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Jeschurun · 1884-05-29 · Heft 22 (29.5.1884) · p. 350

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 22 (29.5.1884)
Article
Amerika [Nachricht]
Date
1884-05-29
Page
350 (sequence 2)
Language
German
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350 Rabbiner-Seminar in Gincinitnti (Rabbitt!eal.׳Eollcge) - untersteht leider einer Leitung, welche im bcftriiftiuftcn! Zinne wirkt. Die Thalsache des vielbesprochene!׳, trcfenen Mahles zur Feier der ersten Entlassung! Ztudirendcn an derselben als Rabbiner im vergangenen Jahre, hat selbst hier zu Landenicht verfehlt, Aufsehen : zu erregen, obgleich wir in dieser Beziehung ziemlich; abgehärtete Nerven besitzen. Die Anstalt zu Eineinnati; ist aber die einzige ihrer Art in Amerika, und es steht ■ zu befürchten, das; nach und nach den ans derselben : hervorgehenden Reverends die Nabbinatsstellen in den Gemeinden des Landes vorwiegend Zufällen werden. Der allerdings nicht große Fond an echtjüdischem Geiste, welcher noch vorhanden ist, wird demgemäß ein immer geringerer werden, und es kann das geträumte Ideal der Äise und Genossen von einem amerikanischen Indenthum in seiner schrecklichen Gestalt zur Thalsache werden. Dem gegenüber gicbt es nur eine;Rettung und zwar die Errichtung einer wirklich jüdischen Rabbiucrschnlc. Ob!vir hier die geeigneten Männer besitzen, um den Geist des echten Indcnthums und einer wahren jüdischen und allgemeinen Wissenschaftlichkeit zu pflegen, mag ztveifelhaft sein. Es sollten aber alle Diejenigen, welchen das heilige Gottesgcsctz und die Erhaltung des Iudenthnms ans amerikanischem Boden nicht gleichgültig ist, zur Gründung einer solchen Rabbinerschule znsammentrcten, und sie sollte!! nicht ruhen und rasten bis es gelingt, das Werk zu beginnen. Dem ernsten Streben kann cs nicht schien, endlich das Ziel zu erreichen und auch den Manu zu finden, in dessen Hand die Ausführung des Werks vertrauensvoll gelegt werden kann. — Ich spreche hiermit augenblicklich nur einen frommen Wunsch aus; vielleicht begegnet er Gleichgesinnten, — vielleicht. — Ich {online auf diesen Gegenstand demnächst wieder zurück. David Kaller. Bon Naslali ^imon. ׳.'Ule :'!edne 101י Lci eilten. ״Warum so nachdcnkcnd, Enklides der Gegenwart?" ertönte cs neben ihm. ״Ich habe gestern bei meiner Heimkehr von einer Reise von dem Ruhme, der meines Vetters Namen umstrahlt, vernommen, und kann cs mir doch nicht versagen, auf dem Wege zum Barreau einen Augenblick hercinzutreten, um meinen Glückwunsch abzustattcn. Zie mögen die herzliche Theilnähme aus dem Umstande entnehmen, daß ich das -HauS Ihres LchwagerS seit Jahren zum ersten Male wieder betrete, um Zie ansznsuchen. Ich habe mich wirklich innig gefreut, lieber David." David ergriff die ihm dargebotcnc Rcckste und dankte ׳Marlow für seine Freundlichkeit. Dieser aber fuhr fort: ״Ich habe Zie mir aber doch in einer gehobencrcu freudigeren Stimmung gedacht. Wenn man den Erfolg emsigen Ztrebens- und eifriger Anstrengung einheimst, so darf man mit etwas Zelbstgesüht und Befriedigung aus sich selbst hiusehaueu und für einen Augenblick die Arbeit unterbrechen, um sich seines eigenen Wenhs zu srmeu. Man darf auch ans sich stolz sein." David aber blickte stumm zu Boden und ein Seufzer entwand sich seiner Brust. Marlow hatte ihn anS trübem Nächst!men geweckt. Wie glücklich halte er sich gefühlt, wenn cs ihm vergönnt gewesen, die Antwort auf andere Fragen zu finden, welche ihm näher standen! als malhennttische Probleme! Warum tauchten in j diesem Augenblicke die. Qualen des Zlveifels in mächtigerer j Gestalt vor ihm auf? Er hatte sieh doch auchmit ' der ihm zu Theil gewordenen Anerkennung gefreut und : sich so glücklich gefühlt — La mußte die Skizze in der ' jüdisch-theologischen Zeitschrift ihn ans seinem-Himmel; in die trostlose Wirklichkeit hinabstürzcn. Er verspürte i einen Widerwillen gegen das salschc Gebühren, gegen! die eitle Selbstbespicgelnng, die sieh nicht scheute, sich j mit fremden Federn zu schmücken und wider besseres : Wissen sich fremde Verdienste zu vindizircn. Er befand j sich in der Laune, der Hochschule gänzlich den Rücken '! zu kehren und gegen das ihm von dieser Seite ge-! spendete Lob öffentlich zu prötestiren! Marlow schien ans dem Grunde seiner Seele ges lesen zu haben, als er das Schweigen brach. ״Wenn ■ Sie ans meinen Nalh hören wollten, so sollten Sic; sich unge!heilt der Mathematik widmen. Wer ans einem i Gebiete etwas -Hervorragendes zu leisten vermag, der! ist für dieses Gebiet bestimmt und sollte den ersten ׳ durchschlagenden Erfolg als einen Fingerzeig betrachten,! in welcher Richtung das Ziel seines Ztrebens und; Wirkens liegt. Dem Menschcngeist und der Menschen-! kraft sind doch Grenzen gesteckt. Es kann Niemand,! und wäre er der Beanlagste 1111b Stärkste, zweien Herren > dienen; und die mathematische Wissenschaft ist eine ׳ strenge und eifersüchtige Herrin; sie vor Allem verlangt! die unbedingteste mib ungctheilte Hingebung ihrer Jünger. Sie läßt sich nur von Denen beherrschen, die ihr die! volle Treue enlgegentragen."! ״Sie mögen recht haben," entgegncte David; ״ich habe Achnliches gefühlt und Achnlichcs erfahren, und ■ deshalb ist mein Inneres zerrissen. Ich gewahre den! Zwiespalt immer Seele. Ich weiß mich aber zu schwach,! ihn zu überwinden, und darum bin ich unsäglich un- ׳ glücklich."! Dieses Geständniß war David unwillkürlich entj schlüpft; und in demselben Augenblicke, wo er es ansge-! sprachen, bereute er, sich Marlow entdeckt zu haben, s Halle denn Marlow ein Verständnis; für die ihn bc-

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