Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1884)
- Article
- Deutschland : Berlin, 11. Mai [Nachricht]
- Date
- 1884-05-15
- Page
- 315 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933049-2933069--15627-2957102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 Vater nicht Lust habe, sein evangelisches Kind unterrichten zu lassen, und die einfache Frage auswirft, ob denn wegen der jüdischen Schüler für die evangelischen Binder kein Platz in den Schulen verhandelt sei, um bei Bejahung dieser Frage die Forderung zu stellen, die Zahl der städtischen Schulen zu vermehren. — Aber nein; Herr Pickcubach spricht ans, was in Aller Brust lebt, — der unvernünftigste, ungerechteste, fanatischstc Haß ist leider Dank der Hetzer und Redner schon stark in das Volk gedrungen. Die deutsche Bürger- Partei mit verwandten und gleichgesinnten Parteien ist die Herrin der nächsten politischen Situation — was uns alsdann bcvorstcht, kann uns kannt überraschen comiug events cast tlieir sliadow before, und Herr Pickeubach und seine Genossen sind ein solcher Schatten. — Aber auch noch andere Schatten wirft das Morgen aus das Heute. Da erscheinen Männer aus dem Plan und sprechen gar liebreich und verlockend: Ihr lieben Israeliten, lasset euch nicht znrüekstoßcn von denen, so euch anfeindcu und verachten; seht, wir lieben euch brüderlich und achten euch als die chedcnt vor. Gott so überaus Geliebten und Begnadeten. An euch ist cs aber auch, das Eure zu thun, auf daß ihr zum Frieden' mit all den Völkern gelanget, unter denen ihr wohnet und damit zum wahren Frieden mit euch selbst. Ihr harret aus den Messias — seid doch nicht blind und halsstarrig, er ist ja längst gekommen. Verbleibet ihr noch immer in eurer Verblendung, dann, ja dann ist euch schwer zu helfen.-So sprechen Viele, — Einige aufrichtig und ehrlich. Wir haben Delitzsch und Mommscn und a. nt. so und ähnlich sprechen hören. Die ״Deutschen Zeit- und Streitfragen" von Holtzendorff bringen in einem ihrer jüngsten Hefte (193/194-) einen solchen Beitrag zur Lösung der Judensragc von Dr. Alfr. Ehr. Kali s cher, der schon früher seinen ״Weckruf" unter dein Pseudonym Alfred E h r i st! i e b erschallen l ieß. Ob dies er Herr mit seiner Mahnung an das Volk Inda dasselbe zu einer Wandelung aufsordcrn will, die er an sich selbst erlebt hat'?? -a- Berlin, 11. Mai. Am 4. und 5. Juni werden hier eine Anzahl Genossen der Herren Ungcrleider, Frankl und Maybaum erwartet, welche, deren Einladung folgend, sich als eine Versammlung deutscher Rabbiner oder gar der deutschen Rabbiner voraussichtlich konslituircn wird. Der übliche Chorus wird sicherlich nicht ausbteiben, welcher, falls einige Dutzend mit dem Rabbinatstitcl sich schmückende Personen beisammen sein sollten, der erleuchteten und hochwürdigcn Versammlung den üblichen Weihrauch streut und deren Beschlüsse als eine Manifestation der gesammtcn deutschen Jndenhcit der Welt verkündet, llitb ebenso wird auch das Geschrei gegen die unbequemen Stimmen nicht ausbleibeu, welche sich gegen eine derartige Aufbauschung der Verathltugen der Herren erheben sollten. Die jüngsten Verhandlungen im deutsch israelitischen Gemeindebuud dürften übrigens als eine Warnung dienen, daß md)t Männer sich in das Schlepptau von tendenziösen Bestrebungen nehmen lassen, welche diesen Tendenzen abhold sind. Wenn man in gewissen Kreisen es für klug erachtet, unter der fadenscheinigen Hülle eines angeblichen Ausschlusses aller konfessionellen Fragen einen vermeintlich neutralen Boden für ein gemeinsames Schassen in religiösen Augelegenheiteit herzustellen, so sollte man nachgerade gewitzigt sein und den Nonsens erkennen, jüdisch-religiöse Fragen als von dem Bekcuntniß indissircnt behandeln zu können. Das sogenannte Ncformjudeuthum ist c-ne Negation des wirklichen Indenthums, wer für das Eine cintritt, steht dem Andern schroff gegenüber. Die Mahnung Eliah's: עד מתי אתם פםהים על שתי הסעפים gilt auch für uns. Wir können mit den Vertretern und Rabbinern der Reform über die politische und bürgcrliche Stellung der Juden unter gewissen Voraussctzungcn zusammen bcrathen, sonst aber trennen sich unsere Wege. Frankfurt a. M., 8. Mai. Die ״Franks. Zeitung" bringt in ihrer heutigen Ausgabe unter der Uebcrschrijt: ״Antisentitismns in der Armee" einen sehr bcachlenswerthen Artikel über den diesjährigen ״Illustr. deutschen Armee-Kalender" (Theiue, Minden). Dieser Kalender ist ״nach amtlichen Quellen" bearbeitet und soll mit höherer Genehmigung unter dem Militär verbreitet werden. ״Und was enthält mm dieser approbirtc Kalender?" — heißt es in der ״Frks. Ztg." — ״Den miserabelsten Antisemitismus, in einer Art und Weise geboten, um׳ sic selbst Hcnriei — Stöcker und! Wagner sind im Vergleiche damit Austandsycldcn — j in seiner Blütheperiode nicht zur Verfügung stand. Ich greife zwei Blüthen ans den: saftigen Werke heraus, Poesie sogar ... man höre: ״Der böse Krieg, der unseru Laiten Von Alters ist so sehr verhaßt, Wird abgeschasft für ew'ge Zaitcn, So wurde jüngst Beschluß gefaßt. Was wird verpulvert und verschossen! Weg mit dein ״Mauser", mit dem Blei! Im Friedensrath ward's so beschlossen Und unser Lasker ist dabei. Wir schätzen Muth und große Thaten Und sind zum ״Handel" gleich bereit, Doch Bombcnsplittcr und Granaten Die sind nicht gut für unsre Lait. Die Kavallristen mit den Nossen, Was tosten die für Brod und Heu!