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Jeschurun · 1884-05-01 · Heft 18 (1.5.1884) · p. 287

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 18 (1.5.1884)
Article
David Haller
Date
1884-05-01
Page
287 (sequence 1)
Language
German
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287 David A aller. Bon AastaU ^imou. Mi :Hi•*!« vovl'cl'OlU.«־ י n-ovtic^inijj.; David wollte es fiel) 1n1׳u aefteijen. daü die Worte seines Vetters t5!npsindn׳:gen oci ihm crwcilicu, die er gern unterdrückt hätte. DSUven waren nicht d>nch die Darlegung des völlig negtrenden Standonnltes, den Marlow als den seinigen bezeichnet,.׳, s.evvergernsen worden. Der junge Mann begriff, dag dictt sogenannte extreme Reform mit dem I!!de!!tp׳.!!!!e gar nichts mehr gemein haben konnte und ein sich auf die!üm Gründe erbauendes vorgebliches System den Name:: eines jüdi׳׳ sehen sich nnder-rechilich aneignete. Ja fei oft der Lottes begriff dieser Reform deckte sich keineswegs mit dem mosaischen, wie Marlow meinte. Dieser ::msan das Anerkenntniß Gottes als Gesetzgeber, dehn: die göttliche Allgegenwart auf jeden Moment des men׳cchichcn Daseins ans und lehrt ein unmittelbares Eingrnf.m (Wortes in die Gestaltung der irdischen Verhältnisse: jener leugnet die sinailische Offenbarung und eie Göttlichkeit des Pentateuch. So wenig das BDVA seiner nichiindischen Mttschülcr und die pantheistische Gesinnung feiner V eh rer seine religiöse Ueberzeugnng zu erschüttern im Stande waren, cbcufo lag für ihn keine Beunruhigung in dem unjüdischen Bekenntnis; seines Vetters. Dagegen aber trafen dessen Ausführungen über Bargwald ans eine empfindliche Stelle seines Innern. ■v״ttc ooch;ו11!*י ev selbst, wenn auch nicht das Gleiche, so doch Aehnliches, freilich nicht ausgesprochen, aber gedacht. Allerdings hatte er stets versucht, sich dieser Gedanken zu erwehren. 15t wollte nicht;weifein, er wollte sich das Vertrauen in Bnrgwald'S Autorität nicht rauben lassen, er wollte an die Möglichkeit einer Versöhnung zwischen Indenthum und Wissenschaft und Bildung glauben. Und Änrgivald war der Einzige, der sich ihm als Führer bis jetzt dargeboten, der behauptete, diesen Ausgleich gefunden zu habe», während Klein und Grodnaner, den Gegensatz erkennend, sich außer Staude erklärt hatten, ihm den Weg zu weisen, auf welchem jene Versöhnung angetrosfen werden könnte. Grodnaner schien sogar die Möglichkeit einer solchen zu bezweifeln; der tiefer schauende Nabbi Mordche aber ahnte in derselben das Heil der Zukunft. In seinem bescheidenen Sinne hatte sich David immer mit dem Gedanken getröstet, daß er Burgwald noch nicht verstünde, daß es eines umfassenderen Wissens und einer reiferen Erkenntniß bedürfe, um ihn! folgen zu ׳können. Marlow aber hatte mit unbarmherziger Hand diese Illusion zerrissen und Burgwald einen Phrasenhelden genannt, dessen Worte eben nur Schälle wären ohne wirklichen Inhalt. — Sollte er Recht haben, sollte es sich in der That also verhalten und Burgwald's Theorie eitel Traum und Schaum sein? Sollte auch der greise Grodnaner, dessen Ansicht ja in erschreckender Weise mit MarloWs Behauptung von der Unverträglichkeit dieser beiden Potenzen übereinstimmte, Recht haben, Klein aber, welcher weitab von der großen Weit in der Abcze- "'׳'׳»heit einer stillen Klause in einem entlegenen S..tttchen seinen Vebenssodeu abspann, einem Phantom nachhängen, und, während Burgwald demgemäß ein beivußter Heuchler oder ein großsprecherischer Hohlkopf sein würde, sich als einen edlen, aber phantastischen Schwärmer erweisen? So standen ihm in eigenthürnlicher Verbindung Marlow und Grodnaner einerseits und Bnrgwakd und Klein andererseits gegenüber. Die Ch'Hemi verneinten die Möglichkeit des Problems: Marion! ward deshalb ein Feind des IudenthnmS, Groditauer ein t^eguer der philosophischen Studien. Die letzteren glaubten an der Möglichkeit: Klein vcrmochte nur nicht die i'ösnng zu übernehmen, Burgwald aber versickerte, sie bereits vollzogen zu haben. Wollte er den Srsteren Glauben schenken, so leistete er Verzicht ans den herrlichsten Theil der sich gestellten Lebensaufgabe. so hätte cr bis jetzt an dem blumengeschmückten 'Rande eines sahen Abgrunds geschlummert. .- Nein, und abermals nein: cs konnte nicht sein; er wollte nicht zweifeln: Burgivald erschien ihm in zu in-.'ög.r Verbindung mit den! theuern. geliebten Lehrer ׳'Auer Jugend. Die Ahnung des ehrwürdigen Greises war durch den krüftigern Jüngern zur Wirklichkeit geworden — nur an ihm, dem unwissenden Jüngling, lag es, wem! er dem hohen Gcistcsflnge dieses großen ManneS nicht zu folgen vermochte,!venu cr dessen Lehre nicht oerstand oder falsch ansfaßte. Marlow war von Vornrrheil gegen ihn erfüllt; er vermochte ihn auch nicht zu begreifen. Wie sollte er denn? Marlow, der ganz außerhalb deS IndcnthumS stehende Jurist mit dem kalten Verstände, jeglichen religiösen Wissens nicht nur, sondern auch jeglichen religiösen Gefühls bar, — er tonnte nimmer einen! Manne wie Burgwald folgen. Bnrgwald stand zu hoch für den Maßstab eines Marlow. — — So suchte David die gnälenden Zweifel seines Herzens zu beschwichtigen, und es gelang ihm auch in so weit, daß er mit allen! (5ifer sich seinen Studien hingab, ohne zu grübeln und ohne den dennoch öfter in ihn! wiederun! wach werdenden Zwcisel Gehör zu geben. — (5r beendete mit glänzenden! Srsolge die Gymnasialzeit und ließ sich als Studiosus der Philosophie und Philologie an der Universität zu Thalborn inskribircn, gleichzeitig aber auch als einen der ersten Hörer der inzwischen erstandenen Hochschule für jüdische Wissenschaft. ׳Fortsetzung folgt.)

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