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Jeschurun · 1884-05-08 · Heft 19 (8.5.1884) · p. 292

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 19 (8.5.1884)
Article
Salomonische Spruchweisheit
Date
1884-05-08
Page
292 (sequence 2)
Language
German
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292 bereit sein. Aber hinsichtlich eines GntcS, das nicht unser ist, das nnS nur zn gewissenhafter Huth anverträn! ist, ist nus von Vorhinein die Möglichkeit genommcn, einen Vergleich cinzngehcn. Gewalt kann eS uns oerfümmern, kann eS schädigen, rauben, wir können gcnölhigl sein, der Gewalt zn unterliegen, aber nimmer können wir Gewalt als Recht anerkennen, können nimmer. um des lieben Friedens willen, ein ״vcrgleichendem" Friedensinstrument unterzeichnen. CS ine solche Unterzeich!uing wäre nichtig, weil uns die Vollmacht sehlt. * Fehlt das össentliche, schauende Wort, verliert das Volk allen Halt, Ein ׳Wächter der Gotteslehre, Heil ihm. (29, l 8.) חזון, daS össentliche, schauende 'Wort, wie wir eS auS dem Munde unserer Propheten kennen, daS Wort, daS über Das, was ans der Oberfläche und in der Gegenwart vor Angen liegt hinaus, das den Menschen und den Zuständen ans den Grund schaut, sie an dem einzigen einig gültigen Maßstab des göttliches Gesetzes und der göttlichen Lehre prüft und würdigt, und auf die Folgen hinweist, die unausbleiblich anS den Znstünden der Gegenwart sich entwickeln, wenn diese Zustande nicht geändert werden, — ein solches Wort, das in Mitte des GenteinweseuS jederzeit unbestechlich die Standarte der unveräußerlichen Wahrheit erhebt und die Menschen zur ׳Besinnung und Besonnenheit ladet, ein solchem Wort, meint unsere SpruchweiSheit, dürfe in keiner Zeit und in keinen! Gemeinwesen fehlen, wenn nicht dir Menschen daS richtige Urthcil über sich und ihre Zustände, und damit daS Band und den Halt verlieren sollen, die sie in wandelloser Treue in Erfüllung ihrer von Gott gewiesenen Pflicht aufrecht halten sollen. Ohne solches schauende Wort wird die 'Wahrheit getrübt und gefälscht, und geht die Erkenntnis verloren, ans welcher die GottcSlehre den Boden ihrer Erfüllung sucht. ׳Wer aber mit solch schauendem Wort sich als Wächter der GotteSlehre bewährt, dem wünscht und verheißt unsere Spruchweisheit alles Heil, welche Kämpfe und Anfeindungen auch mit der treuen ErfüUnng eines solchen WächteramtcS unvermeidlich verlnmden sein utögen. >Forlsctzung solar.) Das Mein ml Dein, ober: Von der Selbstsucht zur rlueigeuuützigkcit. Bclrachknug von L. A. Rosen!hat, Prediger zn Köchen. (Schluß.) ״ ׳שלי שלךDas Meine sei Dein," so sprechen andere Menschen, und unser Herz beginnt bei diesen Worten wärmer zu schlagen — wie werden wir aber abgekühlt von unserer Begeisterung, wenn wir den nüchternen ׳Rachsatz vernehmen: ושלך שלי ..aber das Demi ge muß auch mir gehören!" Hier sehen wir eine Art Mensrlienliebe emporwachsen, aber die Bedingnng der Gegenseitigkeit lauert int Hintergründe. Ans diese Worte hat sich das gesellschaftliche Berhältniß der Menschen zu einander gegründet, und so mag cr uns als Borbereitung zum wahrhaft edeln Menschenthnm gellen. Verstehen wir die rechte Bedeutung dieses Satzes? Die Schwäche hat ihn geschaffen, indem der Mensch seinem Mitmenschen gern das bot, waS cr selbst im Ucbcrflussc besaß, wenn er nur darauf hosjen konnte, daß Jener auch seinen Bedürfnissen entg-׳genkonnnen würde. Sehen wir, wie die Menschen einander hülfreich cntgegenkommen, wie sie für einander empfinden, so darf uns dies mit Freude erfüllen, denn wir sinden darin daS שלי שלך ..das Meine sei Dein!" verwirklicht. Aber es muß uns verstattet sein, auch danach zu forschen, ob denn nicht das Verlangen nach einer Gegenleistung im Hintergründe lauert. שלי שלך ״Meine Hülfeleistnng sei dir geweiht,, meine Unterstützt!ng in bürgerlichen Angelegenheiten, aber שלך ׳שלי ״mir muß dabei die Sicherheit innewohnen, daß auch deine Kraft sich mir in gleicher 'Weise dienstbar erweisen werde." Da sprechen wir zum Freunde im geselligen Verkehre: ״ שלי שלךMein Umgang mit seinen Reizen und Porthcilcn gehöre dir, aber" ״ שלך ׳שליdein Umgang muß mir dieselben Freuden, dieselben Vortljeilc, dieselbe Ehre bieten," und so sehen wir denn auch, daß daS gesellschastüche Bedürsniß des Menschen ebenfalls eine Sebstsucht in seinen Gestaltungen ansbildet, daß sich in peinlicher Genauigkeit nur Gleich und Gleich gesellt, daß ein Jeder nur den Wiedcrschein der befreundeten Persönlichkeiten auf sich znrückfalletr zn sehen wünscht. ״ שלי ׳שלךMein Almosen sei Dein," so sprechen wir zum Elenden, dem wir unsere Hand helfend entgegenstrecken, aber der Arme muß uns verstehen, daß wir im Stillen den Satz fortsetzen: ושלך ״ שליaber waö du, der alles Besitzes Entblößte, nur bieten kannst, das muß als Entgelt mein werden, daS ist Dcmnth, tausendfache, kriechende Dankbarkeit und Verbreitung meines Ramens!" So leuchtet das Wort unserer Weisen unerbittlich in die Tiefen der mcnsch.- lichcn Empfindungen hinein, und eS enthüllen sich so viele Züge, ans die wir im Rainen des Mcnschenthnms stolz sein zn können glauben, als nackteste Selbstsucht. ״ שלי שלך ושלך שלךDas Meine sei Dein und auch daS Deine bleibe dir," so hören wir endlich versöhnend und erhebend den von unseren Weisen הסיד Genannten sprechen. Er unterscheidet sich im Lebenskainpfe, im Ringen um die Vortheile des Daseins, , gewiß in Nichts von seinem Nebenmenschen, und er

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