Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1884)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1884-06-05
- Page
- 357 (sequence 2)
- Language
- German
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357 aber bei gutem Willen wird auch dies nicht allzuschwer sein. Wie schon der ehrwürdige Herr Ober-Rabbiner Weiß bemerkte, fehlt cS uns auch heute nicht an gottbegeisterten, opferfähigen und opferwilligen יהודים, welche, wenn daS Ncorganisationswerk einmal ernstlich in Angriff genommen wird, gewiß freudig und willig die Pflanzstätte der min und יראה thatkräftigst fördern werden. — Man sollte aber daraus sehen, daß die Mnnifizcnz nicht zu minder nöthigen oder geradezu unnützen Zwecken auSgebcutct werde. So gicbt cS z. B. manche מהברים, welche schon ZN wiederholten Maleu bemittelte Männer oder Frauen überredeten, daß sie recht ansehnliche Summen, welche diese als Fonds zu diversen דברים טובים reserviren wollten, zur Drucklegung ihrer בברים hcrgcgebcn. Ohne diese בברים könnte die Welt wahrlich sehr wohl bestehen und die הורה und יראה üppig blühen, sie bringen oft ihr — mitunter verdientes — Geschick mit sich zur Welt und liegen unbeachtet בקרן זוית. — Solche Gelder als (Grundstock zur Unterstützung armer בהורים angelegt, würden im Laufe weniger Jahre einen respektablen Fond ergeben. Ferner ist uns eine winzige Jcschiba bekannt, welche regelmäßig bloS von vier bis fünf בהורים sreqncutirt wurde, da in dem bewußten Orte für mehr בהורים keine Freitische zu bekommen warm. — Die Progressen, welche die Jünger dieser Jcschiba 6n miniatur erzielten, lockten eine größere Anzahl lernbegieriger Jünglinge herbei. BergebeuS war die Ermahnung des gewissenhaften Rabbi אב אין קמה אין הורה, die jungen Männer wollten den Ort nicht verlassen, und wie cs vorauszuschcn war, mußten die armen בהורים abwechselnd einige Tage in der Woche am Hungcrtuchc nagen. Sie oblagen koutinuirlich ihren Studien, und wagten eS nicht, ihre Kalamität dem Rabbi zu enthüllen, bis dieser zufällig hiervon Kcnntniß erhielt. — Die Roth macht ersindcrisch, unser Üiabbi krcirtc zu Gunsten der mittellosen Jcschiba-Jüugcr einen Verein, und statutengemäß wurde festgesetzt, daß ohne Unterschied Männer und Frauen dem Vereine als Mitglieder beitrctcn können, und wer einen Jahresbeitrag von mindestens zwei Gulden per Jahr leistet, für dessen verstorbene Eltern müssen die von dem Vereine mit Untcrstützungsbeitrügen bedachten בהורים an den Jahrzeittagcn nach jeder תבלה einen ברק משניות lernen und den usuellen רבון rczitiren. — Diese Begünstigung bewährte sich als treffliches Zugmittel und' nach Verlauf weniger Monate zählte der Verein ntehr denn 100 Mitglieder ans der Gemeinde und dem Bezirke.- Achnlichc Vereine könnten wahrlich überall krcirt werden, und wenn maueinige im Lande existircnde sogenannte Jahrzeit-Vereine (welche bloS für einige Wenige als Sinekuren dastehen) auflicße und die äugelegten Kapitalien, so wie die einlaufcnden Jahresbeiträge den von dem ehrwürdigen Herrn Ober-Rabbiner Weiß empfohlenen Hochschulen zusührcn würde, die Jcschiba- Jünger möchten die von diesen Vereinen übernommenen Verpflichtungen nicht minder gewissenhaft einhaltcn. Auf diese und ähnliche Weise könnte die Geldfrage in Bälde befriedigend gelöst werden. — Und wenn ה״ו nicht, wenn eS nicht gelingt, 50 000 Gulden jährlich auszubringcn, sollte darum der ganze Plan scheitern? Fehlen unS die Mittel, acht Hochschulen zu organisircn, so seien cS vier, zwei oder auch nur eine, so weit cS unsere materiellen Verhältnisse gestatten. Ein Anfang muß gemacht werden und das kann nicht früh genug geschehen! Machigestirne. Historische Novelle aus der Fcudal.zcit Ungarns Von Samuel Berthold NoSncr. —..- (Nachdruck verboten u. liebersetzung--recht Vorbehalten ) (Fortsetzung.) ״Hast Furcht, Geliebte?" scherzte Gabriel. ״Sei unbesorgt! Wir können unS übrigens auf den Heimweg begeben. DaS Gewitter hat die Luft beträchtlich abgckühlt, und die noch feuchten Wälder versprechen den Abend hier oben recht kühl zu machen." Wirklich flatterte ein kühler Lufthauch, von dem hohen Gebirge kommend, an den Liebenden vorbei und bewegte wie spielend die Nebenblätter, daß sie leise flüsterten. Zärtlich besorgt zog Gabriel das locker׳ um den Hals LeahS gewundene Tuch fester zusammen und sie erhoben sich zum Gehen. In diesem Momente thcilten sich die Blätter des RcbcngewindcS, welches den Eingang zur Winzcrh litte verdeckte, und in der entstandenen Ocfsnung wurde die feiste Gestalt eines Pfafsen sichtbar. Der Glanz der Augen und daS stark geröthete Gesicht ließen cs kaum zwciselhaft, daß der Mann des Herrn die Segnungen des Rebensaftes, der ja das Her; des Menschen erfreut, an sich erprobt hatte, denn seine Haltung konnte nichts weniger als sicher und streng senkrecht genannt werden. ״Heu, sancte — domine! —!>uella — pulclira — me— liercle! — Hübsche —Juden — maid — Dirne! — Heu, heu!" so lallte der Pfaffe, indem er sich schwankend dem überraschten Paare näherte. Lcichenblässc entfärbte die Wangen des sich angstlich an den Bräutigam schmiegenden Mädchens, während sein Gesicht die dunkle Nöthe der beleidigten Mannesehre bedeckte und die Zornesader an seiner Stirne drohend anschwolb