Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1884)
- Article
- Österreich-Ungarn : Wien, 6. Mai [Nachricht]
- Date
- 1884-05-08
- Page
- 302 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2933049-2933068--15584-2957019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in größerer Ausdehnung das Ansiedelnngswcrk \\\ fördern. Der Erwerb von G!-!md nnd Boden, die Beschaffung der Wohnstätten, die Versorgung mit Gerälhsckasteii, Zuchtvieh, Frnchrsaarcil ebensowohl, wie die nolhwendige Erhaltung und Verpflegung bis die Bearbeitung des Bodens Ertrag liefen, erheischen begreiflicher Weise solche ungeheure Lummen, daß cs sehr erklärlich erscheint, wenn nur ein äußerst geringer, vielleicht fast verschwindend kleiner Thcil der?Flüchtlinge der Vaudwirthfchaft zngeführt werden fountc. Ein sehr großer Thcil irr! arm und clcud durch die Straßen der großen Städte und wandert von Drt zu £71, ein Thcil ist vielleicht schon nmgckommen, ein Thcil kehrt krank und von Allem entblößt nach Europa zurück. Es wäre sehr zu wünschen,!venu die Allianz autentischc Vcweise für die günstige Anschauung, welche sic von der russischen Hülssakrion hegt, veröffentlichen wollte. — Dieselbe hat der ״MontesiorcAgrienttur-Aid-Societh" zu Ncw-Iork zur Förderung der Kolonisten einen größeren Beitrag überwiesen. — 3m Uebrigen mag noch erwähnt werden, das; im Jahre 1883 für die Hebung des PolkSschulwcscnS in Galizien 1 700 Gulden ausgegeben wurden. Außerdem hat der Verein fünf Stipendien, ein jedes mit 2h0 Gulden, gestiftet für solche junge Leute in Galizien, welche sich der Vaudwirthfchaft widmen wollen. — In den anderen Staaten der Monarchie verausgabte sie 3400 E'nildcn eben-־ ־fallt«, für Sch ul zwecke. — Die Milgliederzahl der Allianz beziffert sich auf 20 50. H o l l a n d. -okl- Hang, Ende April. Wie verlautet, soll in nächster Zeit an Sir Moses Montcfiorc eine Glückwünsch Adresse, welche von mehreren tausend Holländern unterzeichnet wird, durch den holländischen Gesandten in London überreicht werden. England. §£•§ London, 4. Mai. Der Antisemitismus , hat also seinen Weg auch nach dem englischen Reiche \ zurückgelegt. Freilich ist es ihm bis jetzt nur gelungen, sich in dem eutlegeudften Thcile der vc׳.einigten Königreiche, in Limerick, zu behaupte». So unbedeutend verhäUnißmäßig noch immerhin der Exzeß gewesen, so ist die Thalsache bedeutsam genug, um zum )Nachdenken nnzurcgeu. Nichts ist so ansteckend, wie der religiöse Wahnsinn, das nationale Borurtheil. Vergangenen Donnerstag hat in Limerick cir:c kleine Wiederholung der Unruhe staugesunden. Zwei Juden wurden durch Stcinwürfe bedroht. Die Polizei mußte ihnen Schutz gewähren. Rußland. ...2. Petersburg, 30. April. Zu den härtesten Aussprüchen der irn Gotteswort enthaltenen Schilderung des trüben Geschickes, welches dem. jüdischen Volke zu Thcil werden würde, zählt sicherlich das והיו חייך ״ תראיש לך 2:;ףTein ׳öebcli wird dir immer in ferner Schwebe sein, du wirft Nachts und Tags in Angjt sein und keinen Glauben an beiu Leben haben." Dieses Verhüngniß erfüllt sich an den russischen Juden; sie harren und bangen, sie hoffen und zagen; eine Nachricht wird durch die andere Lügen gestraft, und Gewißhei! haben wir noch immer nicht, was uns die Zukunft bringen wird. Die zur durchgreifenden Regelung cingc* setzte Kommission hüllt sich in tiefes Schweigen. Der ״Hameliz" schrieb kürzlich, er wisse Günstiges übenden Gang der Verhandlungen, dem wird aber widersprochen, und die cinlaufeu-cu Berichte sind traurig und niederschlagend. Die Vcrwaltnngsbehörden bereiten den Inden schwere Verlegenheiten, — die Bauern erheben sich in einigen Gouvernements gegen die wehrlosen Hebräer, werden allerdings noch im Zaum gehalten durch die bc öffnete Macht, — die Universitäten beschränken die Zulassung jüdischer wißbegieriger Jünglinge — es ist. als ob man uns zur Verzweiflung bringen wollte. Aber, Gott sei Dank, wir vertrauen dem Schutze des allmächtigen Hüter Israels! Wir bewahren unsere Ruhe trotz der Hetz- und Schmähartikel einer uns feindlichen Presse. — In der Pcßachnacht wurden von hier mehrere achtbare mit Vegilimatiouspapieren versehene Juden aufgegriffen und zur Stadt hinaus gebracht, weit sic nicht besondere Erlandnißscheine für den Aufenthalt im Innern des Landes besaßen. — Möge Gott geben, daß ich Ihnen bald in freudigerer Stimmung schreiben könnte! * Fekatrriuvslnw, 1. Mai In dem Pro-;esse gegen den wegen Widerstands gegen die Behörden gelegentlich der im vorigen Jahre hier vorgckommencn Exzesse gegen Israeliten angeklagtcn Bäcker A typ off, iwc bem hiesigen Bezirksgericht, haben die Geschworenen , den Angeklagten für schuldig erkannt, aber demselben! mildernde Umstände zugebilligt. Das Gericht hat den Angeklagtcn in Folge dessen zu einer Gesangnißstrase von acht Monaten vernrtheilk. — Zwei andere Augeklagte sind zu 2jähriger bezw. einjähriger Zuchthausstrafe vernnhcilt worden. Mnriauapo!, 2. Mai. Die Verhandlung gegen die bei der Judenverfolgung im August 1882 Bet heiligt erhat nunmehr begonnen. Dieselbe wird gegen 28 Angeklagte geführt. Türkei. * Küustantrnope!. Nach dem Berichte der ..All. ifv mnv." sind seitens der unter dein Protektorate des Sulla ns arbeitenden Unterstützungskvmmission für bk durch die F'uersbrunst Beschädigten vertheilt worden: 083 210־ Piaster zur Entschädigung von abgebrannten