Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-06-12 · Heft 24 (12.6.1884) · p. 382

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 24 (12.6.1884)
Article
[Rezension]
Date
1884-06-12
Page
382 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933073--15891-2957439
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

382 kommen kann." Er bezieht diese Erklärung auch namcnt-!ich aus das in dieser Hinsicht erst jüngst angcschuldigle Werk Sohar, sowie aus das Sescr Halickulim. ״Lolche wenn auch noch so bestimmt ausgesprochene Anschuldiguugeu beruhen vor Allem auf dem Vtangcl philologischer Akribie," fährt cr fort und schließt: ״dies ist meine wissenschaftliche und moralische Ucbcrzeugwng. der ich vor jedem Gerichtshöfe Ausdruck zu geben bereit diu, wenn ich gefragt werden sollte." Er führt sodann aus, wie eine olsgcofsenbart geltende Religion, deren Tradition, תורה *בעל פה, dieselbe göttliehe Autorität für sich hat, wie das niedergcschriebcue Gesetz, תורה *בכתב, na mein!ich bei der peinlichen Skrupulosität der Juden, unmöglich in Kannibalismus ausarten kann. Das Judcnthum, ״die Mutterrciigion des Ehristenrhums", wäre aber in der Thal kaum etwas anderes, als eine Mörderreligion, wenn dessen Angehörige zu irgend einem rituellen Zwecke, wie zur Bereitung der Oflcrbrotc und zur Mischung in Osterwein, Menschen, insbesondere Ehrislen, schlachteten, um deren Blut zu benutzen. Wäre dem aber wirklich so, so entständen viele schwierige Fragen. Es müßten alsdann um die Osterzcit viel mehr Ehristen verschwinden, als cS der Fall ist; wie singe man cs an, gerade zur Osterzcit so viele Christen in seine Gewalt zu bekonimcn; wie beseitigte man deren Leichen 11. סו.ן. n. s. w. Man könnte vielleicht sagen, nicht alle, sondern nur die fanatisch orthodoxen Juden halten diesen Brauch. Diese aber sind doch ganz besonders blutschen. Sie genießen kein aus Fleisch geschnittenes Brot wegen dcS in letzteres cingedrnngenon Bluts, kein Ei, in welchem sich ein Blutstropfen findet, ja keinen Brotbisscn, an dem Blut von den Zähnen anklebt. Wo haben sie bis jetzt ihren Ehristeublutbcdars hei bezogen'? u. s. w. u. s. w. ״Bedauernswerthe Menschheit!" ruft er aus; ״so weit ist'S mit deiner Aufklärung — leben wir denn wirklich im neunzehnten JahrhundertV* Wann aber sollte dieser ekle Brauch ansgekommeu sein? — Wann wurde die gräßliche Anschuldigung, daß die Juden Ehristeublut brauchen, laut? Papst Jnnoecnz IV. zeiht die Juden in einer Bulle vom Jahre 1244 aller möglichen Unthatcn — von einer Blutbeschuldigung aber weiß cr nichts. Das Ober- Haupt der Christenheit anno 1244 war im finstersten Mittelalter also gerechter gegen die Juden, als das aus sein Licht pochende neunzehnte Jahrhundert! Auf den Ein wand, daß der Vorwurf, wenn er unbegründet wäre, nicht erhoben werden könnte, erinnert cr an die Geschichte seiner Glaubensgenossen, der ersten Ehristen, die unter derselben Anschuldigung zu leiden hatten, und von betten and) M. MinueiuS Felix im Jahre 200 schrieb: ״wenn nicht Wahrheit dahinter wäre, würde wohl die scharfsichtige Fama von diesen Leu len (den Ehristen) nicht so Schändliches erzählen." Wem! die Sache nicht zu ernst wäre, dam! wäre man fast versucht, diese aus leeren Wahn beruhende Anschuldigung ״für einen Aprilscherz" zu uchuieu ״und die Kolporteure dieses Ammenmärchens für lose -Spaßvögcl halten." Sollten sich aber in irgend einer unbekannte!! jüdi׳- scheu Schrift Andeutungen davon finden. so hätten die Inden und das Jndcnlhum ebenso wenig damit irgend etwas zu schassen, wie das Ehristcnlhnm z. B. mit den von Johannes Scheer in seinem Buche: ״Die Gekreuzigten oder das Passionsspiel von Wildisbnch" geschilderten Gräuel. Dergleichen Dinge gehen die Irrenärzte an." Die treffliche Schrift verdient die allerwcitcste Verbreitnng, um zur Verwirklichung des Wunsches ihres Verfassers mitzuwirken, daß die Wahrheit, ״diese echte GoltcStochter, aller Derjenigen sich erbarmen möge, welche trotz der -Helle dcS neunzehnten Jahrhunderts in der Finslerniß des BorurtheilS hcrumtappen, daniit sie endlich erkennen, daß die Juden keine Kannibalen sind, sondern Menschen!vie die Ehristen, nicht ohne Fehler, aber auch nicht ohne Tugenden, und insbesondere die jüdischen Mitbürger Angehörige eines und desselben Staates, denselben Gesetzen gehorsam, dieselben Bürgerpflichten erfüllend, gebend den! .Kaiser, was dcS Kaisers, und Gott,!vaS Gottes ist." David Kaller. Boa Aastnli Simon. 'Mc :UcdiU' i'orlu’haln'11. (Fortsetzung.) In erregtester Stimmung hatten sich die jännntlichen Stndircuvcn der Hochschule in der Aula zusammengcsnndcn, um über die zu erlassende öffentliche Kundgebung zu debattircu. Außer ihnen waren auch viele ihrer Freunde und ein Thcil des Lehrerkollegiums erschienen, um dieser voraussichtlich erhebenden und interessanten Verhandlung als Zuhörer anznwohnen. Schon am Morgen waren auf Veranlassung eines der Dozenten einige ältere Hochschülcr zusammcngctrcten und hatten einen Entwurf ausgcarbcitct, welcher die Grundläge der Berathung bilden sollte. Als David in die Versammlung eintrat, herrschte! ein turnultuarischcs Treiben in dein weiten Üuunne.! Die jungen Leute und die sonstigen Anwesenden standen j in Gruppen beisammen und erhitzten sich über den - Gegenstand der demnächstigen Diskussion. Die Jüng-; linge dunklen sich von einer ganz besonderen Wichtig- - keit und gcbchrdctcn sich in einer Weise, als ob daS

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.