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Jeschurun · 1884-06-12 · Heft 24 (12.6.1884) · p. 381

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 24 (12.6.1884)
Article
Rumänien : Bukarest [Nachricht]
Date
1884-06-12
Page
381 (sequence 2)
Language
German
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381 anderes erwarten, als eine Massenanswandernng der armen Bedrängten, und da dürften die europäischen Staaten, und zwar znnäcbst Oesterreich, ficli weht die Frage verlegen, ob sie ein solchem Gebahren, welches sie durch die Zuführung vieler elender Emigranten auch selbst materiell nahe angeht, stillschweigend zu dulden gewillt sein sollen, abgesehen von der anderen Frage, ob ein Staat, der also in kurzsichtiger Vevblendung gegen seine Angehörigen verfährt, als ein zivilisirtcr und ebenbürtiger zu betrachten wäre? Amerika. A. New-I)or k, 15. Mai. Oft werden Crcignissc, die an und für sich keineswegs sich als außergewöhnliche kennzeichnen, zu dein Ansgangspnnlte Liesgehender Bewegungen. Das ״trcfenc" Bankett, welches im vergangenen Jahre zur Feier der Rabbiiierweihc des Hebrew Union College in Cincinnati den Rabbinern uitb Dclegirtcn der jüdischen Gemeinden servirl und von diesen mit Behagen angenommen wurde, scheint ein solches Ereignis zu sein. Obgleich es eben nichts Außergewöhnliches ist, Rabbiner hierzulande bei einem unerlaubten Mahle zu sehen, so hat doch die eklatante Gesctzcsverletznng bei einer solchen Gelegenheit Manchem die Angen gcössnet über das Treiben vieler unserer Reverends und die Ziele des amerikanischen Rabbinerscminars. Die jüdischen Zeitungen sind noch immer mit der Verarbeitung des dadurch gelieferten Stoffes beschäftigt. Der Direktor des Scminars, Di׳. Wise, >veleher ehedem seine wahre Meinung und Absicht zu offenbaren noch immer einigen Ausland nahm, tritt immer dreister ans und unternimmt cs, die biblischen Spciscvcrbotc als nicht verbindlich gesetzlich nachzmveiseu, ivährcnd Andere der amerikanischen Jndcnhcit znrufen, lieh von Wise und seiner Rabbiner-Anstalt loszusagen. Möge diese Bewegung zu dem glücklichen Resultate führen, daß endlich auch von den gebildeten amerikanisehen Inden anerkannt wird, welche Täuschung an dem heiligsten von den zu Hütern und Lehrern des Gesetzes Bestellten geübt worden ist, und möge der arge Schwindel von der Gründung eines eigenen amerikanischen Judenthnms vor der Oefscutlichkeit gebrandmarkl werden. Inzwischen haben die sogenannten Professoren dcö Seminars: Wise, Cppingcr und Miclzincr einen neuen ״Rabbi" gemacht und thnn dieses hochwichtige Ereignis; dcr Welt durch die folgende moderne התחת הוראה kund: ״Durch dieses Diplom geben mir, die Unterzeichneten, 'Rabbis, allen Gemeinden und Personen in Israel kund, daß der Besitzer Dieses, Rev. Ignatz Müller, gegenwärtig Lehrer des Talmuds und der Bibel an dem hcbrcw Union College, nntadelhast religiösen und sittlichen Karakters, nachdem er sich seit!einer Kindheit bis zu diesem Augenblicke mit biblischer und rabblnischcr Wissenschaft unter Leitung ansgezcichncter Lehrer beschäftigt hat, besonders an der Hochschule für die Wissenschaft des Judenlhums in Berlin, und den dazu gehörigen profanen Studien an dem Gymnasium und der Universität, und uns gezeigt hat: Bortrcfftichkeil des Karakters und ausgezeichneten Fortschritt in einem Lehrer in Israel nöthigcn Gelehrsamkeit, Logik und Veredtsamkcit, so crthcilcn wir hiermit und hierdurch dem genannten Rev. Ignatz Müller die Würde eines Rabbi, und er soll hinsnro genannt werden in Israel ״Rabbi Ignatz Müller" und berechtigt sein, alle Rabbinatsfunktionen ansznüben in jeder und allen Gemeinden Israels." — Was sagen Sic in Europa zu dieser Nabbinatswcihc der Wise und Konsorten?? Brauche» die Inden Christcnblut? Cin offene« S011 au denkende Christen von I)r. Alois M ü llcr, K. K. Univcrsiläts-Bibkiolhckar in Graz. Wien, Oskar F rank. 1884. ״Im Interesse der Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit vcrössentliche ich als Glied der katholischen Kirche, der ich seit meiner Geburt angchöre, ohne jeden Rückhalt im Herzen, unter Berufung ans Ehre, Ge-׳ wissen und alles, was mir lieb, wcrth und tHeuer ist, Folgendes" — mit diesen feierlichen Worten leitet der Herr Bersasser seine höchst verdienstvolle Schrift ein. Ist es nicht traurig und beschämend für unsere Zeit, daß es nichts weniger als überflüssig erscheint, den Blutdurst der Inden vor der Oefscutlichkeit als ein Wahngcbilde nachzuwcism, und das; Derjenige, welcher diesen Nachweis führen null, sich nicht ohne Grund genöthigt sieht, durch eine so förmliche und feierliche Erklärung seine Ausführungen vor dem Vorwürfe der Parleilichteir und der Unglaubwürdigkcit zu bewahren? Herr I)r. Müller weist autcntisch nach, daß sowohl biblische nnc talmudische Vorschrift und in der Gegenwart bei den Juden herrschender Brauch, jeden Blutgennß von Warmblütern strengstens verpönen, und daß das Verbot der Menschentötung cin absolutes ist, so daß den Israeliten im Falle der Lebens״ gefahr zwar die Uebcrtrelung aller Gesetzesbeslimmungen gestattet, jedoch Blutvergießen im Vereine mit Götzendienst und Blutschande hiervon ausgeschlossen ist. Es crgiebt sich ihm deshalb ״klar und dentlich p»jr condtisiojicm a ininori ad iiiajus, daß in keiner religionSgesetzlichen oder auch nur in religiösem Ansehen stehenden nachbiblischen Schrift der Inden, von wem, wo und zu welcher Zeit immer sie auch verfaßt worden sein mag oder erst verfaßt werden wird, weder offen noch versteckt, irgend welche Aufforderung gar zu rituellem (!) Morde oder auch nur eine Gutheißung dessclben vor-

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