Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1884)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1884-06-05
- Page
- 366 (sequence 2)
- Language
- German
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3G6 ZN verfolgen; und vor einer Verläumdung kann er um so mehr sich sicher fühlen, als er selbst genug geleistet hat, um sich in einem absonderlichen sichre ״bei Freund und Feind" pt präsentiren. Es ist eine eigenthnmlichc ״Wahrheit in ihrer reinen Gestalt", für welche er Raum gewinnen will, wenn er z. B. es als ein uu׳■ j bestreitbares Faktum hinstellr, daß ״die orthodoxen! Inden an Leib und Seele zittern, wenn sie daran! denken, daß die Mischchevorlagc zmn Gesetze werden ' könnte". Wir orthodoxen Inden sind gar nicht so : furchtsamer Art. Die Mischehe ist schon in vielen; Ländern gestattet, ohne daß von einem solchen ״Zittern" s ctivas zn verspüren wäre. Die Orthodoxen sind bereits gewohnt, den Abfall vorn Indenthnm in mancherlei ■ Gestalt sich vollziehen zu sehen. Sie beklagen solchen schmcrzlichst, aber Furcht kennen sie nicht. Sie wissen, daß bei ihnen die Wahrheit und zwar ״die Wahrheit ׳ in ihrer reinen Gestalt" ist und bei Herrn Singer! und seinen Gesinnungsgenossen der Irrthnm. Ein solcher ist cs auch, wenn Herr Singer es mit großer j Emphase und wenig Wahrheit ausspricht-, wer Gott als den Einigcinzigen anerkennt und die Nächstenliebe i bcihüligl, Jude sei, mag er getauft oder in einem : indischen oder chinesischen Tcnipcl die Weihe empfangen haben. Wohl wird ein solcher Mensch nach den Lehren : des Indenthnms der ewigen Glückseligkeit theilhaftig lind zu den Tugendhaften gezahlt werden; Jude aber; ist er nicht. Es ist eben nicht die Art des Wahrheitliebenden die Begrifft zu fälschen. Alles was das Indenthnm, auch nach dem Verfasser, der Menschheit! geleistet, das hat das alte talmndischc Indenthnm ge-! lhan und nicht das lvcsen- und namenlose Ding, ׳ welches der Verfasser fälschlich als Indenthnm ausgieb't. - Wie dieser angeblich nach Wahrheit Forschende vorgcht, worauf er seine Beweise stützt und woraus er seine Schlüsse zieht, das verdient an einem kleinen Beispiele gezeigt zu werden. Er fuhr vor einigen Jahren einmal mit einem Jesuiten und dieser äußerte in der Unter- Haltung seine private Ansicht über den Katholizismus, ״also" führt Herr Singer fort, ״gilt in diesen Kreisen der Grundsatz: apivs nous In deluge" und schließt eine sich daran knüpfende Auseinandersetzung: ״apros nous le ileluge ist ja der Grundsatz der jeweiligen Vertreter der Kirche." Dieses ״also" ist in der That köstlich. Er entwirft auch ein gar schönes Bild von der Zukunft und gcrirt sich dabei als Vertreter der Indenhcit, verspricht in deren Namen Konzessionen in der Form, nimmt in deren Namen die Taufe an n. s. w. u. s. w. Man wäre versucht zu fragen, wer denn eigentlich dieser bedeutende Herr Singer sein könnte, von dessen Existenz man bis jetzt so gar nichts gewußt, und der doch so feierliche Erklärungen im )kamen der Juden abzngcbeu sich gemüßigt suhlt, und so nachdrücklich betont: ״man kann cs nicht oft genug wiederholen: die beiden ׳)kamen ״Christ" und ״Jude" sind identisch", — wenn cs sich der Mühe verlohnte, den Urhebern aller Thorheitcn nachznspüren. Wir übergehen alle die Phantastereien, die Herr Singer zum Besten giebt, möchten aber nachdrücklich Verwahrung cinlegen. gegen die Art und Weise, wie er sich erlaubt, gegen den Katholizismus zu Felde zu ziehen. In einer großntüthigcn Anwandlung sucht er die Kirche zu vcrsöhnen, indern er Namens ״der liberalen Inden feierlich und vor aller Well ans den ihnert clwa zustehcnden Thcil Palästinas zu Gunsten des Papstes verzichtet." Nachdem er mit der Kirche sich dergestalt abgcsnnden zu haben glaubt, tvendet er sich gegen die Inden und klagt über den ״Hochmuth und die Arroganz" vieler derselben. Insofern Herr Singer zur Zeit sich noch zu >cu Inden zählt und vielleicht viele Gesinnnngsgenossen hat, können wir dieser .Klage zustinunen. Wenn aber Herr Singer sich nicht cntblödct, im Namen ״der Religion der Zukunft, der Menschenliebe" gegen die armen galizischcn Inden zu Felde zu ziehen nnd alle Welt allsznfordern, sich diesem Feldzüge anznjchließcn, und zwar mit der Aposlrophirnng: ״Haben wir lein Mitleid! Seien wir grausam, weitii nur Grausamkeit zum Ziele führt", so haben wir für diese Aufforderung ans dem Munde eines Inden mir ein ״Pfui". — Wir sind der festen Ucbcrzengung, daß die Inden ansnahmslos die Schrift des Herrn Singer von ihren Rockschößen abschütteln werden. Wir haben dieselbe 11111• einer Betrachtung gewürdigt, weil deren Verfasser nach seinen Mittheilnngen sie einer großen Anzahl von geachteten Persönlichkeiten zugesendet und mehrere Ant- Worten dafür empfangen hat, sowie auch deshalb, weil zu nnscrcni Bedauern bereits zwei Mal bei Gelegenheit der Erwähnung solcher Schreiben dieses Pamphlet in den Spalten unserer Zeitschrift genannt worden ist. David Kaller. Von NafüNi Dimon. Alle aicchic vovtH'iv.Iteii. (Fortsetzung.) ״Ja wohl, die Binde fällt, aber licht wird es nicht vor meinen Blicken," erwiderte David. ״Meine Augen sehnen sich nach dem Hellen Strahl der Wahrheit und schauen im weiten Umkreise nur Nebel und finsteres Gewölk. Was Sie Licht nennen, ist nur ein Irrwisch und was Jene für der Sonne Glanz ansgeben, ein trügerisches Blendwerk." ״Dann warten Sic auf eine Inspiration, Vetter, und geben das Grübeln auf," entgegnete Marlow. ״DaS macht den Menschen trübselig und schlaff. Ich