Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1884)
- Article
- Chesed ve-emet Wohlthätige Wahrheit
- Date
- 1884-05-22
- Page
- 327 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Dornum 1× ep/1044450
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327 milc fubftituivt zu haben, wofür jedoch durchaus keine Berechtigung vorhanden ist. /Fonselzung folgt., WHtgestirne. Historische ׳Novelle aus der Feudalzeit Ungarns Bon Samuel Berthold N o s n er. —> — ('JuKliM-mi verboten 11. lieber- Kt;m1.vM-atu i'ort'c l)11lu(1!־ ״Heute, meine Binder", spricht Salainon Rohrbuch, indem seine Blicke zärtlich und mit väterlichem Wohlbehagen auf dem schonen Paare ruhen, ״heute reicht ihr euch zu einem ernsten und heiligen Bund׳ nisse die Hände, um fortan die, besonders für uns Inden, so gefahr- und dornenvolle Lcbcnslausbahn Hand in Hand znrückznlegen. Du, mein ׳Nesse und Sohn Gabriel, wirst Deiner Ehegattin als ein kräftiger Beschützer und umsichtiger Wegweiser mit sicheren, zielbewußten Schritten vorangehen müssen, wirst Dich dnrchkämpfen müssen durch die mannigfaltigen Stürme des Gebens, Dir liegt cs ob, vor den! hülfloscn schwachen Weibe den rauhen Weg zu ebnen und zu glätten. Deine sorgfältige Erziehung, die Deine Eltern Dir unter vielfachen Opfern angedeihen ließen, bürgt niir dafür, daß Du selbst ini verworrensten Vabyrinthe der Vebenspfade immer den richtigen, zu in zeitlichen und ewigen Leben führenden Weg wirst anffinden können. Du hast zu den Füßen der größten Gottesgclehrten unserer Zeit gesessen, um Gottes Wort und Gebot zu stndiren. Diese beiden feien Deine Leitsterne, wenn Du in ein unabsehbares Netz von Wirrsalcn geralhen und, an der Welt irre geworden, nicht wissen solltest, wo ein und wo aus. Dann blicke, wie der Schiffer aus pfadlosem Meere, zuin ewigen Himmel Gottes empor, wo die Gestirne des Gottesworts mrd Gebotes in nie erlöschender Pracht und Herrlichkeit leuchten, und richte Deinen Wandel, unbekümmert um alle Hindernisse, so ein, daß Du diese zwei Sterne immer über Deinem Haupte schaust; so kannst Du sicher sein, daß Du nie irre gehen wirst. Deine Pflicht aber, meine Tochter, wird cs sein, Dich in allen Lebensverhältnissen treu und hingebcnd an Deinen Gatten zu schmiegen, ihm eine liebevolle Gattin und eine vorsorgliche Hausfrau zu sein. Dann, meine Kinder, wenn ein jedes von euch getreulich seine Pflichten erfüllt, wird euer Leben ein glückliches gott- und mcnschengcfälliges sein, dem es an mannigfachen reinen Freuden nicht mangeln wird. Mit väterlicher Inbrunst spreche ich meinen Segen über euren Bund und erflehe auch vom Himmel die —" Noch che der Vater den zum Segen geöffneten Mund schließen konnte, verdunkelte sich plötzlich die schwüle Atmosphäre des Zimmers derart, daß die flackernden Wachskerzen die hüpscnden Schatten der Umsitzenden unheimlich ans den Wänden bemerkbar machten. Aller Blicke richteten sich betroffen ans'S Fenster, und die Braut, deren schönes Antlitz plötzlich eine Blässe überflogen hatte, neigte sich unwillkürlich näher zum Bräutigam hin, dessen kräftigen Arin sie wie Schutz suchend fester umklammerte. Die den Worten des Hausherrn bewegt lauschende Gesellichast hatte cS nicht wahrgcnommen, daß sich draußen in der schwülen Atmosphäre ein Gewitter;nsammcnzog. In nnglaublicher Schnelligkeit und Geräuschlosigkeit hatten sich finstere Wollen über einander gethnrmt und hingen blitzschwanger über den Bergen. Jetzt fuhr der erste Blitz, unmittelbar gefolgt von einem mächtigen Donnerschlage, über die Berge und Thälcr hin. daß die Fensterscheiben erklirrten und alle weiblichen Personen der Gesellschaft erschrocken znsammcnznckteu. Die Männer aber erhoben sich und priesen mit andächtiger Stimme den, ״dessen Stärke und Macht die Welt erfüllt." Dann setzten sie sich wieder, und in der bedrückenden Wirkung der ungeahnten Unterbrechung schwiegen Alte, den ferneren Berlauf des Gewitters abwartend. Deninerschlag auf Oonncrschlag krachte, vom rollenden Echo der Berge vervielfältigt, und Blitz ans Blitz zuckte durch die dunkle Lust, bis sich die Wolken in schwere Regentropfen entluden, die, allmählich sich verdichtend, eitdlich in einem heftigen Platzregen niederströmten. Nach einer kurzen Weile aber hörte es ans zu regnen; die Wolken zerstreuten sich, und wie ein fromnies Gemüth, das seinem Schmerze in einem erleichternden Thräncnstrom Luft gemacht, dann in seliger Resignation lächelnd durch die Ihräncnnmflorten Augen blickt, — so sendete die Sonne, in dem ersten Stück tiefblauen Hiinmets erscheinend, welches durch einen Riß der sich theilenden Wolken sichtbar wurde, wärmer und tnildcr als zuvor ihre Strahlen ans die erfrischt ath.ucudc Natur. Bon diesen Strahlen hervorgclockt, entströintcn der Flur Ströme balsamischen Onfleö und zogen auch durch die weitgeösfuctcn Fenster in das wieder sonnenhelle und festlich strahlende Zimmer. Salomon Nohrbach aber, in dessen Gesicht eS rüthsclhaft zuckte, fuhr in der unterbrochenen Rede fort: ״Dieser kleine Zwischcnsalt, meine Kinder, möge euch daran erinnern, wie oft es in! menschlichen Leben vorkommt, daß sich dem ahnungslos Hoffenden und Bertrauenden plötzlich der Gesichtskreis verdunkelt, und statt der erhofften Scgensfülle der Himmel über seinem Haupte ein drohendes Gewitter zusamntenzieht. Doch das Gottvcrtranen im Herzen und den Preis seiner Herrlichkeit auf den Lippen können wir getrost ansharren, wenn Donner und Blitz, Tod und Verderben uns umwittern. Denn am Ende zertheilt der All-