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Jeschurun · 1884-06-19 · Heft 25 (19.6.1884) · p. 393

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 25 (19.6.1884)
Article
Herr von Simonyi zu Wieselburg
Date
1884-06-19
Page
393 (sequence 1)
Language
German
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JE 25. Jcschurtttt. 393 Zerr 001t Sinioiuji!11 Wicklhiirz. Eine Wahlrede. W i ese lb u r g, du Ijodjbcgiuibctcr Ort, ewig wird dein Ruhm erklingen. So lauge deine Donau die Scholle Erde nmspühlt, lvelche deinen glorreichen Namen trägt, selbst nachdem der Zeit alles benagendem Zahn der Zeit auch die Wohnstätten deiner Großen zürn Opfer gefallen, die geweihten Räume, wo da weilten und schafften dein Pfarrer Hornk, bctn Handelsherr Johann Nepomuk Herz, dein — doch wer könnte sic Alle mit Namen nennen, deine Herren und Edclcn? —■ so lange wird man dich rühmen und preisen nicht nur als den ge׳ heiligsten Platz des Mosowher Komitats, sondern des gesmnmten Hungareu- und Slonakenlandcs. Zn dir ist gekommen dein Freund, der Holde deines Herzens, am dritten Tage des JuuiuS in! Jahre eintansenoachthnndertachtzigundoier in der von einem edlen Viergejpann gezogenen Kalesche des großen Lang, und dn Haft ihn empfangen unter den Klängen der Jubel- Hymnen und hast ihm cntgegengejanchzt wie die Braut dem Bräutigam, hast dich geschmückt ihm zu Ehren in feiertäglichstem Gewand und ihn geführt in die Halle deines Tanzheiligthums. Er aber, dein Trauter, Simonyi der Große, der Weise, der Beglücker seines Volts, er hat die Tribüne erllomnicn, und seinem Munde entströmten der Weisheit Reden unb feiner Lippen Rand die Kundgebung seines schönen Herzens. Welch' tiefe Weisheit, welch' reiches Herz! Die Offenbarung Simonyi's am dritten Juni ist das denkwürdigste Ereignis; nicht des neunzehnten Jahrhunderts, sondern der neunzehn Jahrhunderte, — glücklich, wer ihn au diesem Tage, in diesem erhabenen Momente von Angesicht zu Angesicht geschaut, glücklich, wer ein Wieselburger ist, auf welchen ein Strahl von den! großen Lichte gefallen, das heute der Menschheit aufgegangen. Aber glücklich auch, ein Jude zu sein, denn er, der große Simonyi, das Haupt der Antisemiten, er hat sich als Freund der Juden bekannt an diesem Tage zu Wieselburg, der Stadt an der Wieselbttrgcr Donau. Und wie bekannte dieser Edle-diese seine die Jtiden adelnde Freundschaft'? ״Ich, der Antifetnil, der vielgeschmähte Führer im Kampfe, ich bin der Freund der Juden!" Also lautet dieses erhabene BckeunLuiß. Ihr staunt? Ihr zweifelt? So höret denn das Prophctcnwort: kommen wird der Tag der Revolution, schrecklicher noch als die Welt je erlebt, da wird cs über die Juden hereinbrechen das Unheil und Verderben, davor will ich, Simonyi, sie bewahren, — indem ich sie schon jetzt vernichte. Ist das nicht erhaben, edel ltitb groß? Und wißt ihr Inden, was ihr seid, was ihr thut und treibt? Ihr sprecht: nur sind gute und treue Bürger, zahlen regelmäßig Steuern, lieben unsereMitbürger, unterstützen die Bedürftigen, arbeiten mit an des Vaterlands Wohlfahrt.- Verblei,de!e, Thoren, Blinde, die ihr euch selbst nicht kennt; — ich will es euch sagen, ich, Simonyi, der Prophet, der Weise, der Große! Ihr wollet den Bauer und Bürger zum Proletarier machen, ihr wollt die Gesellschaft auslöscn. Ihr wollt euch nicht vernichten lassen, ihr wollt nicht ruhig die Schmähung anhören. Ihr seid die Pest. Ihr haltet es mit der 'Regierung, ihr bewilligt Militärstenern, damit ihr der Negierung alsdann Geld vorschießcn könnt. Ihr freut euch, daß wir nichts taugen. Ihr seid das Scheidcwasser der Geschichte. ״Der Kampf gegen die Indern ist die Hauptsache; Reform, Gesundung, Fortschritt und der Kamps gegen Juden ist eins und dasselbe." ״Ich bin ein Freund der Inden, ein besserer Freund, als ihre eigenen Führer!" ״Der Antisclilitismns ist der Sauerteig, ist die Demokratie, ist das Leben, die Hoffnung, das Licht, der Humanismus, der Fortschritt und die wahre Freiheit!" Also Herr von Simonyi. — Ist daS Tollheit? — Die Wieselburger aber brachen in frenetischen Jubel aus, drängten sich von allen Seiten herzu, um des großen Mannes Hand zu drücken.' Also geschehen am 3. Juni!664 zu Wieselburg. KorresMdeiize!׳. imb Nachrichten. Dentschla n d. -n- Berlin,!3. Juni. Ich muß Ihnen beipflichten, daß Sie meinen Bericht über die Vorhandhingen der hier zusammengelommeueu Rabbiner nicht zum Abdruck brachten. Mit dem Ausschluß der Oesscutlichkcit haben die Herren ihre Unsähigleu doknmentirt, in allgemeinen Angelegenheiten das ösfeutliche Wort zu ergreifen. Hier weiß mau aber doch, was hinter den Kulissen sich abgespielt hat. Die Geschichte des Tages ist um ein Fiasko reicher, :)reden wir nicht mehr darüber. Die Blamage jedoch, die uns diese Herren, die doch immerhin den Rabbinertitel führen und deshalb in den Augen unserer christlichen Mitbürger Vertrete!־ des Judenlhums in Deutschland sind, bereitet, haben Uhu mitzutrageu. Wir müssen cs uns auch gcfallen lassen, daß sie uns ferner kompromirtircn, so lauge wir es dulden, daß sich Männer als jüdische Rabbiner gcrircn, die zum Theil Lehren des Judeuthums in Wort, Schrift und That verleugnen. Es ist eine bittere,

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