Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Preßburg, den 18. Mai [Nachricht]
- Date
- 1884-05-29
- Page
- 348 (sequence 2)
- Language
- German
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348 — Dic >öörcr5al)l an der hiesigen Zcschiba für das Sommcrsemcster beträgt 285. Wie ich eben vernehme, wird der hiesige k. Schnlinspektor, der seiner Zeit vom Kultus- und Unterrichtsminister;um Ministerialrath für die diesige Jeschiba ernannt wurde, dieselbe mit seinem Besuche Ende dieses Monates oder in der ersten Hälsre des nächsten Monates beehren, um selbe zu inspizircn, worüber ich Ihnen seiner Zeit Bericht crtheilen werde. A. Prcsrburg, 25. Mai. Gestern Vormittag fand die Verhandlung wider Herrn Di׳. Nendvich wegen eines im ״Westungar. Grenzbotcn" am 2l). Dezember v. I. erschienenen Artikels ״Di׳. Nendvich und das Schächtcrblatt ,Pcstcr Lloyd"' statt. Zn diesem Artikel wurde in dem du ch den Titel genügend gckennzeichncten und dem ״Westungar. Grcnzboten" eigenthümlichen antisemitischen Sinne gegen Gegner des Antisemitismus Front gemacht. Die Staatsanwaltschast glaubte gegen diese Art publizistischer Thätigkcit einschreiten zu sollen und erhob gegen den Verfasser die Anklage. Dieselbe wurde von dem Staatsanwalt von Zsilvay persönlich vertreten. Di׳. Nendvich hatte seinen Freund und Gesinnungsgenossen Herrn Di׳. Rüc; ans Budapest zur Vcrtheidignng hcrbcigernsen, welcher den Herren Geschworenen einige antisemitische Artikel zur Abwechslung anstatt schriftlich mündlich vortrug. Denn hierin bestand im Wesentlichen seine seichte VerthcidigungSrcdc, welche in! schreienden Gegensatz zu der in klassischer Nnhc und mit überzeugender juristischer Schärfe begründeten Anklage durch Herrn von Zsilvay stand. Dennoch aber verfehlte sie nicht ihres Eindrucks ans dic Geschworenen, welche ein Verdikt auf Nichtschnldig abgaben. Frankreich. *** Paris, 21׳'. Mai. Dic Zeitung ״Git BlaS", welche, wie Ihr >V-Korrcsoondent mittheilte, von einem schweren Ansalle des Antisemitismus heimgesncht war. ist doch nicht, wie man anfangs vermnthete. dank der Gunst eines hocharistokratischcn Leserkreises und vorzüglicher literarischer Kräfte, die sie besitzt, eingegangen. Freilich bringt dic judenfeindlichc Tenden; hiesigen Blättern kein Glück. Der ״Antisemitigne" ist bereits längst zu Grabe getragen. Beinahe sollten wir cs bedauern. Er hat uns so gctreulich fast in jeder Nummer die Proteste mitgetheilt, die ihm fortwährend von den bedeutendsten Männern Frankreichs, unter Anderen auch von Ministern und Deputirtcn gegen die unentgeltliche Zusendung dieses Blattes;«gingen. Der sympathische Abgeordnete Anatole de Forgc B. erklärte noch kürzlich, wie uns der ״Antisemitiguc" berichtet, seine Antipathie gegen ein Blatt, das cs sich zur Aufgabe gemacht, die! Anhänger einer Religion und Nasse, welche durch die; Jahrhunderte der Geschichte hindurch ihre Ueberzeugung! mit hcldcnmüthigem Marthyrthumc siegreich bewahrt, in j einem zivilisirtem Staate, in der erleuchteten Neuzeit mit j mittelalterlichem Hasse weiter zu verfolgen. Die 27! Abonnenten des Blattes, welche die Anstrengungen der j Freunde der Redakteure zu gewinnen vermochten, waren; allein natürlich nicht im Stande, ihm sein Leben zu! verlängern. Alle Reklame und Mittel und die seit j dem Beginnen des Journals fortgesetzte unentgeltliche! Zusendung in weite Kreise nützte nichts. Man ist | hier sehr groß in der Judnstrie, durch Prämien zu; Abonnements auf Zeitungen anzulockcn, und man hat! für diese Herren z. B. daran gedacht, ob es nicht gut \ sei, nach dem Vorgänge eines anderen hiesigen an! Abonncutenmange! leidenden Journals für sämmtlichc 1 Abonnenten des Blattes und. deren Familie die un-! entgeltliche Konsultation einiger der bedeutendsten Acrzte! der Pariser Fakultät zu versprechen. Die Herren des z ״Antisemitique" haben doch nicht zu diesem Mittel! greifen wollen, da der gesunde Sinn der Pariser Bel völkernng schon ohnehin zu sehr geneigt ist, diejenigen ■ für krank zu erklären, die dem ״Antiscmitigue" näher z treten. Nachdem die Unmöglichkeit konstatirt war, ein Blatt am Leben zu erhalten, das zwischen den Bürgern desselben Staates Zwietracht zu säen sich zur Aufgabe gemacht, soll der Herr Grand Rabbin de Paris darum angegangen worden sein, die Gründung eines Blattes patronisiren zu wollen, das Juden und Juden-! thnm in den Himmel hebt. Dies Anerbieten wurde! abgclchnt. Abgesehen von allen anderen Gründen, j mußte für diese Ablehnung schon die Erwägung maß-!gebend sein, daß es unwürdig ist, die literarischen! Produkte solcher Individuen zu fcworisircn, die, wenn j journalistisch begabt, doch sittlich auf so niedriger j Stuse stehen, daß sie für einen größeren Lohn das! Gegentheil von dem verfechten wollen, was sie mit; geringeren lukrativen Nutzen früher bekämpst haben.; Bereits haben nun die Freunde des ״Antiscmitignc" : aufs Neue versucht, unter neutraler Flagge, d. h. unter dem Titel ״Le P6ril social" ihr Spiel fortznsetzcn. Seit! drei Wochen erhalten wir wieder die unentgeltlichen; Zusendungen des letzteren Journals, das die Unwirk- ׳ famfeit des Blattes ״L'Anlisemitigne" eingesteht und j statt der von jenem in jeder Nummer vergeblich i angckü-ndigten Einladung zu einem internationalen Antij scmitenkongrcß nunmehr lieber die Gründung eines! ״Syndikats der volkswirtschaftlichen Interessen Frank- ' reichs" anstrcbt. Diese Wendung gestattet auch besser; einige Proben von ״Preußenhetzc", von denen das : neue Blatt wimmelt, das die Lebensdauer des Journals ״Antiprussien" neidisch zu überschätzen scheint.! Der ״Antiprussicn" würde trotz seines gewissen Kreisen