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Jeschurun · 1884-05-08 · Heft 19 (8.5.1884) · p. 300

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 19 (8.5.1884)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1884-05-08
Page
300 (sequence 2)
Language
German
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300 ba$ beut '?lubcnfcn iljrcr verewigten Tochter Georgine Lara von Rothschild gewidmete Hospital, eine Mnsleranüalt dieser :'ln, gesüflet und unterhalten. — Eine Aitnchntlichkcit der jüngsten Zeit ist die Einrichtung, dass laut Vereinbarung mit der Hospital-Verwaltung! der vor einigen 'Dfomum neu gegründete Verein zur Versicherung gegen Dienstbotcn-Hosvitalkosten den Mitj gliedern der israelitischen Religionsgescllschast Gelegenheit giebt, ihre erlranlren Dienstboten in da- Georginc > Lara Rothschtld'sche Ho'pital nntcrznbringcn und die! hierbei entstehenden kosten gegenseitig zu versichern, j VN! der »Gründung diese- Verein-, der bereit- 80 Mitj glieder zählt, ist einem grasten Bedürsniß adgeholsen l worden, da da- Gwmei11dc־Hospilal die Ausnahme der j erkrankten Dienstboten der An-gelretencn unter den bij seht gegolieiten Bedingungen nicht mehr zngelassen hat. > Die kosten sür einen erkrankten Dienstboten belaufen sich! aber häufig sehr hoch und treffen, de sie meistenohne! An-sichr ans Wie der er sah sind, die Herrschast de- Dienst-׳ bo!en sehr empsindlich. Mit der Gründung diese-; Vereinsind die Mitglieder der israelitischen Religion--! gesellschast auch dieser Lorge enthoben, bemt der Betrag; der Verpflegung (2J{. pro Tag, gegenwärtig Lpital-! tarc sür die Dienstboten der Mitglieder der israclitii scheu Rcügion-gcsellichast) wird gegen Vorzeigung der; Hospital Oniltnng znrückcrslattet. Ich führe diesean. um Ihnen zu zeigen, wie die hiesige Religion-gescll-; schast sür die Bedürfitisse ihrer Mitglieder nach jeder Leite Rechnung trägt, und alle nur möglichen Anitehntlichkeiicn denselbeit zu bieten sucht. Ez AR i üben, 4. Mai. Die hiesige Krci-schulinspektion hatte im vergangenen Jahre in Folge Spezialerlasseder Negierung verfügt, daß die jüdischen Schüler vom Besuche der Schule an! Lonnabcnd nicht befreit werdeit dürfen. Eist hiergegen Rekurs an da- Kultusminisrerinm erhoben worden. Herr von Goßlcr hat demselben slallgegcben, und so ist nunmehr von der Königlichen Negierung die Anweisung crtheilt worden, daß alle Lehüler israelitischen Bekenntnisse-, deren Eltern oder Pfleger daraus antragen, von dem Schulbesuche am Lonnabcnd uitd hohen jüdischen Feiertagen fortan di-pcnslrt werden sollen. \ | -lns dum Ilvgivnuig - b c z in kr 51 n s sel, 3. Mai. Es war in der That hohe Zeit, daß der ׳Negierung die thatsächlichc 2 a ge der bei der bevorsichenden pandrabvinerwahl z׳u berücksichtigenden Vcrhälinisse offen und ungeschminkt vorgctragcn wurde. Es ist ja iticht unser Nabbinat-bczirk allein, tu welchem cs den Nesormern gelungen ist, das Ohr der Staatsgcivalt zu besitzen, in weiteren Kreisen haben diejelbcn die Gesetzestrenen verdrängt und der Negierung sich als die Träger der Bildung im Gegensätze zu den itnerlcuchtetcn Orthodoxen zu empfehlen verstanden. In diesem Faktum findei die traurige Gestaltung unserereligiösen Gemeindelebens ihre Erklärung, ihin verdankt die eine jede wirkliche Selbstständigkeit der jüdischen Gemeinden ansschließende Ordnung der jüdischen Angelegenheiten, welche sei! Dezennien eingcführt ist. ihr Entstehen, ihm ist der Verfall der Neligiosität in weiten Kreisen zuznschreiben. Da in Folge dessen die Gemeinden vernrtheilt -raren, stumm dareinznschancn, welche Persönlichkeit die von ihnen nicht gewählten, aber sie beherrschenden Krcisvorsteher ihnen zum Rabbiner zu geben sür gut erachten, so ist es mir mtt Freuden zu begrüßen,!venu einmal ein freimüthigc- Wort gesprochen wird, das für das eigentliche Indenlhnm kräftig eintritt. Es hat sich deshalb eine Anzahl wackerer Männer vereinigt, um der Kgl. Regierung die Bitte vorzutragen, daß dasjenige vorgesehen werde, durch welches allein cs möglich sei, einen ernsten, gewissenhaften und gelehrten Mann sür das Rabbinat zu gewinnen. In der Petition wird zunächst das Bestehen verschiedener Richtungen in der Gegenwart hervorgehoben und gezeigt, daß ans dem religiösen Gebiete ein Zusammengehen det Ncsormer mit den Gesetzestrenen nur dann möglich sei, wenn die Ersteren sich allen Anforderungen des Gesetzes sür die Handhabung desselben fügen. Der gesetzc-trene Israelit könne aber niemals einen Rabbiner anerkennen, welcher in Gesinnung oder That sich von einem 1111־ jüdischen Geiste leiten lasse, tvie solchebi-her allerdings geschehen. Sie bitten deshalb um den Erlaß von Anordnungcn, durch welche die Wahl eines gesctzc-trenen Rabbiners mindestennicht von vornherein ansgeschlossen erscheint. — Hoffentlich wird dieser Schritt nicht ohne Erfolg bleiben. -H.S. Ob״rzb׳׳rH, 2. Mai Satomon Schwarz, der im Ti-za-E-zlarer Prozesse Hanptangeklagtc. war in diesen Tagen hier in Wnrzbnrg. DaS ״Frank. VolkSblatt" meint: ״Er .schnorrt׳ jetzt in Deutschland von Stadt zu Stadt. In den letzten Tagen war der Schächter in Würzbnrg und socht bet der Jndenschast." Warum regt sich denn das ״schöne" Blättchen so sehr darüber ans, daß es in solch gehässiger Weise schreiben muß? Ich glaube, dem Herrn Redakteur ist das?Fechten nicht bei, sondern gegen die Iudeuschask einmal übel bekommen. Qtti baculo tactus est, taceat. ־11־ Mlincheri, 2. Mai. Ein neues Shstem haben hiesige Autiscmitenblättcr begonnen oder vielmehr den Wink dazu gegeben. Der Negicrnngssonrier Schmidt nämlich, welcher wegen Veruntreuungen vor die Assiscn gezogen war, wurde in Folge der glänzcndeu Verkheidignng des Rechtsanwalts btrrn Dt׳. Bernft e i 11 srcigesprochcn. Darob wallte heiß das edle Antiseiuitcnblnt redigtrender Herren: ״die orientalischen Ungezogenheiten dürsten nicht in den Gcrichtssälcn ge-

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