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Jeschurun · 1884-06-05 · Heft 23 (5.6.1884) · p. 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 23 (5.6.1884)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1884-06-05
Page
361 (sequence 1)
Language
German
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M 23 Jeschuru». 361 Korrcsplmdcnzcn nn& Nachrichtcu. | Deutschland. | Frankfurt 6. ))!., 2. 3uni. Zur weiteren j Ergänzung her Korrespondenz in Jtzrem geschätzten Blatte von hier über Offen bacher Zustände,!heile ich Ihnen mit, daß bis zum Arntsantritt des heutigen Offenbacher Rabbiners, also vor ca. 5t Jahren, diese Stadt eine עיר ואמ כישראל war und es der emsigen Thätigkcit des Herrn Rabbiners Dr. F. zu danken ist, daß heute in Ofsenbach altes, was nur au positiven Indcuthum erinnert, dem Spott und Hohn preisgegeben ist. Zu meiner Freude jedoch muß ich auch einen Schritt zur Besserung koustatireu, nämlich, daß sowohl in O. als auch hier (wo Geiger und Stein gewirkt haben), diesmal keine Konfirmation stattsand, da man endlich diesen Akt, für das was er wirklich ist, erkannt hat. nämlich als Humbug. * Nensteitin, 26. Mai. Wie der ״N. Stell. Zeitung von hier gemeldet wird, hat der Staatsanwalt gegen das freisprechende Erkenntnis; in der bekannten Flater'schen Ässaire Berufung eingelegt. Die Angelcgenheit wird in der nächsten Sitzung vor der dienstettiucr Strafkammer abermals verhandelt werden. 5ivnigsber^ (Pr.), Ende Mai. Soeben ist der fünfzehnte Jahresbericht des hiesigen ״Israelitischen Studien Besörderungs-BereinS für Ost- und West- Preußen" erschienen. Der Verein hat innerhalb des erwähnten Zeitraums 578 Halbjährliche Stipendien im Gesamnitbetrage von 41 742 Mark bewilligt. An diesen Stipendien partizipiren: Universitütsstudentcu, Lehramtsaspiranten, Sehülerineu von Lehrcriunen-Teminarieen, sowie solche Personen, die sich künstlerischen und höheren technischen Studien widmen. Die seitherigen Stipendiaten, die die Wohlthatcn des Vereins empfangen, sind!00. Mitglieder hat der Verein 520. Nur ist zit beklagen, daß das Interesse in den beiden Provinzen bei den Mitgliedern zur Subvention des Vereins nicht rege genug ist. Im Hinblick ans die fördernngswcrthen Zwecke, dem dieser Verein dient, auf die schönen Erfolge, aus die er Hinweisen darf, mib insbesondere in Rücksicht ans die Zeitströmung, die uns Israeliten aus so manchem Gebiete, das wir als uns erschlössen und zugängig erachtet, wieder ans die eigene Kraft anweist, berührt cs schmerzlich, eine so geringe Theiluahme bei. den Gemeinden Ostn 11 ה Westpreußens zu erblicken. Dr. Grnnfeld. Oesterreich-U 119 am. P Aus Böhme», im Mai. Die Repräsentanz der israelitischen Knltnsgcmciude zu Wlaschim hat ans ihre warme Glückwunsch-Adresse, die sie anläßlich der Feier des siebzigsten Geburtstages des Fürsten Carlos Auersperg an denselben richtete, eine Antwort erhallen, der wir folgende Stellen entnehmen: ״Die Adresse ist in einer schwungvollen edlen Sprache gehalten, wie sie der Intelligenz eines Volksstammes enrsprichl, der in! Bildungsgrade niemals znrücksteht, vielmehr stets nach Kräften vorancitt. Das Schriftstück hat auch Anlas; gegeben, Bedrängnisse zu berühren, welchen JhreGlanbmsgenossen ausgesetzt sind; vor solchen Erlebnissen darf man die Angen nicht verschließen, und jeder wahre Menschenfreund muß sie tief beklagen. Reibungen unter Mitbürgern sind stets traurige Erscheinungen, aber sie sind ein ganz besonderes Unrecht, wenn Gehässigkeiten geschürt werden gegen Staatsbürger, welche friedlich und staatstren ihre Verpflichtungen dem Reiche, der Gemeinde, sowie der Familie in vollem Maße erfüllen. Diese den unlautersten Trieben entspringenden Ausfälle von Feindschaft bezeichnen traurige Rückschritte der Kultur und keunzcichneu Jene, welche au diesen Naubzügcu mittelbar vdcr unmittelbar Schuld tragen, als Diener des Neids und als offene Feinde des Besitzes und des Eigenthums. Diese Auffassung genügt, um ein solches anarchistisches Treiben zu verdammen. Wenn aber die Verfolgungen hinter dem Schilde der Religion emgcleitet werden, dann tritt zu der Schmach des Raubes noch der Fluch des Mißbrauches des Höchsten der Menschheit hinzu, denn wahre Religion soll veredeln und nicht verwildern. Es steht za erwarten, daß nichts versäumt u׳ird, nrn diese verwerflichen Strömungen mit aller Kraft zn unterdrücken. Möge die Kultnsgeineindc sich durch nichts beirren lassen i!n emsigen Schassen, in der Ausbildung der Jugend zu fleißigen treuen Bürgern und in den! festen Glauben, daß wir Alle unter gleichem Schutze der Vorsehung stehen." (gcz.) Fürst Carlos Auersperg. -f- Wien, 29. Mai. Oie Interessen, denen Ihr Organ, geehrter Herr Redakteur, gewidmet ist, liegen fern ab von der allgemeinen Politik. Trotzdem glaube ich, von dem Ereigniß dcS Tages, wclches die gesummte Bevölkerung der österreichischen Neichshauptstadt in Aufregung hält, auch in den Spalten des ״Ieschnrun" Erwähnung thuu zu sollen. Kopp und Ncnber sind gewühlt gegen .Küstersitz uub Pa tun — dieses Resultat der Ergänzungswahleu für den Reichsrath bedeutet die Abwehr der jndenfeindlichen Gesinnung, welche sich anscheinend weiter Kreise bemächtigt hatte. Dr. Pattai ist auch ״draußen im Reich", wie man ehedem von Deutschland hier sprach, durch seine Wallfahrt nach Berlin genugsam bekannt. Er pilgcrte dorthin, um sich zu erfrischen an den! urfrijchen Geiste des unverfälschten Judenhasses, welcher in Berlin ein trautes Heim sich geschossen hat. Mit den Herren Stöcker, Wagner, Ereuucr tauschte er den Bruderknß aus und

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