Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1884)
- Article
- Der Klesmor
- Date
- 1884-05-08
- Page
- 297 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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M 18. 297 Ieschurnn. Wegen Anhäufung des ^toffco hat bir}■:«* Mal zu lmfcrcm Bedauern die Fortsetzung vor! ״David Haller" ausfallcu müssen. Nach Beendiipmg dieses eigenartigen Werks wird unser Feuilleton ein Zeitgemälde von spannender und ergreifender Wirkung unter dem Titel: und )udcntljum" von F rieb v ich Oi e. 11 dringen. Der itfesntor. Bon Zcd'rdnch. II f. Tie Hochzeit. Die Stunde naljt -- geschmückt, in weißem Schleier, Die reine Stirn von Goldbrokat verhüllt, Schon harrt die Braut des Mannes, der ihr tHeuer, Sie wartet sein, der treuen Liebe Bild. Die Stunde naht, — die Herzen pochen bange — Da, horch, Musik! — der Brünt'gam holt die Braut. Voran der Klesmor spielt mit frohem Klange, Doch dringt nicht in sein Herz der heit're Laut. Die Stunde naht — zu weiten Lebenswegen Will sich jetzt rüsten hoffnungsvoll ein Paar, — Daheim sieht hoffnungslos dem Tod entgegen Ein Wesen, das voll Lcbenshosfnung war. Die Stunde naht — cs treten jetzt die Frauen Zur Braut heran, und die Musik erklingt. Ein wundersames Bild is! dort zu schauen, — Und die Nabbiwrin den! Klesmor winkt. Seht, wie sie jetzt die Füße hebt, Schreitet im Takte fein und nett, Und ihr aller Leib scheint!reubelebt Im Tanz, im Menuett. Dann nach der Reihe tanzen sie, Dreh'n sich Im Kreise um dic Braut Nach des Hochzeitsreiaen Melodie, Nach Hellem Fl ölen laut. Der Tanz ist aus — der Klesmor tritt zurücke, Ein Theil des Tagewerks hat er vollbracht, Er sendet aus zum Himmel sleh'nde Blicke: War' erst die Zeit der Heimkehr da. die Nacht! Es jauchzet alles, alles ist voll Ft ende, Schaut in die Welt so heiter und so froh, Und er — erdrücket fast von schwerem Leide, Er dankte Gott, wenn diese Lust er floh. Er möchte gehn!, fort von des Jubels Staue Zu seinen! Kinde — zu der Trauer Drt: Ja, wenn die Pflicht ihn nickt gebunden hätte, Er bliebe nimmer bänger wahrlich dort. Hier frohe Hochzeit, dort der Krattkheit Schmerzen, Hier Lust und Freude, dort das schwerste Leid, Hier jubeln alle froh ans vollem Herzen, Dort bricht das Her; vor tiefer Traurigkeit. Im Sterben liegt sein Kind. — ״Zum Zug geblasen! : Es führt der Bräutigam die Braut zum Mahl, \;Huf, Kiesmor! lustig lass' die Töne rasen, j Zieh' jetzt voran;um grün bekränzten Saal!"! Wild fährt er auf, packt krampfhaft seine Flöte, j — Ein lust'ger Marsch ertönet jetzt geschwind, Dabei klingt lustig auch die Klarinette — Und sterbend in der Heimath liegt sein Kind. Zum weiten Saale jetzt, dem reichgeschruncktcn, Der Klesmor schreitet todtettbleich vorauf, — Den Geist die bm'ren Sorgen weit entrückten, Er läßt den Tönen ihren freien Lauf. Hinein znm Saal! Beisammen sitzen alle, In Lust und Freud' versunken alle sind, Der Jubel herrscht beim, frohen Liedcrschallc — — Der Klesmor denkt nur an sein steebend Kind. Litte Ln!mmmg an Geilirl. Lübeck, den 18. April!864. Am Sonntag, den 6. April, verlor Lübeck seinen Stolz, das deutsche Volk seinen gefeiertsten Dichter, I den Professor Emanucl Geibel. Es kann nicht meine j Ausgabe sein, Geibel's Bedeutung für dic deutsche! Literatur, seinen Einslttß ans das deutsche Volk zu be-! sprechen, darüber sind Ihre Leser anderweitig bereits! belehrt j Auch von dein feierlichen Leichenbegängnisse will; ich nur das Eine erwähnen, daß auch die hiesige israelitij sche Gemeinde bei demselben durch eine Deputation j vertreten war und die israelitische Gemeinde Hamburg j einen sehr schönen Kran; geschickt haben soll.! Was ich crzählcn will, ist eine Kleinigkeit, die aber! immerhin einen Beitrag liefert zur Ka!akteristik dieses; seltenen Mannes, dessen Tugenden ans gleicher Höhe ■ standen mit seinen Fähigkeiten, der ein ebenso herrlicher! Mensch, wie ein gottbegnadeter Dichter und Denker j gewesen. Ich will eine mir persönlich erwiesene Licbens- Würdigkeit hier dankend erzählen, Wien ii in t i ch Geibel! mir ei 11 ft ein Gedicht forrigirt hat. Es war vor vier Jahren. Die neue Synagoge; sollte eiugeweiht und der regierende Bürgermeister er-; snckl werden, das Gotteshaus zu erschließen. Ein kleines; Mädchen sollte ihm den Schlüssel überreichen und selbst-! verständlich dabei eine passende Ansprache Hallen. Kurz : und bündig mußte diese natürlich sci!!^ also in ge-