Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1884)
- Article
- Nachtgestirne
- Date
- 1884-05-22
- Page
- 328 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Nossen 1× ep/1045325
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828 mächtige die Wolken und läßt uns wieder die Tonne > seiner endlosen Gnade scheinen, — wenn auch nicht : immer Ijicnicbcn, so doch gewiß iu glücklicheren Gefilbcu!" — setzte er Hinz!!, indem seine Trimme merklich abjtcl unb zitterte. ״Und so vollende ich meinen vorhin; begonnenen Vatersegen: lebt glücklich unb zufrieden bis | an das späte Ende Eurer Tage!"! ״Amen!" — riefen die Eltern des Bräutigams! und dieser selbst fröhlich, Leah aber flüsterte ec׳ nur i schwach und bcklomllten nach. Ihr war vorhin die! Veränderung in der Stimme des Bolero nicht ent-; gangen und in dem weichen phautasicreichen Gcmnthe! des Mädchens war ein Heer beengender Ahnungen erwacht. In'die fröhliche Harmonie ihrer schuldlosen; Seele hatte sich ein trüber Klang eingeschlichcn, darum! auch konnte sie in das sorglos sreudigc ״Amen" des j Bräutigams und der zukünftigen Schwäher nicht ein-! stimmen. Mit dem Segensspruche des Vaters hatte sich der ossizicllc Thcil der Feierlichkeit vollzogen und ein Herzlichcs ״Masol tob!" tönte aus jedem Munde dem glücklichen Brautpaare und dessen Eltern entgegen, welches eben so herzlich erwidert wurde. Dick Männer schüttelten sich herzhaft die Hände, die Weiber ober umarntten sich gegenseitig, in die bei solchen Szenen unerläßlichen Thronen ansbrechcnd. Jetzt wurden ollerlei Leckerbissen und Erfrischungen ausgetrogcu, und dos muntere Schäumen edler Ungarweine!nachte bald die feierliche Stimtnung unhaltbar, au deren Stelle eine zwanglose Aufgeräumtheit trat. Die Speisen, von denen die überglückliche Mutter der Braut einem Jeden hernmreichte, und Jedem in übersprudelnder Frettde versicherte, alles sei von den selbsteigenen Händen ihrer theuren Leah ongesertigt, ließ mail sich gut schmecken, und die armen abgehetzten Menschen, die sich nur im engsten Greife der Ihrigen wohl und sicher suhlen konnten, gaben sich dem Genusse einer harmlosen Plauderei hin. ״Die Luft hier im Zimmer ist so schwül," demerkte Gabriel zu seiner Braut, vergessend, daß ein frischer Luststrom durch die geöffneten Fenster voll hercinströmte, ״möchtest Du nicht einen Spaziergang in die freie Natur hinaus unternehmen?" Leah blickte unschlüssig auf die Mutter. ״Ja, geht, meine Kinder," antwortete diese auf den fragenden Blick Lcoh's. ״Aber warte ein wenig, Gabriel!" — Damit nahm sie ein zierliches Taschenmesfer und drückte es dem überrascht lächelnden in die Hand. ״Ja, lache nur so viel Du willst, meine gottselige Mutter hat auch nieinen Bräutigam nicht früher weggelasscn, bevor sic tljm nicht ein Messer gegeben hatte. Ein Bräutigam darf nie ohne Messer in der Tasche ansgehen, damit ihm die bösen Geister, heut' die gute Nacht! — nichts anthun können, merk' Dir das. So, nun könnt Ihr gehen. — Daß ihr aber jo zu Hause seid, bevor es zu dunkeln anfängt!" Dos Brautpaar verabschiedete sich von den Eltern und von der für ihren fetzigen Scelenzustand allzu prosaisch gestimmten Gesellschaft.- II. Draußen funkelte an jedem frischgrünen Gras- Holme ein Diamantlropfcn, dessen klares Wasser und schimmernde Gluth das Diadem einer Königin überstrahlte. Es war aber auch eine herrlich große, majestätische Königin, die sich mit verschwenderischer Pracht Diamanten in's glänzende Haar gestreut hatte: cs war die Königin Natur. Die Diamanten waren ihr von dem ritterlichen Geliebte!! geschenkt worden, der im goldstrahlcnden Glanze auf slainmcnsprühcnbcn Nossen zur Brautschau einhcrgejagt kam und der herrlichen Braut aus der Ferne schon Küsse der glühendsten Liebe zuwarf. Immer näher kommt der strahlende Held, bis er verwegen die Lippen der Auserkorenen küßt und ein Errüthcn des holden Angesichtes ihm die Erwiderung seiner Gefühle bezeugt. Daun flammen die Gefühle ineinander, und milde Schatten dämmern empor, den Traum der Liebenden bewachend!- Die Lust athmcte Balsam und Wohlgeruch und hallte vom jubelnden Gezwitscher tausender Bögelein wieder, die zwischen dem fenchtschimmernbeu Blätterwerk der Bäume unb Sträuche umherhüpften, daß mancher Tropfen vom raschelnden Laubwerk zur Erde fiel. — Hinter dem Hause' erfreute sich, gepflegt und gewartet von den kunstsinnigen Händen Leah's, ein schöner Blumengarten des besten Gedeihens, der durch einen nieder!! Zaun vom Thale getrennt wurde und mit demselben durch eine schmale Gartenthür in Verbiuduug stand. Geschmackvoll waren die Beete geordnet, übersät von einem farbenreichen Blumenflor. Berschämt erröthenbe Dornröschen, schneeig angehauchte Lilien, schorlachrothe Tulpen, duftende wcißc nud rosenfarbige Nelken schillerten im bunten Farbengewoge durcheinander,!nährend aus dem softiggrünen Rosenstreifen, der ein jedes Beet umsäumte, bescheidene Veilchen ihre lieblichen Köpfchen hcrvorstcckten. Durch diesen schiltcrnbcn Blumcnwcg schritt das junge Paar der Gorteinhür zu. Sinnend schweifte das Auge Leah's über ihre lieben, wohlbekannten Pflanzen; eine jede schien ihr etwas anderes zuflüstern zu wollen. (Fortsetzung folgt.)