und erklären. Er entfernte sich nach einem halbstündigen Besuche. Prestburg, 18. Juni. Bei der am Freitag den 13. d. MtS., in MatterSdorf stattgehabten Wahlen wurden die Fenster sämmtlichcr jüdischer Bewohner dortsclbst mit Steinen eingcworscn. Anlaß zu dieser antisemitischen Ausschreitung gab, weil die dortigen Inden ihre Stimmen für eine!׳. RcgicrnngSkandidaten abgabcn. Prefzbnrg, 23. Juni. Der Minister Trcsort war gestern hier eiugetroffcu, um zu seinen Wählern zu sprechen. Er legte sein Programm dar und ließ sich über die Juden und ihre Gegner in folgender Weise aus: ״Das Judcnthum ist eine der bedeutendsten welthistorischen Erscheinungen, lieber die Welt zerstreut, übte es, der Zivilisation der Völker entsprechend, aus dieselben eine verschiedenartige Wirkung aus. Born Grundbesitze und vielen anderen BcrufSgattungcn auSgeschlossen, waren die Juden genöthigt, sich ausschließlich mit Handel und Geldgeschäften zu beschäftigen. Als (* Unlieb verspätet.