Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1884)
- Article
- Deutschland : Von der Nahe [Nachricht]
- Date
- 1884-06-19
- Page
- 396 (sequence 2)
- Language
- German
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396 הטוי Volksschullehrern in einem Provinzialstädtchen nicht verlangen/' Er drückte mir die Hand und ging. Bo nne dieser wackere Kollege denken Biele, und ich bin wirtlich überzengt, daß der Antisemitismus in dem eigentlichen Kern des Volks wenig Wurzel gefaßt hat. (5s sollte mich sehr freuen, wenn man anch anderwärts ans dem Lande die ähnliche Wahrnehmung machte. .!J2 ׳ll!s Bei dem Empfange, welcher nach dem Einzüge des hohen erbprinzlichen Paares am Montag den tb d. Mts., den Deputationen des Landes geboten worden, fehlten im herzoglichen schlösse in Denan auch die Vertreter der anhaltischen Judenschaft nicht, bestehend in den Herren Rabbiner Di3 .׳. Seifee in Dessau und Prediger Ludwig A. Rosenthal ans .Köthen. Das hohe Paar dankte nach Anhörung der von Herrn Du. Weiße gesprochenen Begrüßnngsworte sichtlieh erfreut für diesen neuen Beweis der Anhänglichteil der jüdischen Anhaltiner und erkundigten sich in huldvollster Weise nach dem Zustande der Gemeinden. Beim Hofballe, welcher am nächsten Abend zu Ehren der hohen Neuvermählten gegeben wurde, waren die bezeichneten Vertreter der Jndenschaft ebenfalls zugegen. Die Regierung unseres Herzogthums ist zu allen Zeilen bemüht gewesen, das Bewußtsein innigen Zusammen- Hangs zwischen sich und den Bürgern, sowie zwischen den verschiedenen Glaubensgenossenschaften zu pflegen. Alle Versuche, diesen Frieden zu stören, sind an ihrem fefu■״ Willen abgeprallr, und wir haben eben bei den jüngsten Feierlichkeiten gesehen, was die eiumüthige Liebe! eines Landes zu seinem Herrscherhause vermag. Möge nur der innere Zusammenhang der jüdischen Gemeinden ein festerer und die jüdische Gesinnung eine stärkere werden. In letzteren Jahren hat sich anch in Anhalt die gesetzestreue "Richtung zu bewußterem Zusammenschlusse erhoben und ist in verschiedenen Gemeinden dem Verfalle ein entschiedenes Halt geboten worden. Es giebt bereits anhaltische Orte über 1 000 ח Einwohn er, in denen der Talmud-Unterricht mit Knaben, in denen der Gottesdienst auch am Wochentage, in denen ein echtjüdischer Jugend-Unterricht keine fremden Erscheinungen mehr sind. Noch vor wenig Jahren war in den größeren Städten unseres Landes daran nicht zu denken. Mslm. Würgburg, 1!.Juni. Ein am Sonntag, den 8. d. Mts., Mittags 1 2 Uhr, verübter Nanbaufall brachte den obern Werngrund in große Aufregung. Der Thatbestand ist kur; folgender: Ein polnischer Jude hatte in Niederweren mir gutem Erfolge Almosen gesammelt, und machte sich ans den Weg, verfehlte aber die Richtung. Da schlossen sich ihm zwei sremde, durch ihre gute Kleidung Vertrauen einflößende Persönlichkciteu an und machten ihm das Anerbieten, ihm den rechten Weg zu zeigen. Sic bogen hieraus in einen Feldweg ein und kamen nach sehr kurzer Zeit an ein Wäldchen. Hier werfen die Strolche ihr Opfer nieder, der eine verstopfte demselben den Mund, und der andere entleerte ihm die Taschen, in denen sich über 30 dt. befunden haben sollen. Einer der Räuber zog nun den Stock — Todtschläger — und rief: . ״Ich will den Inden umbringen." Letzterer aber bat fußfällig so lange, bis man ihm das Leben schenkte. Die Bösewichte ergriffen hierauf die Flucht in den Wald, der Beraubte aber erschien ungefähr 1/4 Stunde später bei der Gendarmerie und erstattete Anzeige. Das sofortige Absuchen des Waldes blieb zwar erfolglos, doch hören wir heute, daß die Thüter bald hierauf im Kurgarten in Klssiiigen, wohin der Telegraph die Kunde gebracht hatte, verhaftet wurden. ||| Nettstettin, 11. Juni. Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß auch die Flater'sche Angelegenheit, dem Vernehmen nach, jetzt endlich glücklich erledigt ist. Der Staatsanwalt halte gegen das freisprechende Unheil des Schöffengerichts Berufung ciugelegt, dieselbe aber jetzt zurückgezogen. :: Bonn, 9. Juni. Es ist traurig, daß das jämmerliche Machwerk des Instus'schen Jndenspiegcls, trotz der überzeugendsten Darlegung des inneren Unwerths und der totalen Unwahrheit seines Inhalts, von angeblichen Sachverständigen als ein auf Autorität Ansprach verdienendes Buch angesehen werden kann. Einem Herrn August Maafe ji׳. hatte eS gefallen, ein Pamphlet in die Welt zu setzen, welches den geschmackvollen Titel: ״Die Ifaakiade oder der ewige Jude des 19. Jahr- Hunderts" führt. Die Staatsanwaltschaft hatte in dieser Schrift das Vergehen der Aufreizung zum Klassenhaß und Beschimpfung einer anerkannten ReligionSgesellschast erblickt und deswegen die Anklage gegen den Verfasser und den Druckereibesitzer Johann Trapp erhoben. Wiederholt war die Verhandlung ansgesetzt worden: endlich aber, am 0. d. Mts., beschäftigic sich die hiesige Strafkammer mit der Angelegenheit. Profeffor Gitdemei st e r war als Sachverständiger geladen und bekundete, daß der Schulchan Arnch die Grundlage des praktischen Indenthums wäre. Die in der iukrimiuirten Schrift enthaltenen Sätze ständen wirklich im Schulchan Arnch, wie auch der Verfasser solche anS dem Judenspiegel deS Dr. Justus entlehnt habe. Der Indenspiegel sei aber ein mit großer Sach-, lenntnife geschriebenes Buch, in welchem der Text des Schulchan Arnch und dessen Kommentare zusammengefaßt sei, und ebenso sei solches in der Ifaakiade der Fall u. s. w. Der Staatsanwalt hielt aber trotzdem die Anklage ans den §§ 131 und 160 deS Strafgesetzbuches aufrecht und beantragte gegen Maaß einen Monat! Gesängniß und gegen Trapp eine Geldstrafe in Höhe von 50 Mark. Der Letztere glaubte sich freilich von