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Jeschurun · 1884-05-15 · Heft 20 (15.5.1884) · p. 308

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 20 (15.5.1884)
Article
Winke für die religiöse Erziehung
Date
1884-05-15
Page
308 (sequence 2)
Language
German
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308 mit sich selbst auözumachen — wir hieben imsere Schuldigkeit gethan," so und ähnlich lantcl der Anssprnch nicht weniger Eltern, die trotzdem den Wunsch hegen, ihre Kinder als ״fromme Juden" im selbstständigen Leben sich bewähren zu sehen. Ich weiß sehr wohl, daß man in Betreff solcher Eltern cinwcndcn könnte, cs wäre ihnen mit der rcligiöscn Erziehung ihrer Kinder nicht wirklich ernst, sonst könnten sie nicht also reden. Ich kann dieses in manchen Fällen zugcbcn. Die Erfahrung aber hat mich gelehrt, daß auch Väter und Mütter so denken und sich äußern, bei welchen dieser Einwand nicht platzgreifeu kann, und bei denen eine solche Anschauung lediglich aus dem Bewußtsein ihres Unvermögens entspringt, ihren Kindern eine kräftige und nachhaltige religiöse Erziehung angcdeihcn zu lassen. Es schmerzt sie tief, daß sie hierzu sich außer Stande fühlen, sie täuschen sich nicht über das verfehlte Ziel derselben, sie hätten cS lieber anders gesehen, aber was sollen sie machen? Wie es ihnen geht, so erging eS ja auch vielen ihrer Verwandten und Freunden, und in jenem Ä.uSspruche Lhut sich eine traurige Resignation kund und das Bestreben der Beschwichtlgnng ihres Gewissens. Wenn mich meine Beobachtung nicht täuschen, sollte, so ist der Grund dieser verfehlten -religiösen Erzichnng in solchen Fallen zunächst darin zu suchen, daß jene Eltern wohl verstanden haben, dem Kinde zeitwellig Gehorsam cinzuprägcn, nicht aber seinen Geist zu wecken und sein Herz zu erwärmen für die religiösen Pflichten, deren Ucbnng nur unter der unmittelbaren elterlichen Autorität von ihm vollzogen wurde. Wenn ich diese Ansicht auSzusprcchen Veranlassung hatte, so wurde mir vielfach cntgcgcu'gchaltcn: Sie mögen recht haben; aber was können diejenigen Eltern für eine gedeihliche religiöse Erziehung thim, die weder die erforderlichen Kenntnisse noch die nöthige Bildung besitzen, um tiefer in den Geist des Judenthums cinzudringen und denselben ihren Kindern zu erschließen, die auch nicht die Gelegenheit haben — und daran fehlt cS ja an den meisten Orten — den eigenen Mangel durch geeigneten Unterricht in der Religion zu ersetzen? Sic können doch nicht bei jedem GcschLstSmanne eine solche umfassende Kenntniß des Judenthnms voraussetzen, da doch, so wie Sie cS meinen, auch die wenigsten Lehrer befähigt sind. Sind also nicht jene Eltern vollkommen berechtigt sich zu trösten, daß sic kein Bcrschulden träfe, da sie das Ihrige geleistet, die Verhältnissc aber mächtiger wären. als ihr Wunsch und Können? Ich habe hierauf stets erwidert, daß cS gar nicht einer besonderen Gehrsamkeit und außerordentlichen Geistesbildung bedürfe, um dem von mir Geforderten zu entsprechen. Was ich verlange, könne von jeden; Pater!;uh jeder Mutter, denm eS mit der religiösen Kindercrziehnng rechter Ernst sei, geleistet werden. Und ich glaube, daß ich hierin nicht im \hx* recht bin. Können nicht auch die einfachsten Eltern, «m bei den angeführten Beispielen zu bleiben, ihrem Kinde sagen: mir dem bloßen Zizilh- und Tcfillm- Anlegen ist der Zweck dcS göttlichen Gebots noch nicht ganz erreicht; die Zizilh sprechen zu dir וזכרתם unb 1א תתורי?, der Gesetze Gottes stets eingedenk zu sein und nicht zu folgen den Einflüsterungen der Begierde und der vermeintlichen Menschenklngheit; Sabbath ruft dir zu: כי ששת עזים עשה ה׳ את השמים ואת הארץ. Gott in Schöpfer des Himmels und der Erde, Ihm gehörst auch du mit deiner Arbeitskraft an, welche du nur verwenden darfst nach Seinem Willen u. s. w. u.s. w. Ich sollte meinen, daß eS auch dem schlichtesten Vater möglich wäre, in dieser Weise zu seinem Kinde zu reden, zu ihm alio zu sprechen in dem Augenblicke, in welchem cS eine religiöse Pflicht übt. Er spricht ja damit nur das aus, was ausdrücklich im Gesetze enthalten ist. Dem denkenden Vater wird eS nicht schwer fallen, bei den meisten religiösen Handlungen dergestalt auf das Gcmüth und den Verstand des Kindes einzuwirkcn, so daß es nicht gedankenlos die religiösen Pflichten erfüllt. WaS dadurch gewonnen ist? Die religiöse Ucbnng wirddem Kinde ein treuer Lehrer und Freund. ES gewinnt sie lieb, weil cs sic versteht, weit sie eine Sprache redet, die in Herz und Verstand Widerhall findet, )veil sic erhabene Begriffe und hehre Wahrheiten in ihm anregt. (Schluß folgt.) Köllkiüankk» kiMdWr Snttciip. HL (Aus Massechet Derech Errz.) Ucberlege sorgsam bevor dn redest; — überdenke deine Handlungen im gesellschaftlichen Leben. * * Benrtheilc deinen Nächsten nach der guten Seite, die schlechte sei nicht die Ausschlag gebende. * * * Freue dich deines Theils — dein Weniges gewähre dir Befriedigung. 4- 4- * Bist du in der Beachtung einer Pflicht lässig, so wirst dn auch in Betreff anderer Gebote lässig werden. * * Hast du etwas genommen, was nicht dein, so wird auch daS Dcinige dir genommen. * * * Der Gelübde Anfang ist der Thorhcit Pforte, der Beginn der Unreinheit eröffnet dem Götzenthum

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