Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Prag [Nachricht]
- Date
- 1884-06-19
- Page
- 398 (sequence 2)
- Language
- German
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398 macht: 3ntcrcffant ist bic Stellung bei* Silben in Böhmen. Za begreift man den Zorn der Herren bei׳ sich gelegentlich in kräftigen Hep-Hep- Rusen f:inbtl)1n, was selbstverständlich die Sympathie der Juden nicht steigert. Der! konzentrirt sich nämlich da5 Hanptkoiltingent auf bcu Besuch der Anstalten mit l deutscher Voruagssprache, mährend an jenen mit! böhmischer Borlragsspracbe nur wenige Israeliten nur-! kommen. Die Za bl der Israeliten hat sich an den! deulschen Gy m n a si e n B ö h 1 n e n s i n n erhalb cines D e;en niu ms i 713 011ט aus!437, also um mehr alb!00 Prozent! vermehrt, während die Zunahme derselben an den : Gymnasien mit böhmischer Bortragosprachc nur 33 j Prozent beträgt. In den einzelnen Jahren war der; Aulheit der israelitischen Schüler wie folgt: י11 bOlU'cil i.־antn ■vvertua 1'biinuiil) 1373 . 10,5 °6Z׳ 1878 22,7 4,8 ]874 20,7 4,9 1870 23,7 4,4 1873 20,2 4,7 1880 23,0 3,0 187 (i 21,3 5,0 1881 23,6 3,8 1877 22,0 4.6 1 882 24,2 3,0 Diese Vorliebe der Israeliten für deutsche Schulen erstreckt sich bis aus jene einzelnen Städte, in welchen sich sowohl deutsche als böhmische Lehranstalten befinden. §0;. B. waren in Prag an den deutschen Gymnasien unter!321 Schülern 700 Israeliten, an den böhmisch-m unter 2-11 I Schülern nur 21 Israeliten: in Bndwcis an dem deutschen Gymnasium unter 330 Schülern 33 Israeliten, an dem böhmischen unter 430 Schülern nur 1 Israelitc: in Pilsen an dein deutschen Gymnasium unter 5.33 Schülern 223 Israeliten, an dem böhmischen unter 400 Schülern nur 1 Israelitc. Diese Zahlen sprechen und werden den Deutsch- ׳)Nationalen, die sich in neuester Zeit antisemitisch gebeiden, Manches zu denken geben. *II* Pest, 15. Juni. Die Wahlschlacht, welche in Ungarn Heuer geführt wirb, entscheidet auch über die nächste Gestaltung der jüdischen Verhältnisse in politischer Hinsicht. Bio jetzt sind vierzehn ausgesprochene Antisemiten gewählt׳. Emerich Szaly, Bietor Istoezy, Geza Onody, Paul Esuzy, Franz Rath, Sigmund (Sfatar, Franz Komiosy, Ignae; Zimanby, Andor Badnay, Anton Molnar. Julius Berhovay Zdie Namen der 'Anderen sind mir nicht bekannt). Ich versage mir die genaue Schilderung der einzelnen Kämpfe; nur der Rede des -Herrn von Ouody in Nyiregyhaza entnehme ich den folgenden Passus: ״Die Juden haben uns alle schlechten Gesetze gebracht, unter weichen wir leiden; ich bin gegen deren Emanzipation, weil sie, wie die Nvthhäute, Mcnschcnsrcsscr sind!" — Der famose Notar B a r y ist durchgesallen, ebenso i m 0 nyi im Tyrnauer- Komitatc, trotz aller Agitationen. Bezeichnend ist cs für den besseren Sinn der Bevölkerung Nyiregyhaza, das; daselbst, trotz Ouodh's famoser Rede, Karl Szalay, der Vertreter der Frau Lvlymosi. nicht dnrchdringcn konnte. Nuß l and. * Im Juni. Der ״Nusski Iewrej" erzählt fokgendc Geschichte: Am 30. April stahl der L-chnsler D. Ssukotzki das zweijährige Töchterchen des Juden Wassermann — um das Blut des Kindes zu vcrwenden. Eine Zigeunerin hatte dem Schuster versprachen, für dessen kiildertose Frau eine Arznei — aus dem Blute eines kleinen Mädchens zu bereiten. Vergebeus suchten die Eltern nach ihrem verschwundenen Kinde, bis sie zufällig auf der Landstraße einem ihnen bekannten Bauern begegneten, der, ein Nachbar Ssnkotzki'S. ihnen mittheilte, wo dieser wohnte. Wassermann und Frau machten sich zu S. ans den Weg, bei dem sic daun auch, nach genauer Durchsuchung der Wohnung, ihr Kind halb tobt, unter Kissen versteckt, aufsanden. * Warschau, 4. Juni. Bon hier wird den polnischen Blättern Lembergs gemeldet, daß in der letzteren Zeit die Auswanderung der Juden ans LiL-!Hanen und Kongreß-Polen nach Amerika immer größere Dimensionen angenoinmen hat. In den Gouvcrncments ׳ Groduo. Kowno, Pctrokow, Warschau und Vomozyn herrscht unter der jüdischen Bevölkerung eine förmliche Einigratiouswuth. Nicht nur unbemittelte Handwerker-Familien, sondern auch verinögeudc Kaufleutc belheiligeu sich au dieser Bewegung. Ans der Ortschaft Sznwalki allein cmigrirtcn in den letztvcrflossenen Wochen 400 Juden. ..x.. Petersburg,!3. Juni. Wir harren und bangen Die Indenkommission aber läßt sich Zeit und ftnbivt eifrig und gründlich an dem -weitschichtigen Material, welches wahrlich nicht der Genius des 'Rechts und der Liebe in: Lause der Jahrhunderte angehäusl. (Gehört denn so viel Anstrengung und Sammlung dazu, um dem einfachen Gebote der Gerechtigkeit die Ehre zu geben? Sind die Juden Menschen, sind die russischen Hebräer in Rußland geborene und daselbst seßhafte Menschen? Das ist die einzige Frage. Und wenn dieselbe unschwer zu beantworten ist, so ist es auch unschwer, die Konsegueuzcn hieraus zu ziehen, und zu erklären: Es ist eine einfache nicht zurückzuweiscude Pflicht der Gerechtigkeit, die jüdischen Russen ebenso zu behandeln, wie die griechisch-katholischen Russen und sonach alle diejenigen Rechte und Pflichten, nicht minder und nicht mehr, ihnen znzuerkeimcn und aufzuerlcgeu, welche den griechischckatholischeu Russen zustehen und obliegen. Statt aber dieses auszusprechm, — und mit einem solchen Ansspruche würde dem Boruriheil und der Feindschaft mancher Beoölkerungsklasseu gegen die Hebräer einzig und allein wirksant entgegengetreten werden — wird vorsichtig erwogen, ob auch die den