Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien, 9. Mai [Nachricht]
- Date
- 1884-05-15
- Page
- 317 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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317 vier Stufen hohe Freitreppe führte. Bür einiger Zeit wurden die aus Ziegeln bestehenden Stufen zur Nacht-;eit boshosterweise beschädigt, und der KulmSvorstaud ließ nun anstatt des bisherigen Materials die Stufen auS Quadersteinen Herstellen und ebenso die Eiusassuugsutaucr aus Quadern ausführen, jedoch in derselben j Vänge und Breite, wie es bisher der Fall war. Das Bürgermeisteramt The!!sing war jedoch damit nicht! einverstanden und ertheilte als Baubehörde den Ans-! trag, dic ganze Freitreppe;tt beseitigen, tvidrigenfalls : dieselbe von amtswegen auf Kosten der Kultusgemeinde ׳ beseitigt werden würde. Dieser Auftrag wurde auf er- I griffenen Rekurs auch vom böhmischen Nntdesansschusse! bestätigt und daniit begründet, daß die Freitreppe! 1,38m über die Baulinie in die Straße hineinragt! und einen Borsprung bildet, der, auf dem Straßen׳ rigol stehend, den Wasserabfluß hindert, daher die 63c־ i meiude vollkommen berechtigt sei, auf die Beseitigung! der Treppe zu dringen. Die Kultnsgemeiude ergriff i die Beschwerde au den Verwaltungs-Gerichtshof, und j bei der gestern stattgehabten Verhandlung machte der! Vertreter derselben, 1)1׳. Bendiener aus Prag, geltend,; daß der Ban der Treppe bei deren seiuerzeitigen Er-; richtung hätte beanstandet werden sollen: die Ans-! ivechslnug deS bisherigen Ziegelmaterials und Anlegung von Qliadersteinen in denselben Dimensionen sei nur eine Reparatur minder wesentlicher Art. zu der kein Konsens nothwendig war; die Baubehörde könnte höchstens auftragen, wieder Ziege! zu verwenden, aber nicht eine seit Fahren stehende Treppe zu kassiren, was nur im Eppropriationswege veranlaßt werden fümic. Der Verwaltu n g s - Ger i ch ts h of, unter dem Vorsitze des Senats- Präsidenten Hofrathes v. Qtt, hob die Entscheidung deS LaudeSansschusseS als gesetz ׳ idrig auf, indem er sich der Anschauung anschloß, daß die Verwendung von Steinen anstatt der bisherigen Ziegel nur eine Neparutnr minder tvesentlicher Natur und kein Neubau sei, daher der angesochtene Austrag der gesetzlichen Begründung entbehre. -f- Wien, 1. Mai. (gegenüber den Worten, j mit tvelchen sich Viktor v. Scheffel (wie ich Nr. 18 dieses Blattes berichtete) gclegeutlieh der Zusendung der Schrift Isidor Singer'S: ״Sollen die Juden Ehristen werden'?" über die Fudenfrage ausspricht, verdient die Antwort eines andern Dichters, Roben Hamerliug, auf die Zusendung derselben Broschüre hin, in jüdischen Kreisen verbreitet zu werden. Hamerliug schreibt an -verrn Singer: ״Sehr geehrter Herr! Empfangen Sie für die mir freundliehst übersandte Broschüre meinen beften Dank, der nur durch mein Unwohlsein so lange verzögert wurde. Ich ergreife diese «Gelegenheit, zu sagen, daß ich die Haltung der gebildeten Israeliten der gegenwärtigen antisemitischen Bewegung gegenüber bewundere. Diese Haltung ist eine in ihrer schweigsamen Ruhe durchaus würdevolle, gleich weit von leidenscbastlicher Eutgeguung, wie von unmännlichen Klagen und Jammer über ungerechte Verfolgung. Daß aber das würdevolle Schweigen lein absolutes ist, wird man i billigen, tvenn die Kundgebungen, die eS unterbrachen, von der Art der Ihrigen sind. Ihre Broschüre ist! so maßvoll gehalten, so interessant und gediegen dem! Inhalte nach, daß jeder Unparteiische sie mit Vergnügen; lesen wird. Das habe denn auch ich ge!Han, und be- ׳ glückwüusche Sie zu dieser angemessenen Art, die Sache > Ihrer Nation zu vertheidigen. Mit dem Ansdrucke! wahrer Hochachtung bin ich, sehr geehrter Herr, Ihr! ergebener Rob. Hamerling.! ' Graz. 18. März 1884"' * הסי ja (Ungarn), Mai. In unserer Ge- , meiude herrscht Gottlob ein reges Interesse an dem! Gemeindeleben und ein echl religiöser Sinn. Derselbe! trat auch in der jüngsten Wahl eines GemeindepräseS j zu Tage. Zu allgemeinem innigen Bedauern sah sich! der bisherige Präses, der hochgeachtete, mildthätige und! religiöse (Grundbesitzer, Herr Moritz Rosenberg, durch j verschiedene Umstände veranlaßt, sein Amt niederzulegen.; Au seiner Stelle wurde das würdige Vorstandsmitglied Herr ׳'Grundbesitzer Jakob Pollak, welcher nicht minder durch edle Eigcuschasteu sich auSzeichuet, gewählt. So wissen wir die Leitung unserer Gemeinde in betvührter treuer Hand und sehen der ferneren gedeihlichen Ent- Wickelung unserer heiligen Institutionen hoffnungsvoll entgegen. Josef Vrauufeld, Kantor. W. Pra^, 11. Mai. In Bezug auf den in Nr. 11 von Ihrem Wiener Korrespondenten genannten hiesigen Verein ״Qr Tomid" bemerke ich zur Nichtigstetlnug, daß nach den mir vorliegenden Statuten und in dem Aufrufe desselben eS ausdrücklich heißt: ״Wir wollen durchaus nicht die' hebräischen Gebetstücke verdrängen oder an den nnS überkommenen religiösen Gebräuchen und Zeremonien rütteln; diese sind unö ebenso wie unseren Glaubensgenossen anderer Mund- | arten heilig. Wir beabsichtigen nur, wie der französi-; sehe, englische und deutsche Jude daS GotteSivort (Predigt)! in seiner Muttersprache verkünden hört, dasselbe in ■ unserem Idiom zu vernehmen. — § 1 der Statuten; lautet: Von den hebräischen Gebelstncken darf kein Iota iveggenommen oder verändert werden; nur die FuultionSsprache beim (Gottesdienste, die in anderen Synagogen die deutsche ist. soll in unserem Tempel die ezechische sein. (Wenn dem in der That also ist und die Bestrebungen deS Vereins bdiglich darauf gerichtet sind und bleiben, die deutsche Predigt durch eine ezechische zu ersetzen, weil seine Mitglieder die ezechische Sprache als ihre Muttersprache betrachten, so haben .!vir unsererseits nichts dagegen cmzuwenden. Eine Er-