Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1884)
- Article
- Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1884-05-15
- Page
- 316 (sequence 2)
- Language
- German
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6נ3 Weg mit bcm Krieg, סן ward's beschlossen | Und nufer l'aefcr ist bobei! j Wo;!! die jrf)arf1]en1)liif!u'n ©affen? Tic ficdjcit tief 1111b ritzen sehr, Was hat der Wucher wohl y! schassen LRit!!!)nieeglau; und Wasfenehr? Hoch Laster, hoch dem Heldensprossen, Er wachse, blühe und gedeih'!! Weg mit bem Krieg! Er hat's beschlossen - Und wir sind allemal dabei." (S. 11 צ.)! ober folgendes Poem: ן ״Was schmted'st Du Schmied'?! Was schaffst Du, Bauer? Ich pflüge das Feld; Und säe und sorg', daß es nähre die Welt.; Du, Bergmann? Ich brech' aus der Felsen Her; j Die wärmende otjlc, das nützliche Er;. Was schaffst Du, Seemann? Bon fremdem (׳anb Biel Schätze fahr' ich;mit heimischen Strand.; Was schaffst Dn, Meister? In Sonnengluth Wölb' ich das Dach, wo Dein Haupt ausruht.! Was schaffst Dn, Jude? Ich spreche Euch Hohn lind verlache der schwieligen Arbeit Lohn. i Der Schacher, der Wucher, die schaffen mir Gold, Zur Arbeit halt' ich den Ehristen im Sold." Da;n brillante, im Genre der Berliner ״Wahrheit" ansgesührte Hol;schnitte. Ich denke, die Proben ge-!lügen . . . Angesichts der Berbreinmgsweise eines solchen Buches in unseren Kasernen ist wohl die Frage derechtigt, welche Früchte man sich von dieser Lektüre bei unseren Soldaten verspricht, — Das Vaterland verlangt seine Blutsteuer in gleicher ׳Weise von dem ״Wucherjubim", wie von dem edeln Germanen. In Reih' und Glied steht der Eine neben dem Andern, ist der Eine angewiesen, neben dem Andern seine Dienstjahve zu verleben, im Kriegsfälle neben ihm zu fechten und zu sterben. Will man denn dein Juden die Dienst;eit zu einer Höllengnal machen, in der er gehänselt und gefoppt wird von seinen Katneradeu, maltraitirt und;nrückgesetzt von seinen Vorgesetzten, nur weil er Jude ist? — Etwas Anderes kann eine derartige Lektüre nicht bewirken, wenn auch vielleicht der ״Fonds sittlicher Rohheit" doch nicht in dem Maße in unserer Armee vorhanden ist, wie bei dem Kaleuderschreiber, der aus ihn spekulirt. — Aber noch eine andere Seite bietet die Propagirnng derartiger Ideen. Unsere Armee kennt Juden nicht rinr als ״Untergebene", sondern auch als ״Vorgesetzte" — wenn auch nicht in der Linie, so doch in der Reserve. — Die meisterhafte Disziplin unserer Armee wird vielleicht verhindern, daß im gegebenen Falle der untergebene Ehrist dem Vorgesetzten Juden gegenüber die Konsequenzen dieser approbirten Lektüre zieht — vielleicht auch nicht; vielleicht glaubt der Mann, daß er den ״Itzig", der in der Lieutenants-Uniform vor ihm steht, so behandeln dürfe, wie er es nach dem Buche, das ihm die Herren Vorgesetzten empfohlen haben, verdient. Und dann? ... — Vielleicht gelangen diese Zeilen bis an die Stelle, die dem Unfug der Verbreitung einer derartigen Schmutzschrift in unseren Kasernen ein Ende machen kann und dann sicher auch machen wird. Mag der .Kalender meinetwegen — etwa als ״Tentscher Volks Kalender" — in privaten Kreisen seine Hetzmission fortsetzen, ivenn nur unsere Armee, der ntan ja auch jede Entgegnung in anderen Schriften fernhält, nicht dttrch derartige Schnndtitcratnr vergiftet wird. -!>- Kaiserslautern, 7. Mai. Mit Beginn des neuen Schuljahres zählt die hiesige Volksschule nutci* -I7S8 Schülern 59 Israeliten, von den Ol Lehrern ist einer Israelit. Aut Schlüsse des Schuljahres 187/ 78 zählte sie unter 33צ<) Schülern 47 Israeliten. Mithin dantalS 47, jetzt sogar 59 Inden — zuviel meinen die Herren Attliscmiten. Oesterreich-Ungarn. (4. Wien, 9. Mai. Der verstorbene Schauspieler Anton Ascher hat unter anderen Legaten der hiesigen israelitischen Getiteinde 3009 Gulden zu einer seinen Rainen tragenden wohlthätigen Stiftung, der israelitischen Gemeinde seiner Gcburlsstadt Dresden 3000 016. für eine gleiche Stiftung auf den Rauten seine! Mutter, dcrEhcwnaKadischa hiesclbst 300 Gulden, dem hiesigen jüdischen Taubstnmmen-Jnsttlnte 300 Gulden und der hiesigen jüdischen Waisenanstalt ebenfalls 300 Gulden letztwillig vermacht. — Am 4. d. Mts. fand die Prüfung der hiesigen jüdischen Blinde!t>Anstalt in Gegenwart hoher Persönlichkeiten statt und fand allgcmeine Anerkennung. Die Anstalt zählt 30 männliche und 7 weibliche Zöglinge. — In Betreff des unglüekliehen Prozesses gegen Isaak Bienen st o cf aus Rowosiolki in Galizien, ist setzt .;um zweiten Male seitens des Obersten Gerichtshofs in Folge eingelegter Berufung erkannt worden. Bienenstock war seiner Zeit vom Schwurgerichte zu Lemberg zu U; jährigem schweren Kerker vernrtheilt worden. Die gan;c Welt war außer sich vor Erstanncn. (Siche vorigen Jahrgang S. 349.) Dieses Unheil wurde kassirt. Unter bemcrkenswcrthc» Umständen erkannte ein nettes Schwurgericht den Augeklagten ebenfalls für schuldig und sprach eine O jährige Kerterstrafe über den Angeklagten aus. Die hiergegen angewandte Richtigkeitsbeschwerde wurde vom -Kassations- Hose vcnvorfen. — Eine eigenthüntlichc Berhandlnng fand vor dem Verwaltnngsgerichtshofe statt. Die Kultnsgenteinde in Thcnsing taufte int Jahre 1878 daselbst ein Haus zu Spnagogen-Schnlzweckcn in der Pfortengassc, zu welchem von der Straße ans eine