Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1884)
- Article
- Das Schulgebäude der israelit. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. : unter dem Gesichtspunkte der Hygiene
- Date
- 1884-06-12
- Page
- 374 (sequence 1)
- Language
- German
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374 Diis Stljiiljjfliiiiittf dkl ifnidit. ilcliijioiiö־ gcfrllfdjaft 11ן Xraiiltfurt 11. ill unter dem (Gesichtspunkte der Hygieine. In dem Frankfurter ״Stadtanzeiger" werden sümmtliche Schulbauicn der Sladt rtvanffiirt in Bezug der Gcsnndheitspslege eingehend besprochen. Uebcr ba<?> Schul gcbän de der israelitischen Rcligionsgesellschast heißt cs in dieser Abhandlung solgendci!näßen: ״Eröffnet wurde die Schule im Neubau am zoologischen Garten den 21. Dezember 1881. Sic ist mnsicrgültigeS Bor» bild der ucnesten Schulhygicine. Man kann den Ban nicht besser laralterisiren als mit den Worten des Herrn Direktor Di׳. Hirsch: ״in diesem ganzen Hause ist keine dunkle Ecke", welche er dem Verfasser beim Durchgang gesprächsweise mitthciltc. — UcbcraU solide Einfachheit bei gediegenem Geschmack der Ausstattung, überall Vnjt 1111b Vidjt, eine Fülle von Raum, ohne dag man das Gefühl nutzloser Itaumverschweiidirng .hat. — DaS Gebände besteht im Wesentlichen ans zwei Flügeln, einem mit der Fa<-adc nach Osten an der Thicrgartenslraße liegenden, einem senkrecht an diesen stoßenden, welcher mit den Klassenzimmern Front nach Lüden macht. An den letzteren ist die geränmige, zugleich als Aula dienende Turnhalle gebaut. — Der Westflügel dient als Mädchenschule, im Ostbau sind Knaben. Der Saal für den uaturhistorischen Unterricht, der Sing- und Zcichncnsaal werden gemcinsam benutzt, in: Ucbrigeu ist absolute Trennung dnrchgesührt. Der geräumige, mit Platanen bepflanzte Spielplatz der Mädchen liegt nach Süden, der für die Knaben nach Norden. Beide haben elastischen trockenen Untergrund. — DaS Raumverhältniß der Stuben ist für jedes Zimmer nach einer bestimmten, -1r> nicht übersteigenden Zahl von Schülern berechnet, alle Zimmer sind hoch und luftig. — Im ganzen Bau ist auf möglichste Fencrslcherhcit Rücksicht genominen, steinerne schöne Treppen führen durch alle Stockwerke. — Thuren und Vamperieu sind in Eichen- Holz-Farbe gehalten, die Wände haben einen hierzu harmonireudcn Hellen Anstrich. — Die Reinlichkeit der äußeren Umgebung und des ganzen HanscS, dessen Nänmc der Verfasser durchwanderte, ist ein beredtes Zcugniß für die Sorgfalt, welche ans die Erhaltung des Ganzen in seiner Vollkommenheit verwandt ivird. — Bezüglich der Erleuchtung ist das Prinzip, daß alle Klassenzimmer nach Osten und Süden liegen sollen, durchgeführt. In keiner der hiesigen Schulen sind so hohe und breite Fenster, die Zwischenpfcilcr sind so schmal, daß sozusagen die ganze Lichtwand von GlaS ist. Trotzdem ist durch eine sehr praktische, ausstellbare Margnise in vollendeter Weise für Schutz gegen grelles Sonnenlicht gesorgt, ohne daß der Zutritt frischer Lust bei offenem Fenster gehindert ist. — Die Erwärmung in der kalten Jahreszeit geschieht durch Zentralheizung. Das System, gemischte ^nft־ imb Wasscrheizung, arbeitet jetzt vorzüglich, nachdem die erste, nicht so gute Anlage verändert wurde. In einigen Zimmern hat man mit Absicht die während der Umarbeitung der Heizanlagen ausgestellten gußeisernen Füllofen stehen lassen, da sie den Raum nicht beengen und eventuell vielleicht wieder einmal gebraucht werden. — Gegenwärtig werden von einem Zimmer ans Versuche mit einem elektrischen Thermographen gemacht; bewährt sich das Shstem, so wird der Heizer von seinem Ofen aus durch einen Fingcrdrnck ans einen Knopf jede Sekunde in der Lage sein, den jeweiligen Temperatur-Grad cincS jeden Zimmers zu kontrolircn. — Wir fanden in allen Klassenzimmern, welche wir an einem heißen Sommertage besuchten, durchweg die Luft rein und die Temperatur zwischen 15 und 18 Grad EclsinS. Mit der Heizung steht, wie überall, das Veuülationssystcm in direkter und ergänzender Verbindung. — Alle Silbsellien sind nach den neuesten Prinzipien, zweisitzig, für jedes Zimmer nach drei Größenverhältuissen. Im Saal für den naturhistorischen Unterricht hat Herr Direktor Di׳. Hirsch durch möglichste Beschräutung der Breite der Tischplatten cS ermöglicht, daß selbst die am weitesten zurück sitzenden Schüler bequem jeden einzelnen Gegenstand, welchen der Vcljm* von seinem Tische anö zeigt, .sehen können. — Die Aborte liegen in einem Anbau am Hause, sind durch doppelte Thürcn von den Korridoren geschieden und doch bequem und vor WittcrnngScinflüssen geschützt zugänglich. Ihre Einrichtung, sowie die der damit verbundenen Pissoirs ist solid, bequem und mit vorzüglicher Spülung versehen. Wir fanden dieselben absolut geruchlos. — Trink- und Waschapparate sind in handlicher Weise aus den Korridoren und im luftigen und Hellen Treppen Hanse angebracht. In jedem Stockwerke sind einige Hydranten. — Eigene Garderoben gicbt cs nicht. Die Kleider hängen in den .Klassenzimmern. Neu und im höchsten Grade zweckmäßig ist das in dieser Schule cingeführtc System der Haken für Hüte und Kleider. In dem ebcnsatts durchweg Hellen und sauberen Kellergeschoß ist die Anlage eines LaboralorinmS vorgesehen. Auch kann, falls cS dereinst daS Bedürsniß erheischen sollte, mit ganz geringen baulichen Veränderungen die Wohnung deS Direktors in Klassenzimmcr verwandelt werden. Man kann nur jedem Kinde Glück wünschen, das in solchen Räumen und unter solchen Verhältnissen seine Schulzeit verbringen darf.