Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Aus Ober-Ungarn [Nachricht]
- Date
- 1884-05-22
- Page
- 332 (sequence 2)
- Language
- German
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2־38 auf einen Wechsel \\\ schassen gesucht, wurde dafür aber! vom Preßburger!Berichte zu einem Jahre Kerker vcr-! unheilt. Es umrde an die .König!. Tafel appcUirt, 1 welche jedoch am :in. April ans eine dreijährige Kerker-! jtvafe erkannte. — Unter den 1 ו r% Honoratioren, die : and (5ö r oßwardei n nach Budapest an den Minister- Präsidenten Herrn von Tisza als Deputation gesandt wurden, um ihm das erneute üteichstagsiuandat anzutragen, bcfaubcu sich auch 30 Inden, gewiß ein erfienlieber Beweis, daß der unheilvolle Antisemitismus noch nicht die ganze edle ungarische Nation vergiftet hat. — Ja. and) die Bauern saugen nachgerade au einznsehen, daß die Amiseinitenführer nichlS Gutes im Schilde führen, weshalb sie sich mit Entrüstung non ihnen abwenden. Dies zeigte sich deittlich, als jüngstens der bekannte Amiseinitenführer Dnody seinen würdigen Gesinnungsgenossen Vary, welcher in der berüchtigten Tisza-Eszlarer Assaire sich eine eigenthümliche Berühmtheit erworben hat, dem Tisza-Eleck-Wahlbezirk zum LandtagS-Abgeordneten empfahl. Als Ouody die Einleitungsrede zu halten begann, rief das Volk: ״Le V(־)[־. nein keil tv;1 csakito*‘ ״hinunter mit ihm, wir wollen nicht den Verführer." Und als Vary selbst sprechen wollte, da rief das Volk wieder: ..Le vcle, m1־n keil antiszmnit/1 ״hinunter mit ihm! wir tvollett keinen Antisemiten." Man kann auch dem ungarischen Volle die Worte des Propheten Jesajas znrnfen:!״ ענד נ־אשריך ניד-אינmein Volk! deine Führer leiten dich irre." Möchten doch alle Freunde der Wahrheit und des Rechts ihr Möglichstes dazu beitrageit. um das Volk dahin aufzuklären, daß die Antisemiten-׳Rädelsführer, wenn nicht aus Fanatismus, so doch gewiß egoistischer Zwecke -halber, zur Befriedigng ihrer Hab- oder Ehrsucht zum großen Nachtheile des Volkes handeln. Je mehr das Volk von dieser Wahrheil überzeugt werden wird, desto eher wird der Unglücksvolle Neligious- und Rassenhaß schwinden. (Hali,zien, im Mai. 'Wenn eS eine Wahrheit sein sollte, das wahre Bildung und echte .Herzensgute mit Vorurtheil und Haß unvereinbar wären, so gäbe eS zum Verzweifeln wenig wahrhaft Gebildete und Gute in unserem Zeitalter und auch nicht in dem schönen Karpathenlande unter dem edlen Polenslamme. Aber es giebt Gottlob deren Einige, und das läßt uns hoffen, daß Vorurtheil und Haß doch im Schwinden begriffen sind vor der siegreich herausziehenden Morgeitröthe kommender besserer Zeiten. Die Menschengeschichte ist ja noch nicht alt, des Menschengeschlecht jung, es kann noch lernen, und eS lernt. Den Glauben wollen wir uns nicht rauben lassen, und der aufmerksame und nachdenkende Zeitgenösse braucht ihn sich nicht rauben zu lassen. — Die Agrilulturvcreiue des KroulandS Galizien haben die statutarische Gepflogenheit, die Mitgliedschaft von dem Bekenmniß zur christlichen Religion abhängig zu machen. Der Bezirksverein in Krakau hat nun den Antrag eingebracht, diesi׳ Bestimmung aufzuheben und dadurch auch Richtchrist׳m die Ausnahme in die Vereine zu ermöglichen. Ans der Begründung dieses AtttragS, welcher von dem Grasen Isidor Dziednszycki vertreten wurde, hebe ich einen Satz hervor, welcher mir besonders beachtcnSwerth erscheint. Gras Dziednszycki erinnert daran, wohin die Verletzung dea Religionsfreiheit führt und meint, daß eS demt doch zweifelhaft wäre, wer eigentlich auf den Namen ״Pole" Anspruch machen könnte, menn man sich gegenseitig als Ruthenen, Deutschen, Masuren, Juden 11. s. w. bezeichnen wollte. Er findet cs auch nirf)t mit dem Prinzipe des EhristenthumS vereinbar. Jemanden seines Glaubens Willen von der Theilnahme au der Förderung deS Gemein wohlS anSzuschließen, wer solches gleichwohl thnn würde, verlengnete aber die Grundsätze der Liebe, welche als das Fundament der Religion bezeichnet wird. Die Plenarversammlung war jedoch anderer Ansicht und lehnte den Antrag des Krakauer Bezirksvereins saus ta1;011 ab. Die Frage Dürfte angesichts solcher und ähnlicher Vorkommnisse nicht ganz unberechtigt erscheinen: wie kann man von den Juden einen innigen Anschluß an alle nationalen Bestrebungen verlangen, wenn man ihnen die Bctheiligung an solchen versagt, wenn man sie schnöde zurückweisl, wo sie ihre Mitwirkung gern, anbieten möchten? Schweiz. L. Lu.zern, l). Mai. DaS hiesige ״Vaterland" bringt auH'der Sitzung deS Großen StadtrathS vom 30. v. M. den folgenden Berieht über die Vortage eines Kauf- Vertrages mit dem israelitischen Fricdhofvcrcin über Abtretung einer Parzelle Landes behufs Anlage eines israelitischen Friedhofs: Diese Angelegenheit hat den Großen Stadtrath schon in der Sitzung vom 29. Februar beschäftigt und Anlaß zu einer länger« DiS>- kussion gegeben, über welche wir s. Z. ausführlichen Bericht erstattet haben. Wir glauben daher, uns heute kürzer fassen zu dürfen und dies um so eher, als neue Argumente pro und eoutra nur wenige ins Feld geführt werden konnten. Herr Bandirektor Wücst eröffnete die heutige Diskussion mit der Bekanntgabe, daß der Stadtrath nach gründlicher Bcrathung sich einstimmig dahin schlüssig gemacht habe, eS sei bei dem Großen Stadtrathe die Genehmigung der ursprünglichen Vorlage zu beantragen, mit solgenden zwei Modistfationcii: 1) sei die in letzter Sitzung vom Herrn Dr. Weibel angegriffene Bestimmung der Gemeindesteuer- Freiheit des fraglichen Grundstücks zu streichen; 2) habe der Vertrag erst dann in Wirksamkeit zu treten, wenn