Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-05-15 · Heft 20 (15.5.1884) · p. 313

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 20 (15.5.1884)
Article
Der Klesmor
Date
1884-05-15
Page
313 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933069-2957050--15620-2957100
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M■ 20. Jeschnriur. 313 Der iifcünun.־ 1י'on Icoidji!!«. I.V. Bcim Tar!;e. Das OJta 1)! ist aiiv, und?1(10 sich aljcbcn Zu drehen sich nach luü'ger '!'1idobic, Den 'JJiufifaiucii sie öas Zeichen c!cbcn, ־■--- In Ungeduld des Anfangs harren sie. Die Flöte erklinget. Sie locket;um Tanze, Beim strahlenden Glanze Mat! lustig sich schwinget. Es stariern und rauschen Die Schärpen ׳und Bänder, Die seidenen Gewänder Wie Segel sich bauschen. Matt tritt auf die Füge Einander in Schmerzen, Doch fröhliche Herzen Dies niemals verdrieße. Bleich steht der Kleomor, schaut in das Gedränge, Ein bittres lächeln um den Mund ihm spielt, Ihm ist cs in dem weiten Saal zu enge, Dort weiß ja Niemand, was er trauernd fühlt. Nicht Trank,!ticht Speise seinen Mund berührten. Er fühlt sich nicht von Durst 11ub Hunger matt, Der Schmerz, der Kmnmer seinen Geist entführten, Zn seines Kindes trüber Lagerstatt. Er spielt und spielt, und starr fein Auge blicket, — Da naht ein Knäblein sich m1b schaut ihn an, Es schmiegt sich an und ans den Schoß cS rücket Unb fragt mit Heller Stimme: ״Was fehlt dir, Mann?" Da bricht der Schmer; sich Bahn, die Thräne blinket, Die lang znrückgehattm, mit Gewalt, Und ans den Boden seine Flöte sinket. Und laut sein wildes Schluchzen krampfhaft hallt. Da lacht das Kind — cs rufet die Genossen, Sie tanzen jauchzend um den Klesmor rund — Sic jubeln ob der Thrüu', die er vergossen, Ob der entfallenen Flöte jauchzt ihr Mund. Es dreh'n sich die Kinder Geschwind und geschwinder. Vermehren im Herzen Des KlesmorS die Schmerzen. Er schaut die blüh'nden Kleinen, Weh im Herzen, Die jauchzen jetzt in voller froher Lust, Er denkt des eignen Kindes, dein in Schmerzen Das Vcben schon entflicht ans seiner Brust. Ihn hält's nicht länger in dem Hellen Saale, Er stürzt hinaus zur Thüre jetzt geschwind, Er fließet vor der Lichter Hellem Strahle —־ Es zieht ihn mächtig fort sein sterbend Kind. : KvnespMde!!zc!! imb Nachrichten. | D c 11 tschl a u d. | Dr. 1). Hannover, den l B Mai. Eine glanzvolle! Bolksst'icr spielte sich vorgestern und gestern in unserer! Lcesidenz ab, eine Feier, deren hcrzerhebcnde Wirkung z von Allen, bencti cs vergönn! war, an ihr theilznz nehmen, noch!äuge wirdempfunden werden. Die; Provinz Hannover hat ihren heldcnmülhigcn Söhnen,! die im Kampfe gegen frevelhaften Uebcrmnth für ihre; Väter und LN nt rer, für ihre Schwestern und Brüder! ihr junges Leben ansgeblntet haben, ein herrliches! Denkmal ans Stein und Erz aujgerichtet und dasselbe! am l(>. Äcai, als am Tage des Frani'surter Friedens-! schlnsses, den staunenden Blicken ihrer in ungezählten! Schaaren herbciströmcnden Bevölkerung enthüllt. Im! Osten der Sladt, da. wo stiller Waldcsfrieden zu - sronimem Sinnen stiinmt, erhebt sich auf hohem! granicneu Sockel die hehre Gestalt der Germania, in ' hocherhobcner Liechten das grüne Siegesreis schwingend! und umgeben von zwei Siegesgöttinneu, die auf ihr - stolz emporgerichletes Haupt die Kaiserkrone niederj schweben lassen. Darunter steht in einer Nische dcS Piedestals die Hcnnwvera, ihr Haupt von edler 'Trauer . gebeugt und ihre Rechte znm Segen ansstrcckend über j ihre in srenidcr Erde gebeiteten Söhne, deren Namen! in goldenen Lettern an den Seiten des Unterbams prangen. Manche gramgcbengte Mutter, manche ' trauernde Braut wird hier den lhräncndcn Blick an - einen rheuren Nennen heften, und alter Schmer; eines ' herben Verlustes wird noch einmal in ihren Herzen! aiistebcn, um daun dem tröstenden, stolzen Bewußtsein : zu weicheu, daß der ruhmvolle Tod durch unsterblichen! Preis belohnt ist. Uns aber bewegen noch andere Gefühle, während wir die langen Reihen der Namen; dnrchmnstern. Finden wir doch unter ihnen auch : manchen Genossen unseres Glaubens verewigt. Sie haben es nicht geahnt, die Tapsern, als sie sich in ' glühender Begeisterung in daS Feuer des Kampfes; stürzten, als sie siegend niedersankcn und im todcswundcn! Herzen znm letzten Male der Heimath und des Vater-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.