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Jeschurun · 1884-06-12 · Heft 24 (12.6.1884) · p. 379

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 24 (12.6.1884)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M., 10. Juni [Nachricht]
Date
1884-06-12
Page
379 (sequence 2)
Language
German
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379 dort cingcfimbcu. Nachdem sich die Kinder an der Bcwirthuug trefflich vergnügt hatten, tummelten sie sich nach Herzenslust herum. In heiterster Stimmung wurde der Rückweg angetreten, der ebenso wie der Abmarsch in schönster Ordnung erfolgte. Da die Kosten den ausgcsetzten Betrag bei Weitem nicht erreichten, so wurde der Ueberschuß, ans Wunsch des Festgebers, zur Anschaffung von Schnlutcnsilicn für unbemittelte Schüler bestimmt. Ich kann es nur nicht versagen, immer wieder, wenn auch vielleicht weniger bedeutungsvolle Züge edeldcukender Menschen zu schildern, die ihre ganze Freude darin finden, ihren Mitmenschen solche zu vcrschassen. -k- Köln, Jnni. Die ״Kölnische Zeitung" enthält das folgende Telegramm: ״Kalkutta, 6. Juni. Der russische Jude Isaak Balaban, welcher mit seinen Familienangehörigen jüngst auf der Reise nach dem Norden hier ankam, wurde als Spion unter polizeiliche Uebcrwachung gestellt. Bei der Ankunft in Lahore wurde Balaban und seine Familienangehörigen angchalten, verhaftet und nach Kurrah abgeführt." — Warum übrigens ״der russische Jude", würde ״der russische Unterthan" nicht auch genügt haben? Was hat der ״Jude" dcnnit zu schassen? — In Kalkutta sreilich nicht, wohl aber desto mehr in der rheinischen und anderen Metropole. W. Aus der Provinz Posen, 0. Mai. Es dürste von allgemeinem Interesse sein, daß kürzlich in einem Falle auf ergriffenen Rekurs des Herrn Kultus- Ministers in Betreff der Dispensation jüdischer Kinder von dem Besuche der Volksschulen an Sonnabenden und jüdischen Feiertagen Folgendes reskribirt hat: ״Da die Schulverwaltung die Bestimmung getroffen hat, daß den Anträgen jüdischer Elten! auf Dispensation ihrer Söhne vom Sonnabend-Unterrichte an höheren Lehranstalten entsprochen werde, und dabei keinen Unterschied macht, ob die in Frage konuncnden Schüler noch dem schulpflichtigen Alter augchöreu oder nicht, so fehlt es an einem ausreichenden Grunde, die Anträge jüdischer Eltern der Bvlksschüler weniger Berücksichrigung in dieser Beziehung finden zu lassen. Selbstverständlich kann die Schule keinerlei Verantwortung für die ans derartigen Schnlvcrsäumnissen für die betreffenden Schulkinder entstehenden Folgen übernehmen. Hl Ncustettiii, 5. Juni. Die Sommersession des Köslincr Schwurgerichtshoses wird sich mit den hiesigen Judcn-Epzcssen zu beschäftigen haben. Den der Theiluahme an denselben Bezichtigten ist bereits die Anklageschrift zngcsiellt worden. Fünf Personen werden sich wegen Landesfricdcnsbruchs zu verantworten haben. * Ttolp, 5. Juni. Die ״Stolp. Post"!neldet: ״Wegen Theiluahme an den Ncnstettiner Unruhen im März d. I. ist auch der hiesige Handelsmann Albert Ludwig Wilhcm Ra atz verhaftet und an das Zentral- Gesängniß zu Köslin abgeliesert worden." O e st e r r e i ch - U n g a r n. *||* Pe^t, 8. Juni. Die Wahlen versetzen das Land in große Aufregung. Aus vielen Ortschaften und Städten werden Unruhen gemeldet, welche thcilwcise einen antisemitischen Anstrich haben. Ein hiesiges Blatt glaubte die judenscindlichc Stimmung durch das'Märchen zu verschärfen, daß die Inden die Kleinigkeit von zwei Millionen Gulden znsaminengebracht hätten, um für ihnen freundliche Abgeordnete erfolgreich wirken zu können. G. Wien, 8. Juni. Der unermüdliche antisemitische Führer, Ritter v. Schönerer, schläft und schlummert nicht. Trotz seines Mißerfolges bei der verunglückten Kandidatur seines Busenfreundes Pattai wirft er die Flinte nicht ins Korn, sondern strebt unverdrossen weiter zu Ehren des heiligen antisemitischen Geistes. Vom 1. Oktober d. I. an wird ein neues Journal die Welt unter seinen Auspizien beglücken und dadurch einem ״dringenden Bedürfniß" AbhiUfc schassen. ~ Wien, Juni. Das Israelitische Blinden- Institut auf der Hohen Warte bei Wien hat seinen Bericht für die Jahre l881, 1882 und 1888 erstattet. Demselben entnehmen wir, daß während dieses ZeitranmS 35 männliche und 10 weibliche Zöglinge in der Anstalt untergebracht waren und augenblicklich 30 männliche und 7 weibliche in derselben weilen im Alter von 8 bis 10 Jahren. Nach ihrer Hcimath verthcilen sie sich auf: Galizien 13, Ungarn 9, Böhmen 4, Mähren 4, :Rußland 2, Wien 2, Kroatien 1. Slawonien 1, Bukowina I, München 1, Frankfurt a. M. 2. Das Lehrcrpersonal besteht aus 8 Lehrern und l Lehrerin. Das Dienstpersonal setzt sich aus 0 Personen zusammen. Die gcsanuntcn Kosten für Verpflegung und Unterricht eines Zöglings stellten sich im Jahre 1861 auf fl. 188,20״, im Jahre 1882 auf fl. 490,20, im Jahre 1883 auf fl. 504,40, wobei der Reinertrag der Anstaltswerlstüttc mit fl. 414,40 pro 1881, fl. 776,70 pro 1862, fl. 444,39 pro 1863 in Abrcchnnng gebracht ist. Die Anstalt hat einen Fond von etwa fl. 200000 — und einen Unterstütznngsfond für anstrctende Zöglinge von sl. 27727,03.. Aus den! Berichte ist ersichtlich, daß die Zöglinge sehr sorgfältig und gut verpflegt werden und in Religion, biblische Geschichte, hebräisch Lesen und Uebcrfctzcn, deutsche Sprache bis zun! schriftlichen Gedaukenausdrnckc, Rechnen, geometrische Fornicnlchre, Natnrwissenschast, Geographie, Geschichte, Zeichnen, Modelliren, sowie in Musik und geeigneten Handwerken, als Korb- und Stnhlflechtcu, Bürstenmachcn und weiblichen Handarbeiten unterrichtet und ausgebildet werden.

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