Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1884)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M., 23. Mai [Nachricht]
- Date
- 1884-05-29
- Page
- 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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346 120 Kindern besuchen die Licbfrauenschule 28, Anna-! schule 22, Ostcndschulc 21, Uhlcmdschule 16, ArnS- : burgerschule 13, Bornheiiuerschule 5, Petcrsschnlc 3, (alle diese sind städtische Schulen), die israelitische Volksschule 14, Realschule der israelitischen Religions- Gesellschaft 3. t>.Jl. (^ricsl)eim bei Darinstadl, 23. Mai. Das Braudeuburgische Fuß-Ariillerie׳Rcgimcut Nr. 3 hält augenblicklich auf dem in unmittelbarer Nähe unseres Cm bctcflcncn Reichsschicßplatz seine Schießübungen ab. Was har diese Nachricht für eine Bedeutung für den ״Jeschurun"? werden Sie, geehrter Herr Redakteur, und sicherlich 'auch Ihre Leser verwundert fragen. Sehr viel, antworte ich getrost, weil ich der Meinung bin, daß es allerdings von einigem Interesse ist, was ich Ihnen hier erzählen niöchte. Die Thatsache ist freilich höchst einfacher Art, aber sie liefert den sprechenden Beweis, daß cs Gottlob unter unseren Jünglingen noch Mämicr giebt, welche nicht nur Jude sich nennen, sondern auch den religiösen Sinn und die ernste Gewissenhaftigkcit in jeder Lage des Lebens zu bethätigen bereit sind. Unter den Artilleristen befindet sich ein Jude, der Einjährig-Freiwillige Herr Ludwig Bcnjamin aus Hamburg. Obgleich cs den Soldaten vcrboten ist, sich von dem Schießplatz zu entfernen und er also nicht im Stande ist, sich bei den anstrengenden Hebungen durch ein kräftigendes nach jüdischer Religions- Vorschrift bereitetes Mahl zu stärken, so enthält er sich doch jeden Genusses unerlaubter Speise, legt regelmäßig Tefillin, hat sein Omcrbüchlein bei sich, kurz, richtet sich in Allem, trotz deS strammen Dienstes, dem er mit Eifer obliegt, gewissenhaft nach den Vorschriften der Religion. Er hat es auch mit vieler Mühe zu erreichen verstanden, sich die Erlaubniß zu erlvirkcu, am ריה ניון am hiesigen Gemeindegottesdienst theilznnehmen, um den Jahrzcitstag nach ftommcr Sitte zu begehen. Es machte in der Thal auf alle Anwesenden einen rührenden, ich darf wohl sagen erhebenden Eindruck, als der stattliche Artillerist in ernster -כונה das Gebet verrichtete. — Uns zur Freude und Anderen zur Nachahmung habe ich cs mir nicht versagen wollen. Ihnen dieses zu berichten und ersuche Sic für diese Zcilcu um ein Plätzchen in Ihrem geschätzten Blatte. 51vuig^berg, 23. Mai. איזה עם הארץ? נל ״ שיש לו בנים ואינן מגדלן להל מ ה תורהWer ist ein .׳Xm-lmuw-x? Wer Söhne hat und sic nicht für die Kenntniß des Gesetzes erzieht. Es galt in früheren Tagen als ein Vorrecht wahrer Bildung, als ein Zeichen richtigen Verständnisses für geistiges Streben, seinen Kindern den Segen des Unterrichts in der heiligen Lehre nicht vorznenthalten, sic eiuzuführcn in die Hallen der Religion, sie in den Stand zu setzen, über die höchsten Lebensfragen an der Hand der Religionsquellen uachzudenken und sich ein wahres Urtheil selbstständig zu bilden. Den Männern der הלמוד הורה und dem durch sie gepflegten Geiste religiöser Erkcnntniß vcrdankt das Judcnthnm seine Erhaltung. Und die Gegenwart? Welche Stellung ninunt sie diesem durch eine zweitauseudjührige Vergangenheit erprobten und bewährten Standpunkte gegenüber ein? Gleicht die Thora noch, wie ehedem, einem Strome, der von den Höhen hcrabrauschcnd sich in die Niederung ergießt, in seinem Laufe alles Land bewässernd und befruchtend? Die Krone der Lehre נהר הורה liegt offen da. Jeder kann in seiner Weise sie erreichen, sich aneignen und seinen Kindern übermitteln. — Wie Sie seiner Zeit berichteten, ist von dem Königlichen Provinzial-Schul׳ Kollegium für Ostpreußen ein Erlaß, betreffend den Religions-Unterricht der jüdischen Schuljugend, ergangen. Auf Grund der von den einzelnen Schulen erstatteten Berichte hat sich ergeben, daß von den 643 jüdischen Schülern, welche die 25 höheren Lehranstalten der Provinz frequentireu, nur 346 überhaupt zur Zeit Religions-Unterricht genießen. Das Provinzial-Schul- Kollegium ist der Meinung, daß, wenn auch anzunehmen sei, daß von den 297 Schülern, welche in der jüdischen Religion nicht unterrichtet werden, ein großer Theil bereits Religions-Unterricht genossen hatte, oder bei vorgerückterem Alter noch genießen sollte, es doch keinem Zweifel unterliege, daß eine nicht geringe Anzahl jüdischer Schüler ohne jeden Religions-Unterricht answächst. Deshalb werden die Direktoren angewiesen, soweit cs in ihren Kräften steht, dafür zu sorgen, daß kein jüdischer Schüler ohne Unterricht in den Satzungen seines Glaubens bleibe. Vor Allent aber sollen die Eltern auf die Gefahren aufmerksanr gemacht werden, welche der sittlichen Entwickelung ihrer Kinder drohen, wenn dieselben ohne jede religiöse Unterweisung auf- ' wachsen. Rabbiner Eh׳. Bambcrger hatte auch im! letzten Programm seiner Neligionsschule den Eltern die : heilige Pflicht, ihren Kindern- Religions-Unterricht er-! thcilen zu lassen, cindringlichst ans Herz gelegt. Wollen ן wir, daß unsere Kinder in den Stürmen des Lebens! fcststehen, in sich sittlichen Halt tragen und sich ihrer! höheren Aufgabe als Israeliten wie als Menschen voll! und klar bewußt werden, — wie Sic in Ihrer gej schätzten Zeitschrift in den Leitartikeln ״Winke über j religiösen Erziehung" genau erörterten, — so lehren 1 wir sie die heilige Religionerkennen und dadurch schätzen, lieben und vertheidigen. Sollen sie eine ganze! volle Bildung erhalten, dann ist eS eine der Haupt-! aufgabeu, die Pflege ihres religiösen Wissens zu de-! fördern und sie zur Pflege der Talmud-Thora zu! erziehen. Rabbiner Dr. Grünfeld. j * Jnowrazlatv, 18. Mai. Dem ״Posener! Tageblatt" schreibt man: In der Nacht vom Freitag