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Jeschurun · 1884-05-22 · Heft 21 (22.5.1884) · p. 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 21 (22.5.1884)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1884-05-22
Page
323 (sequence 1)
Language
German
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323 Siiloüiouifrfjf S|!nul)1t1CHil)fit. Von eflinfoii tltavhacl Hirsch. XIV. Dcmttth und Hochmut!). (Fonschlmg.i Im Gefolge von Demuth ist Gottesfurcht, 9te!chthuu! und Ehre und Leben, Unser heiliges Schriftthnm kennt keine höhere, keine den menschlichen Karaklcr in höherem Grnde! adelnde Tugend als ענוה, als jene in der Tiefe des j Gcmüthes ruhende Richtung, die von dem eigenen! Werthe nichts weiß, die mit Allem, was sic ist und! Allem, was sie hat, und Allem, was sic will, und! Allem, was sie leistet, nur als das Produkt eines Hähern,! als Geschöpf und Kind und Knecht und Diener Gottes > des einzig Einen, fühlt und weiß, eine Gesinnung und! Denkungsart, die das Wort ״Ich" mit Nachdruck gc-! sprachen nicht kennt. Ihre unmittelbare Folge ist. nach > unserer Spruchweisheit: Gottesfurcht; Gottesfurcht als! Gesinnung begriffen ist ja ענוה unmittelbar selbst, ist! nicht eine Folge von ענוה, die ohne ה-?-? gar nicht denkbar ’ ist, in welcher vielmehr die wahre יראה am reinsten sich ansprägt, aber 'יראה ר' als Gepräge des ganzen Gott gehorchenden Lebens begriffen, ist die nnmitte!׳ bare Folge von ענוה, die von selbst in die Erfüllung des göttlichen Willens aufgeht. Aber cs sucht unsere SprnchweiShcit auch עושר וכבוד וחיים, auch Neichthnm und Ehre und Leben, Güter, welche die ענוה, die ja überhaupt keine Güter als Ziel ihres Strebens kennt, am wenigsten anstrcbt, gleichwohl als ein von selbst sich ihrer Ferse anschließendes Angebinde. Wenn derjenige Mensch reich ist, der das ״erreicht" hat, was er wünscht, oder, mit einer andern Spruchsammlnng unserer Väter zu reden, der mit dem ihm Befchiedeneu zufrieden, שמה בחלקו* ist, so ist doch der bescheidenste Mensch in Wahrheit zugleich der reichste Mensch auf Erden. Er hat immer, was er wünscht, ja mehr als er wünschen zu können hofft, «lehr als er zu verdienen glaubt. קטגתי״, ich bin viel zu klein für alle die Liebe und Treue. durch alle die Liebe und Treue, die Gott mir erwiesen," dies ist keine Phrase in seinen! Munde, eS ist dies der eigenste Ausdruck seines Gefühls und seiner Ncberzeugung. Und wenn ein anderer Spruch jener Sammlnng lautet, איזהו מכובד המכבד את הבריוה, daß der gcehrt werde, der die Menschen ehrt, der Keinen in der ihn! gebührenden Ehre kürzt. Keinem die ihn! gebührende Ächtung versagt, der jeden Menschen als solchen achtet und in der ihn! znkommcnden Weise behandelt, so liegen doch alle diese Dinge von selbst in Natur und Karakter des ענו, und so gewiß ein solcher fern von dem Streben einer Anerkennung ist, ja, als wahrer עני gar keine Ahnung davon hat, daß ihm eine Anerkennung gebührt, ' so ist doch ein so selbstloses, ansprnchloses Sein und Handeln eine seltene Erscheinung, daß sie sich von selbst im Kreise der Millcbeudeu uuszeichnet, und in der Blasse der Menschen doch so viel sittlicher Kern vor- Händen ist, daß sie nicht umhin können, gerade den! Anspruch!osesten die volle Huldigung ihrer reinsten Anerkennnng entgegen;1t bringen. Vor Allem aber היים, Lcden! Um Himmelsfernen ist nicht nämlich die in unseren Schriften gcpricsenc ענוה von jener falschen Asterbeschcideuhcit zu unterscheiden, die sich jeder Thätigkcit, jeden! thatkrästigen Wirten für das Heil Anderer, jeder rettenden und fördernden Leistung für das Gesanuntwohl, durch das Vergeben völlig unzulänglicher Winzigkeit, völlig unzureichender Persönlichkeit :c. entzieht, die cs nicht wagen dürfe, ein lautes Wort zu sprechen, der irgend ein Hervortrctcn nicht gezieme :e., eine solche Bescheiden» heit, die höchstens als eine Schwäche Entschuldigung zu suchen weiß und auch entschuldbar sein mag, die aber nimmer mit in die Zahl der Tugenden zählt. Die ענוה, die unsere Schriften preisen, ist sehr wohl mit der höchsten Energie gepaart. War doch Moses, der größte, thaleureichste Mensch der Menschheit, der selbstloseste ענו ans Erden. Denn in der vollendetsten Selbstlosigkeit liegt zugleich die höchste .Kraft. Jede Pslichtversäumuiß wird in letzten! Grunde ans Egoismus geübt. Aus Egoisnrns unterlassen wir das Gute und üben wir Schlechtes. Egoisnms bringt uns um die Lösung unserer Lebensaufgabe. Von Egoismus ist aber bei den! vollendeten ענו keine Spur vorhanden, seiner Selbstlosigkeit steht Egoisnms niinmer im Wege. Er ist immer bereit, den letzten Funken seines Seins, die letzte Faser seiner Kraft in dem Dienste des Guten aufzuwcnden, denn er hat sie nur für den Dienst des Guten, und indem er jeden Athen!- zng seines Daseins nimmer für sich, immer in!!hatkräftigen Vollbringen des Guten verwendet, wird sein ganzes hieniediges Dasein — wie lange oder kurz auch dessen Dauer — wahrhaftes חיים, wahrhaftes Leben, und wenn er von hinnen geschieden, kann man sagen: der hat gclebtk (Fovtsctzung folgt.) Eine de!!W Äufnuir in der fron־ löfifdjcn Kinn!!!er tun 8 Min Ml. Ein Rückblick auf die Vergangenheit fördert das Verständniß für die Gegenwart und erleichtert die Möglichkeit eines Ansblicks auf die Zukunft. Wenn ich in den! Folgenden einen kleinen einfachen Vorfall,

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