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Jeschurun · 1884-05-22 · Heft 21 (22.5.1884) · p. 331

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 21 (22.5.1884)
Article
Deutschland : Würzburg, 16.Mai [Nachricht]
Date
1884-05-22
Page
331 (sequence 2)
Language
German
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331 wiederholt, daß mir ein ״koscherer Nock", darunter! verstand nämlich unser Herr Professor einen ׳)tormal- ' rock ans purer Wolle, also kein ׳צעטגז', der Gesundheit am förderlichsten und für den Körper überhaupt am reinlichsten sei. — Reicher Beisall lohnte seinen . äußerst interessanten wohldnrchdachtcn Vortrag. Oesterreich-Ungarn. X. Wien, 15. Mai. Ich thcilc Ihnen im Foltuenden einen Auszug aus einer Predigt mit, welche von den» Superintendenten Di׳. •v>nafc am verflossenen Ehaiseeilag gehalten wurde. Solche Worte eines christlichen Geistlichen verdienen um so mehr beachtet zu werden, als sie einen scharfen Gegensatz zn manchen anderen bilden, die ans dem Munde der Diener der Religion in. die Oessentlichkcit dringen. Herr I)!׳. Haasc sagte unter Anderem: ״Man sollte denken, daß das Ehristenihum, welches durch den religiösen Fanatismus seiner Gegner so furchtbar zu leiden hatte, sich in späterer Zeit gerade vor dieser Verirrung des Herzens am meisten gehütet haben müßte. Das war aber leider nicht der Fall. Und als die christliche Religion sich ans ihrer ' gcdrückten Lage zur herrschenden Staatsreligion emporgearbeitet ׳hatte, vergaß man cs, sene Glaubens- und Gewissensfreiheit, Toleranz und Humanität, die man von Anderen für sich in Anspruch genommen und nach langen vergeblichen Kämpfen endlich erreicht hatte, nunmehr Anderen zu gewähren. 3a, mit tiefer Betrübnis; müssen wir es bekennen, auch die evangelische Kirche, welche, wie die Stürme der Gegenreformation beweisen, gleichfalls ans eigener Erfahrung hätte lernen können, wie wehe es thnt, um seines Glaubens willen verfolgt zu werden, hat sich von der Verketzerung und leidenschafllichcn Bersolgnng Andersdenkender nicht immer frei zu erhalten gewußt. Oder hoben nicht gerade in unseren Tagen diejenigen, welche die Schürnng des Hasses gegen die Inden, die Aufreizung zur Verachtung und Bersolgnng derselben seit jeher betrieben haben, ans dem protestantischen Lager eine ihnen sehr willkommene Unterstützang erfahren? Der Abscheu, welchen ich vor der antisemitischen Bewegung empfinde, zwingt mich, immer wieder auf dieselbe zurückznkommcn. Ich sehe dabei ganz davon ab, daß ich unter den Juden viele liebe, treue, hochachtnngswürdigc Freunde zähle. Der Antisemitismus an sich, diese Mischung von Haß nnd Lüge, Bosheit und Engherzigkeit, Intoleranz und Gemüthsverrohnng, muß in dem Herzen jedes Freundes der Wahrheit, der Gcisiessrcihcit, der Gcrcchtigkcit nnd der guten Sitte, das Gefühl jener Verachtung Hervorrufen, welche der Gemeinheit über- Haupt gebührt. Oder kann cS etwas Ungerechteres geben, als wenn man das Recht, seinen Glauben zu bekennen und nach seinem Glauben zu leben, zwar für sich in Anspruch nimmt, aber Anderen verweigert'? Wir bcklagen lins darüber, daß der Protestantismus in Tirol, in.Spanien nnd Italien unter den feindlichen Anschlägen gegnerischer religiöser Fanatiker noch viel zu leiden habe. — Werden wir, wenn wir gerecht sein wollen, den Druck, welchem die katholische Kirche in Schweden und Irland ausgesctzt ist, liicht ebenso beklagen müssen? Und wenn wir über die Verfolgungen der Ehristcn, unter welchen dieselben im alten Rom zu leiden hatten, und welche ihnen in den heidnischen nnd mnhamedanischcn Ländern Asiens und Afrikas noch heute bereitet werden, empört sind, dürfen wir zu gleicher Zeit auch nur gleichgültig mit Zusehen, wenn in christlichen Ländern seitens der Ehvistcn die Jliden dasselbe Loos erfahren, dürfen wir cS dulden, daß inan die Inden bedrückt, verfolgt und mißhandelt? Als das Ehristenthum im alten Rom sich ansznbrciten begann, wurden, um die Gemüthcr gegen die Bekenner der neuen Religion zu empören, die nnglanblichstcn Märchen gegen dieselben im Volke verbreitet. Man sagte: Die Ehrislen schlachten Kinder, sic trinken bei ihren geheimen Zusammenkünstcn gierig Mcnschcnblnt, sie essen Menschcusleisch. Der altlateiiiische, christliche Apologet Minutins Felix erzählt uns im 9. .Kapitel seines Buches diese und noch andere entsetzliche Dinge, welche den Christen zur Last gelegt und von der ungebildeten Menge bereitwillig geglaubt wurden. Werden nicht heute von christlichen Fanatikern ganz gleichartige Anschuldigungen gegen die Inden erhoben? Ist es nicht eine wahre Schmach für unsere Zeit, daß die zur Verhetzung der Christen gegen die Inden im Mittelalter aufgebrachten verlogenen Märchen: die Inden schlachten Ehristcnkinder nnd gcnicßen deren Blut im Osterbrot heute wieder aufgewärmt, unter die Massen geworfen und als Agitationsmittel gegen unsere israelitischen Mitbürger vcrwendet werden?" u. s. w. W. Prag, 12. Mai. Die nunmehr 16 Jahre alte Tochter Regine des hiesigen Geschäftsmannes Herrn Philipp, deren am 2l. Januar l. I. in Lemberg erfolgte Taufe stincrzcit viel Aussehen gemacht hat, wird nunmehr, wie ntan hört, wieder zum Indenthum übertreten. Das betreffende Gesuch, welchem die protokollarische Erklärung der Korvertitin beigefngt ist, daß sic freiwillig wieder zur israelitischen Konfession zurückkehren will, wurde vorgestern beim hiesigen Magistrale überreicht. R. Ans Ober Ungarn, 9. Mai. Anton 33 in bi 3, Mitredaltcnr des in Preßbnrg unter dem Namen ״Der weftnngarischc Bote" erscheinenden antisemitischen Blattes hat vor etwa zwei Jahren, angeblich zu antisemitischen Zwecken, sich Geld durch die ■ Fälschung der Unterschrift des Grasen Athen Appomst

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